IV-Konjunkturumfrage: Erholungsdynamik klingt ab

Sich selbst tragender Konjunkturaufschwung löst die Erholungsphase in der österreichischen Industrie ab - Wachstumsdynamik normalisiert sich

Wien (OTS/PdI) - Zwei Jahre nach dem unteren Wendepunkt der Großen Rezession geht der konjunkturelle Erholungspfad der österreichischen Wirtschaft während der Sommermonate in einen sich selbst tragenden Aufschwung über. Die Produktionseinbußen der Jahre 2008 und 2009 sind nahezu wettgemacht, die Exporte als Triebfeder der Erholung erhalten zunehmend Unterstützung durch die Binnennachfrage, welche von den wieder anziehenden Ausrüstungsinvestitionen gestärkt wird. Allerdings steht während der zweiten Jahreshälfte 2011 eine Abschwächung der Dynamik bevor - im Vergleich zum jeweiligen Vorquartal werden die Wachstumsraten merklich zurückgehen.

Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, bildet sich geringfügig von +37 Punkten im Vorquartal auf nunmehr +35 Punkte zurück. "Die österreichische Industrie fungiert damit weiterhin als Motor des Konjunkturaufschwungs", hält der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, das Hauptergebnis der IV-Konjunkturerhebung für das 2. Quartal 2011 fest. Wie im Vorquartal berichtet mehr als die Hälfte der Unternehmen, exakt 55%, von einem aktuell guten Geschäftsverlauf. Mit einem schlechten Geschäftsgang sind hingegen nur noch 3% der Unternehmen konfrontiert - ein Wert, welcher zuletzt im vierten Quartal 2007 erreicht wurde. "Die Konjunkturerholung wirkt gefestigt, von Euphorie kann hingegen keine Rede sein. Immerhin vergeben 42% der Unternehmen für ihren Geschäftsgang lediglich ein 'befriedigend'", so Neumayer.

Die Ergebnisse im Detail

Die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage in der Industrie liegt mit +52 Punkten nahezu unverändert gegenüber dem Vorquartal (+51 Punkte) und damit nach wie vor auf dem höchsten Stand seit dem 1. Quartal 2008. Die Erwartungskomponente mit Sechs-Monats-Horizont reflektiert hingegen bereits die sich abzeichnende Abschwächung des konjunkturellen Expansionstempos. Nach einer Stagnation des Wertes auf einem Niveau von +22 Punkten im Vorquartal bildet sich der Wert auf nunmehr +18 Punkte zurück.

Dazu IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein: "Die bevorstehende Abschwächung ist einerseits Ergebnis des wachsenden konjunkturellen Gegenwindes, andererseits Ausdruck der erwarteten Normalisierung des Erholungstempos, welches wieder auf den Pfad des gesamtwirtschaftlichen Potenzialwachstums von unter 2% p.a. einzuschwenken beginnt. Der Wachstumspfad der österreichischen Industrie setzt sich mithin fort, wenngleich mit deutlich spitzerem Anstellwinkel."

Die Robustheit des Aufschwungs ist umso bemerkenswerter, als die konjunkturellen Störfaktoren sowohl an Zahl als auch an Gewicht im ersten Halbjahr erheblich zugenommen haben. Angefangen von den Preissteigerungen bei Rohöl im Zuge tatsächlicher oder möglicherweise noch drohender Produktionsausfälle in Nordafrika und im arabischen Raum über die Erdbebenkatastrophe in Japan und ihre Folgen, die damit nur zum Teil in Zusammenhang stehende Abschwächung des Welthandels bis zum Wiedereintritt in eine Phase geldpolitischer Straffung nimmt der konjunkturelle Gegenwind zu. "Die konjunkturelle Erholungsdynamik in Österreich hat damit ihren Plafond hinter sich gelassen", so Helmenstein.

Die Auftragsbestände weisen abermals einen marginal besseren Saldo von nunmehr +56 Punkten nach +55 Punkten auf - wie im Vorquartal bezeichnet mehr als die Hälfte (59%) der Unternehmen ihren Auftragsbestand wieder als gut, allerdings nimmt die Auftragsreichweite nicht mehr zu. Die Einschätzung des Bestandes an Auslandsaufträgen schließt im zweiten Quartal 2011 mit +56 Punkten wieder zu jener der Inlandsaufträge auf, nachdem sie sich im ersten Quartal 2011 recht verhalten entwickelte. Hier wahrt eine gute preisliche Wettbewerbsfähigkeit in Verbindung mit der zur internationalen Güternachfrage passenden Angebotsstruktur der österreichischen Unternehmen die Exportchancen.

Die weiterhin solide Auftragslage übersetzt sich auf Sicht der kommenden drei Monate in eine neuerliche, wenngleich im Vergleich zu den Vorquartalen weitaus geringere Ausweitung der Produktionstätigkeit in der Industrie - der betreffende Saldo sinkt von +34 Punkten auf +14 Punkte. Diese Abschwächung reflektiert nicht nur die sich eintrübenden konjunkturellen Rahmenbedingungen, sondern auch das Erreichen der Kapazitätsgrenze in einer Reihe von Unternehmen. Eine weitere Produktionsausweitung setzt sowohl eine breitere Basis der Erholung insbesondere in der Bauwirtschaft und der mit ihr verbundenen Branchen als auch einen Kapazitätsausbau in den wieder gut ausgelasteten Branchen voraus.

Nach dem sprunghaften Anstieg der Einstellungsneigung in den Industrieunternehmen im zweiten Quartal im Kontext der Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011 verringert sich das Tempo des Beschäftigungsaufbaus in der Industrie im kommenden Quartal erwartungsgemäß wieder (Saldo von +19 nach zuvor +25). Die Beschäftigungsaussichten in der Industrie bleiben dennoch stabil -während ein Viertel der Unternehmen Neuaufnahmen vorsieht, planen nur 6% der Unternehmen einen Stellenabbau.

Auf der Erlösseite sehen die Unternehmen vor dem Hintergrund der Wachstumsabschwächung im Durchschnitt keinen weiteren Spielraum für steigende Verkaufspreise (Saldo +1 nach +23). Der Anteil der Unternehmen, welcher Kostenüberwälzungen oder Ertragsverbesserungen zu erreichen vermag, halbiert sich auf 14% und hält sich mit dem Anteil der Unternehmen, welcher mit fallenden Verkaufspreisen konfrontiert zu sein erwartet, in Höhe von 13% nahezu die Waage.

Aufgrund der wieder über dem langjährigen Durchschnitt liegenden Kapazitätsauslastung hat sich die Ertragslage in der Industrie trotz anhaltend hohen Kostendrucks im vergangenen Quartal auf +36 Punkte (nach zuvor +27 Punkten) verbessert. Dieser aktuelle Befund entspricht Werten, wie sie zu Beginn der einsetzenden Aufschwungsphase Mitte des letzten Jahrzehnts zu verzeichnen waren, während in Hochkonjunkturphasen typischerweise Salden in Höhe von +50 Punkten erreicht werden.

Auf Sicht von sechs Monaten bilden sich die Ertragserwartungen der Unternehmen zum zweiten Mal in Folge zurück (Saldo von +11 Punkten nach +14 Punkten). Trotz der anhaltenden Erwartungskorrektur wird sich die Finanzlage der meisten Unternehmen in den kommenden Monaten aber weiterhin konjunkturkonform positiv und somit investitionsfreundlich darstellen.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 388 Unternehmen mit rund 275.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung:
den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible "Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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