WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Slowenien und Kroatien feiern - von Beatrice Bösiger

"Die Wirtschaft hat Vorkriegsniveau noch nicht wieder erreicht"

Wien (OTS) - Die Ereignisse heute vor 20 Jahren in Slowenien
lösten auch im nahe gelegenen Österreich Besorgnis aus. Am 27. Juni 1991 rollten Panzer der jugoslawischen Volksarmee über die Grenze nach Slowenien. Daraufhin verlegte das österreichische Bundesheer Soldaten an die Südgrenze. Die darauf folgenden Tage gingen als "Zehn-Tage-Krieg" zwischen der Volksrepublik Jugoslawien und Slowenien in die Geschichte ein. Mit dem Ergebnis, dass Slowenien seine zuvor ausgerufene Unabhängigkeit auch de facto durchsetzen konnte.

Weniger glimpflich endete die zeitgleich proklamierte Unabhängigkeit für Kroatien. Von 1991 bis 1995 tobte hier und in Bosnien ein blutiger Bürgerkrieg, Hunderttausende wurden in die Flucht getrieben. Am Höhepunkt der kriegerischen Auseinandersetzungen machten Ex-Jugoslawen 45,3 Prozent aller in Österreich lebenden Ausländer aus.

20 Jahre später ist Slowenien Mitglied der Eurozone. Auch der Rest des Balkans bewegt sich in Richtung Europa. Am vergangenen Freitag haben die EU Staats- und Regierungschefs grünes Licht für den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union gegeben. Mazedonien und Montenegro haben bereits den Status von EU-Beitrittskandidaten erhalten. Serbien und Albanien haben die Mitgliedschaft beantragt.

Die Spuren des Krieges sind jedoch immer noch zu sehen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So haben die meisten Länder Ex-Jugoslawiens das Vorkriegsniveau noch nicht wieder erreicht. Das serbische BIP liegt beispielsweise bei etwas mehr als zwei Drittel von jenem des Jahres 1990. In Bosnien-Herzegowina sogar nur bei etwas mehr als der Hälfte. Krieg und UNO-Sanktionen haben die Industrieproduktion hier nahezu ausgelöscht (siehe Seite 9). Auch der für 2013 geplante EU-Beitritt Kroatiens wird sich für die kroatische Wirtschaft nicht als Wundermittel erweisen. Seit zwei Jahren steckt das Land in einer Rezession. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei etwa 60 Prozent des EU-Durchschnitts. Zudem melden kroatische Experten Zweifel bezüglich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Landes an.

Diese Argumente sprechen jedoch nicht zwingend gegen eine EU-Erweiterung in Richtung Balkan. Auch die 2004 und 2007 der Union beigetretenen Staaten wiesen wirtschaftliche Defizite zum Rest der EU auf.

Ihre wirtschaftliche Power bewiesen die EU-Mitglieder Osteuropas bereits wenige Jahre später in der Wirtschaftskrise. Diese bewältigten sie rascher als der Westen. Ganz ohne einen Rettungsschirm aus Brüssel in Anspruch zu nehmen.

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