Internationale Insolvenzprognose 2011: Weltweit minus 7%, Auswirkungen der Schuldenkrise aber nicht absehbar.

Wien (OTS) - Die wirtschaftliche Erholung macht sich auch bei den Insolvenzen bemerkbar. Global gesehen, werden die Firmenpleiten 2011 um ca. 7% zurückgehen. Die Auswirkungen der Schuldenkrise sind allerdings noch nicht absehbar. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Euler Hermes, der Muttergesellschaft der PRISMA Kreditversicherung.

"Einerseits gehen die Insolvenzen in mehr als der Hälfte der Länder zurück, andererseits bleiben sie gerade bei uns in Europa auf hohem Niveau. Zudem können wir noch nicht sagen, ob und wie sich die Schuldenkrise auf die Insolvenzen auswirken wird", sagt PRISMA Vorstand Bettina Selden.

"Wir als Kreditversicherer verfolgen die Situation in Österreichs zweitwichtigstem Handelspartner Italien ganz genau. Den Unternehmen geht es zwar wieder besser, aber was hilft es, wenn Italien aufgrund der hohen Schulden, mit den PIGS-Staaten in einen Topf geworfen wird. Die Zinsen für langfristige Staatsanleihen sind bereits auf fast 6% gestiegen und damit mehr als doppelt so hoch, wie jene für deutsche Bundesanleihen." Für Selden ist diese Entwicklung nicht nachvollziehbar. Sie glaubt nicht, dass Italien von der Zahlungsunfähigkeit bedroht ist. Der Primärsaldo - also der Haushaltssaldo ohne Betrachtung der Zinsausgaben - ist im Plus und die Rückzahlungsfristen sind mit 7 Jahren ein angemessener Zeitraum. Außerdem hat Italien einen dynamischen Exportsektor. "Italien ist und wird kein großes Griechenland sein", analysiert Selden.

Um der von Griechenland ausgehenden Ansteckungsgefahr entgegen zu wirken, fordert Selden ganz klar: "Es muss umgehend eine tragfähige Lösung gefunden werden, um der 'Angstmacherei' endlich ein Ende zu setzen. Schließlich lebt das System auch von Vertrauen, das nicht weiter zerstört werden darf. Es wurde schon genug psychologischer Schaden verursacht.

Insolvenzrückgang ist uneinheitlich

Trotz aktueller Krisensituation in einzelnen Ländern, kann man sich über rückläufige Insolvenzen freuen. Bei PRISMA sieht man den Rückgang nicht nur im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erholung, sondern vor allem mit den erheblichen Anstrengungen der Unternehmen selbst. Viele Unternehmen haben umstrukturiert und sind auf dem richtigen Weg. Stützungsmaßnamen und sektorale Hilfen haben ihr Übriges getan.

Viele Länder, die sich als Motoren des Wirtschaftswachstums erweisen, verzeichnen einen deutlich stärkeren Rückgang als Europa. Dazu zählen die USA und asiatisch-pazifische Länder wie etwa China. Auf unserem alten Kontinent fällt der Rückgang der Unternehmenspleiten bescheidener aus. "In Europa muss man aber immer unterschiedliche Insolvenzgesetze und Definitionen des Insolvenzbegriffes mitbedenken. Direkte Vergleichbarkeit ist schwer möglich", sagt Selden.

Ausgewählte Länder im Überblick (nach Insolvenzanstieg 2011)

2010 2010 2011 2011 Griechenland 810 24,6% 970 19,8% Luxemburg 918 32,5% 1.040 13,3% Tschechien 1.684 12,9% 1.870 11,0% Portugal 4.107 7,7% 4.520 10,1% Japan 13.321 -13,9% 14.000 5,1% Italien 11.400 21,3% 11.600 1,8% Finnland 3.400 -10,6% 3.400 0,0% Russland 16.009 3,5% 15.800 -1,3% Irland 1.556 10,7% 1.530 -1,7% Kanada 4.072 -24,9% 3.990 -2,0% Österreich 6.376 -7,6% 6.190 -2,9% Schweiz 6.255 19,9% 6.070 -3,0% Spanien 4.905 -5,2% 4.700 -4,2% Niederlande 7.268 -9,6% 6.950 -4,4% Frankreich 63.365 -1,8% 60.400 -4,7% Belgien 9.579 1,7% 9.090 -5,1% Norwegen 4.435 -11,5% 4.200 -5,3% Schweden 7.274 -4,8% 6.740 -7,3% Estland 1.029 -2,5% 950 -7,7% Deutschland 31.998 -2,1% 29.200 -8,7% Polen 691 2,7% 620 -10,3% Dänemark 6.461 13,2% 5.700 -11,8% Großbritannien 29.111 -17,3% 25.600 -12,1% USA 56.282 -7,5% 49.000 -12,9% Litauen 1.631 -11,6% 1.400 -14,2% China 3.715 -16,5% 2.970 -20,1% Slowakei 887 13,1% 700 -21,1% Ungarn 17.700 20,9% 13.500 -23,7% Lettland 2.574 19,8% 1.800 -30,1%

Quelle: Euler Hermes/PRISMA; Stand: 06/2011

*) Der internationale Vergleich absoluter Insolvenzzahlen ist schwierig, da die Anzahl der Unternehmen nicht in direktem Zusammenhang mit der Größe eines Landes steht. In manchen Ländern sind auffällig viele oder wenige Unternehmen von der Statistik erfasst. Dies ist auf gravierende Unterschiede in den einzelnen Insolvenzgesetzen oder auf unterschiedliche Insolvenzdefinitionen zurückzuführen.

Österreich weiterhin auf hohem Niveau

Die österreichische Wirtschaft hat vom wieder anspringenden Konjunkturmotor profitiert, die Exporte steigen kräftig an -insbesondere nach Deutschland. Letztes Jahr sind die Insolvenzen bereits um 7,6% gesunken. Dieser Trend wird sich 2011 in abgeschwächter Form fortsetzen: Die Pleiten werden um weitere 3% abnehmen. Mit etwa 6.200 Insolvenzen hat Österreich eine gute Chance Vorkrisenniveau zu erreichen. "Trotzdem gilt: Betrachtet man die Anzahl der Insolvenzen im Verhältnis zur Anzahl der gesamten Unternehmen, hat Österreich mit 2,1% eine der höchsten Insolvenzquoten in Europa", warnt Selden.

Sorge um Griechenland und Portugal

Vor dem Hintergrund der Krisensituation in Griechenland und Portugal ist es wenig überraschend, dass sie Spitzenreiter beim Insolvenzzuwachs sind. In Griechenland werden die Pleiten 2011 um weitere 20% und in Portugal um 10% zunehmen.

Wichtigste Handelspartner: Deutschland und Italien

Während sich die Trendwende in Deutschland (-8,7% für 2011) klar bestätigt hat, muss Italien auch dieses Jahr einen weiteren - aber im Vergleich zum Vorjahr, viel geringeren - Insolvenzanstieg verkraften. Insgesamt werden 11.600 Unternehmen bis Jahresende das Geld ausgehen. Das sind knapp 2% mehr als im Jahr davor. "Somit bleibt die Gefahr von Forderungsausfällen in Italien bestehen", sagt Selden.

Unterschiedliche Aussichten in Mittel- und Osteuropa

Einen positiven Ausblick kann Selden für Mittel- und Osteuropa geben. Nur in Tschechien werden die Insolvenzen auch 2011 um etwa 11% zunehmen. In Tschechien hinken die Insolvenzzahlen der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung hinterher. Die Unternehmen konnten bis dato noch nicht genug vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren und kämpfen mit niedrigen Renditen. "2012 könnte aber die Trendwende bringen", sagt Selden.

Bei den drei baltischen Staaten erwarten die Experten ebenso einen Rückgang. In Lettland sogar um 30%, das ist wohl die eindrucksvollste Trendumkehr des Jahres.

Auch Ungarn und die Slowakei melden positive Ausblicke. In Ungarn werden die Insolvenzen sogar um knapp 24% auf 13.500 Unternehmenspleiten sinken. Die Slowakei kann immerhin noch einen Rückgang von 21% verbuchen.

USA und China

Nachdem die Insolvenzen in den USA 2009 noch nie da gewesene Höhen erreicht haben, werden sie, nach einem Minus von 7,5% im Jahr 2010, dieses Jahr um weitere 13% zurückgehen. Es sind aber immer noch 49.000 Unternehmen, die bis Ende des Jahres bankrott sein werden.

Währenddessen freut man sich in China über ein sehr geringes Insolvenzniveau, das dieses Jahr um weitere 20% sinken wird. "Ich gebe hier aber besonders zu bedenken, dass der Schein trügen kann. Insolvenzverfahren werden in China nach wie vor nicht in Anspruch genommen. Nur internationale Unternehmen (wie zB East Star Airlines) oder im Staatsbesitz stehende Unternehmen gehen wirklich den offiziellen Weg", sagt Selden.

Kreditversicherer PRISMA reagiert mit mehr Risikoübernahme

"Seit Ende letzten Jahres beobachten wir verbesserte Bonitäten bei den Unternehmen. Dadurch können wir wieder mehr Risiko in unsere Bücher nehmen. Unser Obligo ist seit Jahresbeginn um mehr als 1 Mrd. Euro auf knapp 18 Mrd. Euro angestiegen", sagt Selden. Gleichzeitig warnt sie aber vor Forderungsausfällen: "Auch wenn die Insolvenzen zurückgehen, ist das Gesamtniveau hoch. Die Gefahr von Forderungsausfällen bleibt also bestehen."

PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet, erzielte 2010 rund 63 Mio. Euro Umsatz und ist Marktführer in Österreich. PRISMA ist zu 100% Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51% der Managementholding, 49% hält die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe, mit Sitz in Paris, ist Weltmarktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

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Mag. Melitta Schabauer, Pressesprecherin der PRISMA Kreditversicherungs-AG
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