DER STANDARD-Kommentar zum Thema Beamtenabbau: "Zeit für Aufgabenkritik" von Conrad Seidl

Ausgabe vom 25./26.6.2011

Wien (OTS) - Der Bericht der OECD über die Schrumpfung des öffentlichen Dienstes stellt Österreich ein sehr gutes Zeugnis aus:
In keinem Land ist es im vergangenen Jahrzehnt besser gelungen, Staatsdiener abzubauen als in Österreich. Ein näherer Blick zeigt:
Ein Teil des Abbaus von öffentlich Bediensteten geht auf das Konto von Ausgliederungen. In ausgegliederten Unternehmen und halbamtlichen Dienststellen sind oft dieselben Personen tätig, die in den 1990er-Jahren noch in staatlichen Amtsstuben gesessen sind. Sie erbringen häufig staatliche Leistungen, ohne als öffentlich Bedienstete gezählt zu werden.
Diese methodische Einschränkung macht auch die OECD, wenn sie darauf hinweist, dass ein Teil des heimischen Abbaus auf Ausgliederungen im Gesundheitsbereich zurückgeht. Und wenn sie im Länderreport für Griechenland schreibt, dass in diesem oft gescholtenen Land der öffentliche Dienst im engeren Sinne nur 7,9 Prozent, also deutlich weniger als die österreichischen 11,4 Prozent der Beschäftigten ausmacht.
Hinzu kommt: Es geht nicht nur um die Zahl der Beamten und Vertragsbediensteten. Es geht vor allem darum, was sie machen -machen müssen, weil eine Flut von Gesetzen sie dazu zwingt. Will man in der Verwaltung wirklich sparen, muss man vor allem die ihr übertragenen Aufgaben, die Vielzahl von Zweitberichten und Drittüberprüfungen hinterfragen. Da ließe sich substanziell sparen.

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