Was ist Orthokeratologie?

Wien (OTS) - Orthokeratologie ist eine, von Kontaktlinsenoptikern angewandte, seit vierzig Jahren gebräuchliche Methode. Zum Ziel hat sie, die Hornhaut des Auges in die "rechte" Form zu bekommen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen. "Ortho" heißt "recht, richtig bzw. aufrecht", und "kera" leitet sich aus dem "Horn" ab und definiert die Hornhaut. Die Methode und ihre Funktionsweise wurde von Newton Wesley und George Jessen 1960 erstmals und in der Folge von Charles May und anderen angewandt. Sie soll das mehrschichtige Epithel - also die äußerste Struktur der Hornhaut - so verschieben, dass sich die Krümmung der Hornhaut der Baulänge des Auges angleicht.

Es ist richtig, dass diese Formänderung der Hornhaut bei jeder Art der Kontaktlinsenanpassung ohne es zu beabsichtigen passiert, allerdings in minimaler Weise. Oft verstärkt sich sogar die Kurzsichtigkeit durch zu festsitzende, sich wie Saugnäpfe verhaltende, weiche Kontaktlinsen. Formstabile, harte Kontaktlinsen hingegen haben im Verhältnis zur Hornhaut eine flachere Krümmung und führen daher zu einer Verringerung der Kurzsichtigkeit.

Diese Erkenntnis macht sich die Technik der Orthokeratologie zunutze. Neue Möglichkeiten in der Herstellung von Linsengeometrien mit "reverser" Innengeometrie gaben zusätzlich neuen Auftrieb. Im Gegensatz zu operativen Eingriffen ist das Ergebnis der Orthokeratologie reversibel. Werden die Ortho-K Kontaktlinsen wenigstens eine Woche nicht getragen, stellt sich die ursprüngliche Fehlsichtigkeit wieder ein. Ortho-K Kontaktlinsen können je nach Vorschrift des Linsenherstellers, der Erkenntnisse und Überlegungen des Kontaktlinsenoptikers und der persönlichen Befindlichkeit tagsüber oder nachts getragen werden. Junge Mütter, die nachts die Brille nicht suchen müssen, um den Nachwuchs zu beruhigen z. B., oder Personen, die im Schichtdienst ohne Sehbehelf eine gute Sehkraft benötigen. Liegt die Fehlsichtigkeit im Bereich von weniger als 3 Dioptrien, bestehen gute Chancen, die Welt stundenweise oder tagsüber ohne Sehbehelf zu erleben.

Bei der Orthokeratologie handelt es sich also um einen Verformungsprozess der Hornhaut. Dieser Formungsvorgang ist beabsichtigt und wird durch die sogenannte Ortho-K Kontaktlinse durchgeführt. Es ist dies eine Kontaktlinsenanpassung, die durch den Gesundheitsberuf des Augenoptiker- und Kontaktlinsenmeister bzw. Optometristen gut definiert und abgedeckt ist. Sinn und Zweck der Orthokeratologie liegen in ihrer relativ einfachen und praktischen Durchführung und Handhabung. Deutlich kostenintensivere und mit einem höheren Risiko behaftete irreversible chirurgische Eingriffe können so vermieden werden.

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Anton Koller, MSc. Clinical Optometry, Landesinnungsmeister
Fachgruppe Wien der Gesundheitsberufe / Augenoptiker und Hörakustiker
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