"Aktuelle Kriminalitätszahlen in Österreich zeigen stabile Entwicklung"

Bekämpfung der IT-Kriminalität und verstärkte Präventionsmaßnahmen im Bereich der Gewaltdelikte im Mittelpunkt

Wien (OTS) - Ein Vergleich der letzten 3,5 Jahre zeigt, dass sich die Gesamtkriminalität in Österreich kontinuierlich rückläufig entwickelt. Wurden im ersten Halbjahr 2008 noch über 278.000 Fälle und im Vergleichszeitraum 2009 noch 290.685 Fälle angezeigt, so waren es im ersten Halbjahr des heurigen Jahres 263.183. Das bedeutet einen Rückgang um 5,3 bzw. 9,5 Prozentpunkte. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 ist eine Steigerung um zwei Prozent zu beobachten -dies bewegt sich im statistischen Schwankungsbereich.

Angezeigte Fälle in Österreich - siehe ANHANG.

Mehr geklärte Fälle

In Österreich wurden im ersten Halbjahr 2011 mehr Fälle geklärt: die Zahl konnte gegenüber dem Vorjahresvergleich von 101.991 auf 113.629 Fälle und somit um 11,41 Prozent gesteigert werden - siehe ANHANG.

Aufklärungsquote steigt auf 43,2 Prozent im 1. Halbjahr 2011

Ein Vergleich der Halbjahreszahlen zeigt, dass die Aufklärungsquote im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zu den Vorjahren von 38,6 Prozent im ersten Halbjahr 2008 auf 43,2 Prozent gestiegen ist -siehe ANHANG.

Schwerpunkte der kriminalpolizeilichen Arbeit

IT-Kriminalität - die langfristig große Herausforderung
Der zunehmende Umgang mit dem Medium Internet stellt auch die Polizei vor große Herausforderungen: denn mit der Nutzung des Internets wächst weltweit auch die Internet-Kriminalität, die so genannte Cyber-Crime. Diese umfasst Straftaten, die mit moderner Informations-und Kommunikationstechnik oder gegen diese begangen werden.

Im ersten Halbjahr 2011 wurden in Österreich im Bereich der IT-Kriminalität 2.229 Delikte zur Anzeige gebracht, im Vergleichszeitraum 2010 waren es 2.020 angezeigte Vergehen. 2008 waren es im Vergleich dazu noch 1.188 Anzeigen.
Eine starke Zunahme hat es im Bereich des Hackings gegeben, das in den letzten beiden Jahren um über 114 Prozent gestiegen ist: siehe ANHANG.

"In absoluten Zahlen bewegen wir uns hier augenscheinlich auf sehr niedrigem Terrain. Wir gehen hier einerseits von einem sehr hohen Dunkelfeld aus, wissen aber andererseits, dass in diesem Bereich eine Welle auf uns zukommen wird", so der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Dr. Herbert Anderl. "Der globale Trend zeigt eindeutig, dass in den nächsten Monaten und Jahren verstärkt mit Kriminalitätsdelikten im Bereich IT-Crime zu rechnen ist." Dies unterlegen auch die laufend steigenden Zahlen über Computer- bzw. Internutzung in Österreich: laut Statistik Austria verfügten im Jahr 2010 76,2 Prozent der österreichischen Haushalte - das sind in absoluten Zahlen 2.502.8000 Haushalte - über einen Computer (PCs, tragbare Computer und Handheld Computer). 77,8 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben in den letzten 12 Monaten einen Computer bzw. 75,2 Prozent das Internet genutzt.

Das Bundesministerium für Inneres hat hier auf Auftrag von Bundesministerin Mag. Johanna Mikl-Leitner rechtzeitig gehandelt und eine umfassende Cyber-Crime-Strategie verabschiedet. Diese sieht vor, dass zukünftig in der gesamten Polizeistruktur die Bekämpfung der Internetkriminalität einen Schwerpunkt einnimmt. Insgesamt sind 300 Polizistinnen und Polizisten für die Bekämpfung der IT-Kriminalität zuständig. Auf Bundesebene wurde das Cyber-Crime-Competence-Center, kurz "C4", als die zentrale Koordinierungs- und Meldestelle installiert. Modernste Ausbildung und Ausstattung stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie auch die enge Vernetzung mit Wirtschaft und Wissenschaft. Bürgerinnen und Bürger können verdächtige Sachverhalte im Internet an against-cybercrime@bmi.gv.at melden. Seit der Installierung dieser Stelle Mitte Mai 2011 sind 350 Meldungen beim Bundeskriminalamt eingegangen.

"Durch diese genannten Maßnahmen seitens der Kriminalpolizei soll der Anstieg im Bereich der Cyber-Crime gebremst bzw. eingedämmt werden", so Generaldirektor Anderl. Neben der modernen und professionellen Bekämpfung dieser Kriminalitätsformen auf nationaler und internationaler Ebene nimmt auch die Prävention einen immer wichtigeren Stellenwert ein. "Hier soll in den nächsten Monaten durch entsprechende Aufklärungsarbeiten in allen Bereichen eine entsprechende Sensibilisierung erzielt werden, damit sich neben den privaten Usern auch Firmen entsprechend schützen können", so der Generaldirektor.

Wirtschaftskriminalität - Anstieg sowohl der Delikte als auch der Aufklärungsquote

In dem Bereich der Wirtschaftskriminalität konnte in den letzten Monaten ein signifikanter Anstieg verzeichnet werden: so sind die angezeigten Delikte beim Waren-Bestellbetrug von 890 im ersten Halbjahr 2010 auf 1.092 um 22,7 Prozent angestiegen. Auch beim Subventions- und Anlagebetrug sind die Zahlen steigend:

  • Subventionsbetrug: 10 Anzeigen im ersten Halbjahr 2010 auf 80 Anzeigen im ersten Halbjahr 2011
  • Anlagebetrug: 61 Anzeigen im ersten Halbjahr 2010 auf 126 Anzeigen im ersten Halbjahr 2011

Auch auf diesen Bereich wurde bereits vor Monaten reagiert: So wurde im Bundeskriminalamt eine eigene Abteilung für Wirtschaftskriminalität eingerichtet und zahlreiche neue Planstellen für die Bekämpfung dieser Kriminalitätsform in diese Abteilung verlegt. "Die nationale und internationale Zusammenarbeit mit allen betroffenen Organisationen, wie unter anderem der Finanz und der Justiz konnte im In- und Ausland intensiviert werden", so Mag. Rudolf Unterköfler, Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt.

Durch die getroffenen Maßnahmen konnte daher auch die Aufklärungsquote in diesen Bereichen stark gesteigert werden: beim Waren-Bestellbetrug um plus 700 Prozent, beim Subventionsbetrug um plus 36,6 Prozent und beim Anlagebetrug um plus 120 Prozent.

Gewaltkriminalität - stagnierende Anzeigen, hohe Aufklärungsquote

Die Anzahl der Gewaltdelikte - sowohl bei den Morden und Mordversuchen als auch bei Körperverletzungen - ist in Österreich weiterhin stagnierend - siehe ANHANG.

Im ersten Halbjahr 2011 wurden insgesamt 78 Morde bzw. Mordversuche zur Anzeige gebracht, davon wurden 33 Taten vollendet, 45 Taten blieben versucht. "Die Aufklärungsquote ist bei diesen Delikten sehr hoch", so Dr. Ernst Geiger, Leiter der Abteilung Ermittlungen und allgemeine und organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt." Im ersten Halbjahr 2011 lag sie bei 91 Prozent."

Ein Vergleich zum Vorjahr: im ersten Halbjahr 2010 wurden 86 Taten zur Anzeige gebracht, davon 31 Morde und 55 Mordversuche. Die Aufklärungsquote lag bei 94 Prozent - siehe ANHANG.

Bei den im ersten Halbjahr 2011 begangenen Morden bzw. Mordversuchen standen die Täter zu 88 Prozent in einer familiären Beziehung, in einem Bekanntschaftsverhältnis oder einer Zufallsbekanntschaft zum Opfer. In lediglich zwölf Prozent der Fälle gab es keine Beziehung zwischen Täter und Opfer - siehe ANHANG.

"Wichtig ist es die Hintergründe von Gewalt, die schließlich zur Gewaltausübung führen, zu erforschen und nachhaltig zu bekämpfen", so Generaldirektor Anderl. "Aktive Sicherheitspolitik zur Prävention und nachhaltigen Bekämpfung von Gewalt muss daher ressortübergreifend angelegt sein und unter der Beteiligung aller Akteure betrieben werden, um effektiv, effizient und erfolgreich zu sein. Genau hier soll das interministerielle "Bündnis gegen Gewalt" ansetzen. Dieses hat zum Ziel, alle österreichischen Akteure, die sich aktiv für Gewaltprävention engagieren, noch besser als bisher zu vernetzen. Dabei sollen polizeiliche, politisch-gesellschaftliche, wirtschaftliche und wissenschaftliche Aspekte berücksichtigt und gemeinsam Lösungsansätze entwickelt werden. Die verschiedenen Ebenen der Planung, Beschlussfassung und Umsetzung, sowie die Aufgaben, Instrumente und Mittel werden miteinander kombiniert.

Dazu wurde im Herbst 2010 im Bundeskriminalamt die "Koordinierungsstelle gegen Gewalt" eingerichtet, die sämtliche Maßnahmen koordiniert und unter deren Leitung die Fäden zentral zusammenlaufen. Mit ihrer Initialisierung soll die Informationslücke geschlossen und in weiterer Folge konkrete Vorhaben und Projekte initialisiert und begleitet werden. Derzeit werden zehn Best-Practice-Projekte mit besonderem Fokus auf Jugendliche, Frauen, Personen mit Handicap, ältere Menschen und Familien gemeinsam entwickelt und erarbeitet. Die Evaluierung erfolgt nach einem Drei-Säulen-Modell: Exekutive, Praktiker und Wissenschaft arbeiten eng zusammen. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben vom Institut für Stressprophylaxe und Salutogenese (ISS), einem Kooperationsprojekt der NÖ Landesakademie, unter der Leitung von Univ. Prof. i. R. Dr. jur. Rotraud A. Perner und ihrem Team. Zurzeit werden in Kooperation mit den Bundesministerien und den Bundesländern alle Österreich weit bestehenden Projekte und Initiativen gesammelt, katalogisiert und in weiterer Folge bewertet.

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