"erLesen" - die TW1 Büchersendung - am 29. Juni um 19:15 Uhr

Journalistin Ingrid Thurnher, Autor Dietmar Grieser und Kabarettist Florian Scheuba nehmen sich bei Heinz Sichrovsky nicht nur die politische Lage vor.

Wien (OTS) - Auf den Spuren eines menschgewordenen Symptoms - des Mannes, der aus dem Nichts kam und eine Republik in Atem hielt. Die Rede ist vom Politikerfänger und Mörder Udo Proksch. Journalistin Ingrid Thurnher hat sich auf Spurensuche begeben und die Resultate niedergeschrieben. Warum sie den sechsfachen Mörder in ihrem Buch beim Vornamen nennt, obwohl sie ihn nur einmal getroffen hat und wie er es ihrer Meinung nach schaffte, Menschen in seinen Bann zu ziehen, verrät sie in Heinz Sichrovskys Bücherwelt.

Udo Proksch sei als "kumpelhafter Typ" aufgetreten, der mit jedem auf "du und du" sein wollte. Außerdem sei er ein "unglaublich lästiger Mensch" gewesen und ein "genialer Verkäufer seiner Ideen". "Er konnte sich gut in Szene setzen", betont die anerkannte Journalistin. Andernfalls scheint es für sie unerklärbar, dass er Leute von Format auf seine Seite bringen konnte. Ebenso hat er die Frauenwelt auf den Kopf gestellt. Neben der Burgschauspielerin Erika Pluhar, war Proksch auch mit Richard Wagners Urenkelin Daphne Wagner sowie mit Ariane Glatz verheiratet. "Er konnte vermutlich sehr charmant sein", meint Thurnher. Proksch habe sich zwar gern mit tollen Frauen geschmückt, seine Hingabe ihnen gegenüber sei allerdings nie von Dauer gewesen. Auf Ingrid Thurnher wirkte Proksch alles andere als anziehend. Als sie ihn getroffen hatte, stand er kurz vor dem Urteil "lebenslang": "Er war schwer übergewichtig und hatte das Gesicht operiert - ein pummeliger Mensch."

Nachdem auch der sogenannte "Club 45" zur Sprache gekommen ist, führt Heinz Sichrovsky das Gespräch in die gegenwärtige Realität -die bevorstehenden Sommergespräche zwischen Ingrid Thurnher und Österreichs Politikern. Mit Urteilen den handelnden Personen gegenüber hält sie sich zwar zurück, was ihr in der Politik derzeit fehlt, verrät sie dennoch: "Es ist schwierig, als interessierte Journalistin in die Sommergespräche zu gehen, wenn der politische Alltag banal ist." Thurnher vermisse das Nachdenken über große Ideen und Veränderungen. Was sich die Redaktion dieses Jahr für die Sommergespräche einfallen hat lassen und weshalb es sowohl für die Politiker als auch für das Publikum überraschend sein wird, lässt auch Heinz Sichrovsky neugierig werden.

Ingrid Thurnher wurde am 6. Juli 1962 in Bludenz geboren. Nach ihrem abgebrochenen Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft entschied sie sich für das Schubert-Seminar. Ihre Laufbahn beim ORF begann im Jahr 1985 als TV-Ansagerin. Mittlerweile zählt sie zu den beliebtesten Moderatoren des Landes - wofür ihr sieben Mal die "Goldene Romy" verliehen wurde.

Heinz Sichrovskys nächster Gast filtert das Kuriose aus der Kulturgeschichte. In seinem neuen Buch "Das zweite Ich" entschlüsselt der Autor Dietmar Grieser die Herkunft namhafter Pseudonyme - von Max Reinhardt bis Falco. Weshalb er Otto Waalkes unterhaltsamer findet als Karl-Heinz Grasser, dass die Lüge seiner Meinung nach die größte Sünde ist, wie seine erste Liebe geendet hat und inwiefern ihn diesbezüglich bis heute das schlechte Gewissen plagt, verrät er in der Büchersendung. Zudem spricht der 77-Jährige über das Älterwerden und wie es ihm gelingt, es zu verdrängen.

Nachdem der gebürtige Deutsche in den 50er-Jahren im Zuge eines Auslandssemesters nach Wien kam, entschied er sich, in Österreich zu bleiben. Weshalb die Mariahilfer Straße für ihn damals exotisch wirkte und wie er es schaffte, Fuß zu fassen, erzählt er im Gespräch mit Heinz Sichrovsky. Zudem spricht er von seiner anfänglichen Tätigkeit als Journalist und seiner Entscheidung, doch etwas mit Bestand machen zu wollen - deshalb wurde er Schriftsteller. Sein erstes Werk erschien im Jahr 1973. Seither schreibt er, wie er es gewöhnt sei - Rechtschreibreformen werden gekonnt ignoriert. Grieser scherzt ferner über seinen zweiten Vornamen, den er seit seiner Kindheit zu "bekämpfen" versuche. "Ich bin ganz und gar kein Horst -weder blond noch sportlich." Ein Horst sei in seinen Genen nicht vorgesehen.

Dietmar Grieser wurde am 9. März 1934 in Hannover geboren und wuchs in Schlesien und der Saarpfalz auf. Sein Publizistik- und Sozialwissenschaftsstudium begann er in Münster und München, und seit dem Jahr 1957 lebt er nach einem Auslandssemester in Wien. Seit dem Jahr 1973 hat der österreichische Staatsbürger mehrere Best- und Longseller geschrieben. Sein Oeuvre umfasst literarische Reportagen, die zu seinem Spezialgebiet gehören, ebenso wie zahlreiche Sendereihen in Hörfunk und Fernsehen wie u.a. "Schauplätze der Weltliteratur" und "Dichtung und Wahrheit".

Als Kabarettist hat man es heutzutage leicht und schwer in einem -ebenso geht es Heinz Sichrovskys nächstem Gast. Florian Scheuba verteidigt sein Metier gegen die mörderische Konkurrenz der politischen Realität, die sich nicht zuletzt in seinem im Wiener Rabenhof dargebotenen Kabarettprogramm "Unschuldsvermutung" widerspiegelt. Das Besondere daran: Gespielt wird mit Originalzitaten der handelnden Personen.

Scheuba ist davon überzeugt, dass in der heutigen Zeit mehr passiere als früher und man als Konsument kaum mehr mitkommen könne: "Man verliert die Übersicht." Viele der handelnden Personen wollen vielleicht genau das erreichen. "Sie wollen Gras darüber wachsen lassen", vermutet der Kabarettist. Das weiß er allerdings zu verhindern.

Mit Heinz Sichrovsky spricht er nicht nur über das politische Kurzzeitgedächtnis, sondern auch über den Erfolg seines Programms, der ihn überaus freudig stimmt. Das Publikum übt sich nicht im Wegsehen, sondern nimmt die politischen Skandale zur Kenntnis.

Florian Scheuba wurde am 5. April 1965 in Wien geboren und nahm nach der Matura bei Herwig Seeböck Schauspielunterricht. Im Jahr 1981 gründete er mit Mini Bydlinski, Wolfgang Pissecker und Werner Sobotka "Die Hektiker" - eine der erfolgreichsten Theater-Kabarett-Gruppen Österreichs. Mittlerweile kennt man ihn auch als Moderator, Buchautor und Kolumnist. Der Vater dreier Kinder ist verheiratet und bekam neben der "Goldene Romy" u.a. auch die "Goldene Rose von Montreux" sowie den Österreichischen Kleinkunstpreis.

Als Gastrezensent fungiert der Chefredakteur und Herausgeber des Nachrichtenmagazins "Profil", Christian Rainer. Er las "When the Killing's Done" - einen Roman des amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle.

Sendezeiten:
Erstausstrahlung: Mittwoch, 29. Juni 2011 um 19:15-20:15 Uhr
Weitere Ausstrahlungen: Do, 30.6.2011 um 16:30-17:30 Uhr, Fr, 1.7.2011 um 16:05-17:05 Uhr, Sa, 2.7.2011 um 23:45-00:45 Uhr und So, 3.7.2011 um 18:05-19:05 Uhr

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