WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Den Rückenwind der Konjunktur richtig nützen - von Esther Mitterstieler

Ohne Reformen blüht auch uns ein Tal der Tränen

Wien (OTS) - Endlich geht es wieder rund: Der Konjunkturmotor
brummt und im deutschen Windschatten kommt auch Österreichs Konjunktur so richtig in die Gänge. Vergessen können wir das Tal der Tränen der Lehman-Nachwehen, vergessen sind Kurzarbeit und gedämpfte Stimmung bei diversen Autogipfeln. So schwierig es ist, Aufmerksamkeit in Zeiten wie diesen zu erlangen, so sehr müssen sich vor allem die Politiker in einer solchen üben. Ansonsten werden wir ins nächste Tal der Tränen rutschen. Das können auch die vollen Auftragsbücher der Industrieunternehmen nicht kaschieren: Was die Regierung nicht vergessen darf, ist unsere Zukunft.

Schön und gut, dass wir uns von den Wirtschaftsforschungsinstituten schöne Zuwachsraten (siehe Seite 2) prognostizieren lassen dürfen. Uns auf den Lorbeeren auszuruhen, wäre aber der falsche Weg. Wann, wenn nicht jetzt können wir dringende Reformen einleiten? Stichwort Gesundheitssystem, Stichwort Verwaltungsreform und hier mit besonderem Augenmerk auf die Anhebung des Pensionsantrittsalters. Die Wirtschaftskammer hat vorgerechnet: Würden die Österreicher statt mit 58 Jahren erst mit den gesetzlich vorgesehenen 62 Jahren in Pension gehen, würde der Staat pro Jahr fünf Milliarden Euro einsparen. Der Vorschlag von Finanzministerin Maria Fekter, steuerliche Begünstigungen für Golden Handshakes bei Frühpensionisten zu streichen, ist ein gut gemeinter, aber noch nicht ganz zu Ende gedachter. Zu Ende gedacht wäre ein großer Wurf bei den Pensionen. Warum denken Politiker so ungerne über die Wahrheit nach? Das Pensionsantrittsalter ist hierzulande auf dem Niveau der viel gescholtenen Griechen. Anstatt uns ins Ruhekissen zu legen und uns zu bedauern, dass wir Griechenland unterstützen, sollten wir aus den griechischen Fehlern lernen. Und lernen heißt: Zu lange über das eigene Budget zu leben, führt unweigerlich in das Tal der Tränen.

Uns gleichmütig zurückzulehnen und nichts zu tun, ist gerade das, was Steuerzahler und Wähler nicht goutieren, die Regierung aber nicht sehen will. Die schlechte Nachrede, dass die Regierung nur Stillstand ausstrahlt, ist gewiss eine einseitige. Gleichwohl sollte sich das nicht besonders knackige rot-schwarze Duo Faymann/Spindelegger überlegen, wie die viel gescholtenen Landeshauptleute plötzlich den Kurs geändert haben: Was Voves in der Steiermark und Pühringer in Oberösterreich können, sollte auch die Bundesregierung zusammenbringen. Besonders Voves und sein Vize Schützenhöfer haben eine innere Wandlung erfahren, die erfrischend ist. Das macht Hoffnung. Bitte auch in Wien anwenden!

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