Staatssekretär Ostermayer ehrt sozialdemokratische Freiheitskämpfer/innen mit Ehrenzeichen der Republik

Ostermayer: Noch heuer gesetzliche Rehabilitierung der Opfer des Austrofaschismus

Wien (OTS/SK) - Heute, Dienstag, sind im Bundeskanzleramt vier besonders verdienstvolle Persönlichkeiten aus den Reihen des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschist/inn/en mit Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet worden: Prof. Jonny Moser, Prof. Hugo Pepper, Landtagsabgeordnete a.D. Gertrude Spieß und Peter Weidner. Die Ehrung wurde in Vertretung von Bundeskanzler Werner Faymann von Staatssekretär Josef Ostermayer vorgenommen, der angesichts des heutigen 110. Geburtstags von Rosa Jochmann von einem "ganz besonderen Tag" für alle Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer sprach. "Es gibt Momente, in denen Ehrungen besonders angebracht sind. Heute ist so einer. Wir ehren aktive und engagierte Österreicherinnen und Österreicher, die sich große Verdienste im Kampf gegen Rechtsextremismus und Faschismus sowie gegen jedes Unrecht erworben haben", sagte Ostermayer. ****

Man müsse sich ständig daran erinnern, "wie viel Mut, Altruismus und Gemeinschaftssinn es braucht, um Frieden und Demokratie in besonders schwierigen Zeiten zu verteidigen". Es sei daher wichtig, den jungen Menschen dauerhaft vor Augen zu führen, welchen hohen Wert die Demokratie habe, sagte Ostermayer. Aufklärungsarbeit zu leisten und die Erinnerung an die Opfer der NS-Schreckensherrschaft wach zu halten, dazu hätten die heute Geehrten einen wesentlichen Beitrag geleistet. Prof. Pepper und Prof. Moser haben selbst die Gräuel des Nationalsozialismus erlebt und überlebt und sind im Widerstand größte Gefahren eingegangen, so der Staatssekretär weiter. Nach dem Ende des Faschismus hätten sich die Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer ganz im Sinne Rosa Jochmanns auch dafür engagiert, "dass die Erinnerung nicht verschüttet wird und das Leiden nicht sinnlos war." Es sei eine Verpflichtung jenen gegenüber, die nicht überlebt haben, in ihrem Sinne tätig zu werden, so Ostermayer.

Der Staatssekretär erinnerte daran, dass der Faschismus in Österreich schon vor 1938 begonnen hat. Anders als bei den Opfern des Nationalsozialismus gebe es bisher aber noch keine gesetzliche Rehabilitation der Opfer des Austrofaschismus. Ostermayer sagte, dass derzeit in Regierung und Parlament unter Beiziehung namhafter Historiker intensiv daran gearbeitet werde, "diese Lücke zu schließen." Im Herbst soll dazu der Beschluss im Nationalrat gefällt werden.

Der Staatssekretär würdigte die Erfolge der Zweiten Republik, die als "Antithese zur Ersten Republik" gegründet wurde und in der das Gemeinsame vor das Trennende gestellt wurde. "Man hat den Wert von Solidarität und von gesellschaftlichem Ausgleich erkannt", so Ostermayer. Auch heute müsse man den gesellschaftlichen Ausgleich schaffen, gerade im Einsatz gegen die Schuldenkrise. "Wir müssen uns von jenen distanzieren, die den Sorgen der Bürgerinnen und Bürger mit einfachen Parolen begegnen. Wir müssen verhindern, dass sich die Starken auf Kosten der Schwächeren durchsetzen, für uns muss Solidarität im Zentrum stehen", sagte der Staatssekretär.

Stellvertretend für die Geehrten dankte Prof. Hugo Pepper der Republik Österreich für die Auszeichnungen. Er betonte die Gemeinsamkeiten der vier Ausgezeichneten: "Wir kommen aus der gleichen ideologischen Umgebung und teilen die Position des Antifaschismus, die den Grundkonsens der Zweiten Republik darstellt. Dieser Konsens ist stellenweise in Vergessenheit geraten, daher müssen wir immer wieder gebührend daran erinnern." Es gebe in Österreich doch auch sehr viele anständige Menschen, die nach den Werten der Solidarität und Mitmenschlichkeit leben, ihnen allen gebühre unser Respekt, sagte Pepper.

Prof. Pepper schloss sich 1942 nach krankheitsbedingter Rückkehr von der Don-Front dem militärischen Widerstand an. Nach 1945 stellte er sich sofort in den Dienst der Republik und war ab den 1950er Jahren im Bildungsreferat des ÖGB, später im ÖGB-Verlag tätig. Der Lebensweg von Prof. Pepper ist mit tausenden Vorträgen und Artikel untrennbar mit der Bildungsarbeit in der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung verbunden. Für seine verdienstvolle Tätigkeit wurde er mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Von 1992 bis 1995 war er Bundesvorsitzender der Freiheitskämpfer/innen.

Landtagsabgeordnete a.D. Gertrude Spieß war langjährige Abgeordnete im burgenländischen Landtag und Landesfrauenvorsitzende der SPÖ Burgenland. Seit 1999 ist die Tochter eines Holocaust-Überlebenden Vorsitzende der Freiheitskämpfer/innen im Burgenland. Ihre Arbeitsschwerpunkte waren stets Frauenarbeit sowie die Bildungsarbeit und der Schulbereich.

Peter Weidner, geboren in Klagenfurt und wohnhaft in Linz, ist seit 2005 Landesvorsitzender der Freiheitskämpfer/innen Oberösterreich und war zuvor lange Zeit Mitglied des Bundes in Wien. Der gelernte Schriftsetzer war von 1982 bis 2008 Betriebsrat im Pressehaus Wien (später: Mediaprint) sowie Funktionär der Gewerkschaft Druck und Papier.

Prof. Dr. Jonny Moser wurde 1925 in Parndorf im Burgenland geboren und lebt in Wien. Er ist Historiker und Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW). 1938 flüchtete der damals 13-jährige Jonny Moser vor den Nazis zunächst nach Wien, später nach Budapest. Nach der überraschenden Entlassung aus einem Internierungslager lernte Moser 1944 den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg kennen, als dessen "Laufbursche" er mithalf, viele tausende Jüdinnen und Juden vor Deportation und Ermordung zu retten. Nach Kriegsende studierte Moser Geschichte und schrieb seine Doktorarbeit über den Antisemitismus in Österreich. Moser war von 1964 bis 1996 Bezirksrat im 1. Wiener Gemeindebezirk und langjähriges Mitglied des Bundesvorstandes der Freiheitskämpfer/innen. (Schluss) pl/sv

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