Creditreform PRIVATINSOLVENZSTATISTIK 1. Halbjahr 2011: 45 Insolvenzen pro Werktag

Über 5.500 insolvente Privatpersonen, mangelnde Ausbildung Hauptinsolvenzursache

Wien (OTS) - Die endgültigen Zahlen der Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das 1. Halbjahr 2011 zeigen weiterhin einen Anstieg der Insolvenzen von Privatpersonen: 5.532 zahlungsunfähige Private bedeuten ein Plus von knapp 5%. Die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist dabei um 6,7% auf über 4.900 Verfahren gestiegen, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzanträge sind hingegen um 7,6% auf 629 Verfahren gesunken. Die durchschnittliche Verschuldung beträgt ca. 80.000 Euro. Die Insolvenzpassiva belaufen sich auf über 500 Mio. Euro. Die durchschnittliche Quote für die Gläubiger beträgt rund 20%. "Die Insolvenzursachen liegen grundsätzlich im falschen und sorglosen Umgang mit Geld und im Mangel an wirtschaftlicher Bildung sowie im Konsumbedürfnis ohne Limitierungsbedenken", sagt Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform in Österreich. Andere Faktoren, wie Scheidung, Krankheit und Jobverlust bringen das Fass dann nur noch zum Überlaufen. Je schlechter die (Aus-)Bildung, desto höher ist auch das Risiko einer Privatinsolvenz. Ein Drittel der Schuldner ist arbeitslos, ein Drittel sind gescheiterte Selbständige.

Bundesländervergleich: Mehr als 8 von 10.000 Erwachsenen sind zahlungsunfähig/überschuldet

Ein Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigt, dass in Niederösterreich (+19%), in der Steiermark (+13,6%) und in Salzburg (+9,8%) die Insolvenzen am stärksten angestiegen sind. Im Burgenland (-15%), Tirol (-8%) und Kärnten (-3,5%) sind sie hingegen am stärksten gesunken. Wien bleibt die "Insolvenzhauptstadt" Österreichs: Fast 40% aller Insolvenzen finden in der Bundeshauptstadt statt: 2.135 Fälle (+5%). Mit 16 Insolvenzen je 10.000 erwachsene Wiener ist auch das Insolvenzrisiko doppelt so hoch wie im Österreichdurchschnitt. Österreichweit wurden etwas mehr als 8 von 10.000 Erwachsenen zahlungsunfähig.

Conclusio 1. Halbjahr 2011

Eine Privatinsolvenz kommt nicht vom heiteren Himmel herab, sondern entwickelt sich über mehrere Jahre hinweg. Unkontrollierte Ratenvereinbarungen, Nichtbeachtung der steigenden Fixkosten und launisches Konsumieren gepaart mit der Ignoranz eines dafür eigentlich notwendigen Ansparerfolges sind hier aber nur die negativen Ausflüsse einer gesellschaftlichen Bewusstseinsänderung:
wenn die ganze Welt -- siehe die fatale Vorbildwirkung durch die Überschuldung der öffentlichen Hand -- auf Pump lebt, kann ich das als Einzelner doch auch. Dem Schuldenmachen haftet auch nicht mehr der negative Odem einer gesellschaftlichen Ächtung an. Hinzu kommt die schlichte Unbildung über finanzielle Angelegenheiten. Während "financial education" im Angloamerikanischen Raum eine Selbstverständlichkeit ist wie das Lesen, Schreiben und Rechnen, wird es in den heimischen Lehrplänen nach wie vor quasi ignoriert. Erste Ansätze - wie eine Kampagne der Wirtschaftskammer, über "Kinder Cash" und andere private Initiativen für einen "Finanzführerschein" sollten daher weiter unterstützt und bundesweit auch von der Bildungspolitik aufgegriffen werden. "Ein mündiger und aufgeklärter Bürger kann sich selbst am besten vor einer finanziellen Zwangslage schützen und damit sich, den Gläubigern und der Gesamtwirtschaft einen großen Nutzen erweisen", sagt Rainer Kubicki.

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