- 24.06.2011, 16:05:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Es geht um Leistung, nicht um Fünfer"
Die Bildungspolitiker haben es wieder geschafft, das Thema zu verfehlen. Setzen.
Wien (OTS) - Wieder geht ein Schuljahr zu Ende. Die
österreichische Bildungspolitik bekommt wieder drei Fünfer - und
will gleichzeitig aufsteigen. Die Unterrichtsministerin glaubt noch
immer, sie kann sich mit viel Geld die Zustimmung des Boulevards
kaufen - und verhaut mit schlechter Kommunikation die gute Idee von
Modulen in der Oberstufe. "Nicht sitzen bleiben" fordert Hannes
Androsch, und erhält weniger Zustimmung, als erwartet. China bildet
pro Jahr 6 Millionen Akademiker aus - und wir sparen unsere Unis zu
Tode. Unsere Kinder - unsere Zukunft?
Aber sehen wir es positiv: Endlich soll in den Oberstufen ein
System eingeführt werden, wo Schüler gezielt gefördert werden. Dieser
Fortschritt darf nicht zu einer Debatte verkommen, ob man mit 2 oder
3 Fünfern aufsteigen darf. Hier kann die Regierungsspitze schnell
einen Kompromiss finden. Viele Lehrer sind auch dafür und das
beweist, dass die Pädagogen bei Reformen durchaus motivierbar sind.
Wenn ein eigener "Lerncoach" sich individuell um Schüler kümmert,
dann kann das nur positiv sein. Dafür hätten wir keinen Schulversuch
gebraucht. Umso mehr wollen wir wissen, welche Lehrer diese Aufgabe
übernehmen werden - und wer sie bezahlt.
Das kann aber nur ein Beginn dafür sein, die Oberstufe grundlegend
umzubauen. Hier müssen die Schüler für das Studium an einer
Universität, vor allem aber auf einen späteren Beruf vorbereitet
werden. Und das heißt: Leistung, Leistung, Leistung.
Die Konkurrenten der nächsten Generation von Uni-Absolventen
sitzen nicht nur in österreichischen Schulen, sondern vor allem auch
in Deutschland und in den mittel- und osteuropäischen Ländern. Schon
jetzt sagt eine Statistik des österreichischen Integrationsfonds,
dass Studenten aus dem Ausland ihr Studium in Österreich schneller
absolvieren. Weil sie besser vorbereitet an die Uni kommen - oder
weil sie fleißiger sind? Oder weil sie sich darauf eingestellt haben,
dass sowohl in der Ausbildung als auch später im Beruf der
Leistungsdruck generell stärker wird? Verantwortungsvolle
Bildungspolitiker machen die jungen Leute darauf aufmerksam, dass sie
es einmal schwerer haben werden. Wenn die Vertreterin der Kritischen
Schülerinnen im KURIER vom Donnerstag beklagt, dass das Wort Leistung
in der Schule immer öfter verwendet wird, dann hat sie von der
Veränderung der globalen Arbeitswelt erstaunlich wenig mitbekommen -
oder sie stellt sich bewusst naiv. Der Gruppe, die sie vertritt,
nützt sie damit nicht.
Der nächste Schritt muss endlich die Reform der
Pädagogenausbildung und des Lehrerdienstrechts sein. Eine modulare
Oberstufe braucht Lehrer, die entsprechend ausgebildet sind und
Räumlichkeiten, wo die Schüler den ganzen Tag lernen können. Beides
kostet Geld, das unser Land auf jeden Fall haben muss. Es geht um
Kinder, nicht um Fünfer.
Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601
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