KONSUMENT: Auskunftsrecht bei Schadstoffen in Alltagsprodukten

Befragte Händler kommen Auskunftspflicht größtenteils nach - gesetzliche Kennzeichnung wäre jedoch wirksamer als Recht auf Auskunft

Wien (OTS/VKI) - Ob nun die süße Badeente, die Fitnessmatte oder das "Spielzeug" aus dem Erotikmarkt. In vielen Alltagsprodukten können giftige oder zumindest bedenkliche Chemikalien enthalten sein, ohne dass man darauf hingewiesen wird. Die im Jahr 2007 in Kraft getretene Chemikalienverordnung (REACH) sieht nun aber vor, dass Händler oder Hersteller bei bestimmten "besonders besorgniserregenden Stoffen" einem anfragenden Konsumenten zur Auskunft verpflichtet sind - und zwar innerhalb von 45 Tagen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat untersucht, wie es Händler mit ihrer Auskunftspflicht halten. 13 Händler wurden per E-Mail zu 26 Plastikartikeln befragt. Die vom Bundesministerium vom Lebensministerium unterstützte und in der Juli-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass die meisten Unternehmen sachlich richtig und innerhalb der vorgegebenen Frist antworteten. Lediglich die Anfrage an eine Firma, den Erotikmarkt by Secret Factory, blieb unbeantwortet. "Grundsätzlich ist dies eine erfreuliche Bilanz. Was bleibt, ist die Frage, warum ,besonders besorgniserregende' Substanzen überhaupt in Konsumentenprodukten enthalten sein können - zumal derartige Erzeugnisse häufig auf Kinder abzielen", kritisiert VKI-Chemikerin Susanne Stark. "Hier ist aus unserer Sicht eindeutig noch Handlungsbedarf gegeben. Eine Kennzeichnung auf dem Produkt wäre zudem bedeutend wirksamer als ein Recht auf Auskunft."

Vor allem weiche Kunststoffprodukte enthalten häufig Substanzen, die für Mensch und Umwelt gefährlich werden können. Die Auskunftspflicht von Herstellern und Händlern bezieht sich derzeit auf 46 "besonders besorgniserregende" Substanzen ab einer Konzentration von mindestens 0,1 Gewichtsprozent. Dazu zählen Weichmacher, PAK oder der Duftstoff Moschus-Xylol. 15 von 26 Produkten wurden über die Anfrage bei den Unternehmen hinaus beim österreichischen Umweltbundesamt gezielt auf die fraglichen Chemikalien untersucht. In den meisten Fällen lag die Konzentration allerdings unter 0,1 Prozent oder es handelte sich um Substanzen, die nicht auskunftspflichtig sind. Zwei der Artikel enthielten jedoch besonders bedenkliche Substanzen über dem Grenzwert: Ein Federpennal der Firma KiK sowie die Antirutsch-Figuren von SEWA enthielten Weichmacher. Diese können die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden. In sogenannten "Gemischen" wie Lacken und Reinigungsmitteln wären diese Konzentrationen verboten. Und wäre das Federpennal als Spielzeug deklariert, so dürfte es auch nicht verkauft werden. Ein Tipp der Expertin für den Einkauf: "Wenn Plastikprodukte intensiv riechen, würde ich darauf verzichten. Der Geruch nach Verbranntem kann etwa auf PAKs hinweisen."

Die Auskunftspflicht gemäß REACH hat nicht zuletzt den Sinn, Händler bzw. Produzenten durch möglichst häufige Anfragen zu motivieren, unnötige Belastungen durch Schadstoffe zu verringern. Um Konsumentinnen und Konsumenten dabei zu unterstützen, stellt der Verein für Konsumenteninformation auf seiner Homepage www.konsument.at einen Musterbrief für Anfragen bereit.

Details zur Untersuchung gibt es auf www.konsument.at sowie im Juli-KONSUMENT.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
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www.konsument.at

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