"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Boulevard am Pranger"

Die englische Politik hatte lange Angst vor dem Boulevard. Jetzt wehrt sie sich.

Wien (OTS) - Die Gratiszeitung in der Londoner U-Bahn, Metro,
kommt ohne öffentliche Inserate aus. In England ist das Verhältnis zwischen Politik und Boulevardmedien etwas komplizierter als bei uns. Medien-Tycoon Rupert Murdoch hat seinen 32-Milliarden-Dollar-Weltkonzern vor allem auf seine politischen Kontakte aufgebaut. Die englischen Regierungschefs vom Sozialdemokraten Tony Blair bis zum Konservativen David Cameron suchten die Nähe zu Murdoch und seinen Boulevardzeitungen, um sich dann vor diesen Zeitungen zu fürchten. Angstlust heißt dieses psychologische Phänomen.
Politiker, die sich gerne der Ambivalenz von Angst und Lust aussetzen, sollten lieber einen Trainingsflug in einem Kampfjet buchen. Denn das Verhältnis zwischen Medien und Politik sollte rational, vor allem aber nicht von Abhängigkeiten geprägt sein.
In Österreich läuft das besonders pervers: Da füttert die Regierung den Boulevard mit hohen Millionenbeträgen, da existieren Zeitungen nur deshalb, weil sie mit Steuergeld subventioniert werden, und gerade vor diesen Medien fürchten sich dann - zumindest einige Politiker. Bei uns ist das ein Fall für Sigmund Freud, in England endlich ein Thema im Parlament.

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