"profil": Romano Prodi: "Lange Periode von Turbulenzen und Chaos"

Romano Prodi kritisiert Europas Politiker/"Niemand übernimmt Verantwortung für europäische Interessen"/Teilung der Euro-Zone schwächt auch starke EU-Länder

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" kritisiert der frühere Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi die mangelnde Entscheidungsbereitschaft von EU-Politikern in der Euro-Krise. "Ich erkenne in der EU nirgends Führungsstärke. Auch große Länder sind nur mehr mit sich selber beschäftigt", klagt Prodi. "Und wer übernimmt derzeit die Verantwortung für die gemeinsamen europäischen Interessen? Niemand!" Die Deutschen sähen sich als "Märtyrer" in Europa, "ohne zu beachten, dass gerade der Euro Deutschland stärker als früher gemacht hat." Frankreich trete "nur noch symbolisch für Europa ein." "Und Italien hat aufgehört, eine wichtige Rolle auf der europäischen Bühne zu spielen. Es sitzt auf der Ersatzbank."

Der frühere Ministerpräsident Italiens kritisiert die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die "wichtige Entscheidungen wegen lokaler Wahlen verschoben hat". Auch Italiens Premier Silvio Berlusconi habe "den Großteil des Budgetsparprogramms auf die Jahre 2013 bis 2014 verschoben." Prodi glaubt an den Fortbestand des Euro, "aber wir werden durch eine lange, lange Periode von Turbulenzen und Chaos gehen." Der Umschwung werde erst dann eintreten, "wenn die Märkte erkennen, dass das US-Budget in viel schlimmerer Verfassung ist als die Verschuldung Europas."

Bei einem weiteren Hilfspaket für Griechenland sollte sich auch der private Bankensektor beteiligen, so Prodi. "Es ist legitim, dass Banken für exzessive Risiken zahlen."

Eine Teilung der Euro-Zone lehnt Prodi ab, weil dies zu einem neuerlichen Abwertungs-Wettlauf führen würde. "Das führt dazu, dass die Wirtschaft der stärkeren Währungsländer wie Deutschland oder auch Österreich geschwächt wird und sich der gemeinsame Markt auflöst. Dann stirbt auch die EU."

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