Wie lange will der Staat bei der Vertuschung von kirchlichen Missbrauchsdelikten noch zusehen?

Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien fordert staatliche Aufklärung

Wien/Innsbruck/München (OTS) - Durch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde nun bekannt, dass Kardinal Schönborn es unterlassen haben soll, mit Strafe bedrohte sexuelle Handlungen zwischen einem Geistlichen und einer heute 45jährigen Frau zu verhindern. Der Verdacht lautet auf sexuelle Nötigung sowie Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses.

Durch diesen aktuellen Fall fühlen sich die Initiatoren des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien neuerlich in ihrer Forderung bestätigt, dass endlich der Staat eine eine unabhängige Kommission zur Aufklärung der kirchlichen Missbrauchsvergehen einsetzen möge. "Es ist für das Vertrauen in den Rechtsstaat notwendig, dass die Politik entschlossen gegen jede Art von sexueller Gewalt und Vertuschung vorgeht" sagt Niko Alm, Mitinitiator des VB gegen Kirchenprivilegien. Und Mitinitiator Sepp Rothwangl ergänzt: "Die Klasnic Kommission ist kirchennah und daher befangen. Das zeigt auch der aktuelle Fall der 45jährigen Betroffenen - sie hat sich an die Kommission gewandt und als Opfer anerkannt. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde allerdings nichts unternommen."

Kommission zeigte mittlerweile Verstorbene an

Seit dem Fall Groer hat sich wenig geändert: die Missbrauchsfälle werden vertuscht und die Täter höchstens versetzt, die Opfer eingeschüchtert, für "psychisch krank" erklärt oder mit Almosen abgetan. Allerdings hat die Kirche kräftig in ihre Öffentlichkeitsarbeit investiert. Anlässlich der Missbrauchsfälle gab es einen als sakrales Medienspektakel inszenierten "Bußgottesdienst", zur Beruhigung der Öffentlichkeit wurde die Klasnic-Kommission gegründet. Von dieser haben wir den traurigen Beleg, dass sie eher die Täter schützt. Auch ein aktuelle Bericht der Staatsanwaltschaft Wien bestätigt, dass die Klasnic-Kommission bisher nur wenige und aussichtslose Fälle angezeigt hat - und für jene blieben Konsequenzen aus: Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Ermittlungen in sämtlichen Fällen eingestellt. Gegen elf Personen war wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt worden, gegen weitere 17 wegen Ausübung physischer, aber nicht sexuell motivierter Gewalt. In 13 Fällen musste das Verfahren eingestellt werden, weil die Verdächtigen mittlerweile gestorben sind. In 15 Fällen ist Verjährung eingetreten. "Während der Staat es zulässt, dass die Kirche ihre eigenen Straftaten aufklärt, haben wir jedenfalls reagiert und ein Volksbegehren gegen die Privilegien der Kirche initiiert", sagt Sepp Rothwangl.

Dabei geht es nicht nur um die Abschaffung finanzieller Privilegien für den Klerus, sondern auch um die Errichtung einer unabhängigen Kommission zur Aufklärung kirchlicher Missbrauchsvorfälle unter Ausschluss der Täter." Und in Richtung Kardinal Schönborn sagt Rothwangl: "Er soll sich nicht länger hinter einem falsch ausgelegtem Beichtgeheimnis verstecken, sondern sich dem Rechtsstaat und seiner Justiz stellen".

Die Unterstützungserklärungen für das VB liegen bis 15. Okt. 11 in ganz Österreich zur Unterzeichnung auf.
www.kirchen-privilegien.at, www.betroffen.at

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