Ein Drittel der heimischen Bevölkerung über 15 Jahren leidet an einer chronischen Erkrankung

Hauptverband: Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Bestandteil bei der Information und Betreuung von PatientInnen

Wien (OTS) - Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes: Diese vier chronischen Erkrankungen gehören zu den größten Killern und sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit für rund 60 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. In Österreich leidet rund ein Drittel der Bevölkerung über 15 Jahren an zumindest einer chronischen Erkrankung (Quelle: Statistik Austria). Diese steigende Tendenz stellt nicht nur das heimische Gesundheitssystem, sondern auch die betroffenen PatientenInnen selbst vor enorme Herausforderungen. Unter dem Titel "Der informierte Patient. Störfaktor oder Wunschbild ?" veranstaltet der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gemeinsam mit der ARGE Selbsthilfe Österreich - dem Dachverband von rund 1.600 Selbsthilfegruppen - heute, Mittwoch, bereits zum vierten Mal den Tag der Selbsthilfe.
Einander helfen und beistehen: Das ist das Motto jener Menschen, die in Selbsthilfegruppen bewusst einen Weg gemeinschaftlicher Problembewältigung bei chronischen Erkrankungen suchen. Rund 250.000 chronisch Kranke haben sich bereits österreichweit zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Der Hauptverband und die einzelnen Krankenkassen haben daher entsprechend dem Koalitionsübereinkommen der Bundesregierung und dem im Herbst des Vorjahres vorgestellten Masterplan der Sozialversicherung, wonach entsprechend der Vision "Länger selbstbestimmt leben bei guter Gesundheit" die Selbsthilfegruppen an der Weiterentwicklung des Gesundheitswesen verstärkt eingebunden werden sollen, die Zusammenarbeit mit der ARGE Selbsthilfe in den letzten Jahren intensiviert. Josef Probst, stellvertretender Generaldirektor im Hauptverband: "Die ARGE Selbsthilfe Österreich ist eine funktionierende Plattform der Selbsthilfeorganisationen, die die gemeinsamen Anliegen und Bedürfnisse im Sozial- und Gesundheitsbereich bündelt und in den entsprechenden Gremien einbringt". Die ARGE Selbsthilfe Österreich ist für die Sozialversicherung daher ein wichtiger Gesprächspartner. Die Bandbreite reicht von der Betreuung und Behandlung von chronischen Erkrankungen bis zu technischen Innovationen wie etwa der e-Medikation. Diese soll ja bekanntlich einen maßgeblichen Beitrag zur Qualitätsverbesserung bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln leisten.
In den vergangenen Jahren wurden von den Krankenkassen gemeinsam mit regionalen Selbsthilfegruppen und damit unter Einbeziehung von betroffenen PatientInnen zahlreiche Projekte durchgeführt bzw. die Weiterentwicklung bestehender Angebote und Strukturen initiiert. Konkrete Beispiele dafür sind das zwischen der Wiener Gebietskrankenkasse und der Stadt Wien durchgeführte Projekt der "patientInnenorientierten, integrierten Krankenbetreuung", welches den PatientInnen Hilfestellungen bei Versorgungs- und Betreuungsangelegenheiten nach einem Spitalsaufenthalt sichert, sowie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen beim Disease-Management-Programm "Therapie Aktiv - Diabetes im Griff" zur optimalen Versorgung von PatientInnen mit der Diagnose
Diabetes Typ 2. Die qualitative Verbesserung der Betreuung von Patienten durch sogenannte Disease Mangement Programme wie Diabetes sind unstrittig und mittlerweile evaluiert.

Anforderung an die Versorgung chronisch Kranker

Ein modernes Gesundheitssystem setzt auf die aktive und eigenverantwortliche Mitwirkung der Versicherten. Der/Die selbstbestimmte eigenverantwortliche Versicherte ist daher einer der zentralen Forderungen des Masterplans der Sozialversicherung. Chronische Erkrankungen benötigen neben einer koordinierten Krankenbehandlung eine Förderung der PatientInnen, die diese in die Lage versetzt, mit ihrer Erkrankung emanzipiert umzugehen. Gefordert wird ein Gesundheitssystem, welches sich nicht überwiegend an den somatischen Komponenten der Erkrankung fixiert, sondern auch die alltags- und personenorientierten Aspekte der Erkrankung berücksichtigt und diesen einen ebenso hohen Stellenwert einräumt. Monika Maier, Mitglied der ARGE Selbsthilfe Österreich: "Durch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen werden die Mitglieder zu ExpertInnen der eigenen Erkrankung. Damit wird zum einen die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der PatienteInnen gestärkt, wenn es um die eigene Behandlung geht und zum anderen auch das Arzt-Patienten-Gespräch auf selber Augenhöhe ermöglicht". "In Selbsthilfegruppen wird", so Maier weiter, "immer noch ein Großteil der mangelnden Versorgung mit alltagsorientierten Schulungen und fehlender psychosozialer Versorgung durch die überwiegend ehrenamtliche Arbeit in den Gruppen kompensiert. Sie tragen damit wesentlich dazu bei, dass der informierte Patient Wirklichkeit wird".

Aufgabenprofil der ARGE Selbsthilfe Österreich

Zum Aufgabenbereich der ARGE Selbsthilfe Österreich gehört unter anderem, die Bedürfnisse und Interessen der Selbsthilfegruppen im Sozial- und Gesundheitsbereich zu bündeln und in die Entscheidungsstrukturen einzubringen. Die ARGE Selbsthilfe Österreich kann einen guten Überblick über die Anliegen und Bedürfnisse der Betroffenen und Angehörigen geben und gleichzeitig sicherstellen, dass nicht Einzelinteressen, sondern die Anliegen einer breiten Basis vertreten werden.
Die ARGE Selbsthilfe Österreich, deren Tätigkeit gemeinnützig und nicht auf Gewinn gerichtet ist, bezweckt nach ihren Vereinsstatuten:
1. die Interessenvertretung der Selbsthilfe auf Bundesebene
2. die Koordination und Repräsentation der gesundheits- und sozialpolitischen Anliegen der Mitglieder der ARGE Selbsthilfe Österreich
3. den Aufbau und Stärkung von Informations-, Vernetzungs- und Kooperationsstruktu-ren zwischen der ARGE Selbsthilfe Österreich und den relevanten Entscheidungsträgern, Interessenvertretungen sowie zwischen Vertretungsorganen der Einrichtungen im
Gesundheits- und Sozialbereich (politischen Parteien, Forschungseinrichtungen, Kammern usw.)
4. die Mitwirkung bei gesundheits- und sozialpolitischen Entwicklungen und Entschei-dungen auf Bundesebene
5. das Aufgreifen, Entwickeln und Vorantreiben selbsthilferelevanter Vorhaben und Projekte
6. Schaffung von Beteiligungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Formen der Selbsthilfe in relevanten Gremien auf Bundesebene
7. Qualitätsentwicklung der Selbsthilfe im Gesundheits- und Sozialbereich in Österreich

Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,2 Millionen Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte Angehörige). Der Behandlungsanspruch aus der Krankenversicherung wird beim Mediziner durch das e-card-System angezeigt: Die e-card als Schlüsselkarte enthält keine medizinischen Daten, ermöglicht dem Arzt aber die Überprüfung des Versicherungsstatus eines Patienten und die Nutzung weiterer Services. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs.

Rückfragen & Kontakt:

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Tel.: (++43-1) 71132-1120
dieter.holzweber@hvb.sozvers.at
http://www.sozialversicherung.at

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