AK - Arbeitsrechtsfall der Woche: Abfertigung unfair gekürzt

Wien (OTS) - Herr T. arbeitete 12 Jahre als Tischler. Dann wurde
er gekündigt. Zumindest eine Abfertigung stand ihm nun zu. Doch da erlebte T. eine böse Überraschung: Die Firma behielt einfach 6.000 Euro von rund 7.000 Euro ein. Begründung: T. habe angeblich Aufträge mangelhaft durchgeführt. Dadurch müsse die Firma Preisnachlässe gewähren. Diesen "Schaden" rechnete der Chef gegen die Abfertigung auf.

Gericht ermittelte
Das ließ sich T. nicht gefallen. Er klagte mit Hilfe der AK. Vor Gericht wurden die von der Firma beanstandeten Mängel näher untersucht. Ergebnis: Fast alle Mängel, für die die Firma Preisnachlässe geben musste, konnten nicht T. angelastet werden. Nur kleinere Versehen, wie etwa eine falsch gelegte Schiene, konnten Franz T. zugeordnet werden. Damit war klar: Grobe Fahrlässigkeit bei seiner Arbeit konnte dem Tischler nicht mehr vorgeworfen werden.

Keine Haftung
Im Dienstnehmerhaftpflichtgesetz wird klar festgelegt, ab wann ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin für einen Fehler in der Arbeit zahlen muss. Für kleinere entschuldbare Versehen muss er das nicht, selbst wenn daraus ein Schaden entsteht.

Auffällig fand das Gericht, dass die Firma den Schadenersatz erst nach der Kündigung forderte. Als T. noch in der Firma arbeitete, wurde er nicht einmal auf seine Fehler angesprochen. So entstand der Eindruck, dass die Firma durch die Schadenersatzforderung nur die Höhe der Abfertigung von T. mindern wollte. Das Gericht stellte daher fest: Die Firma muss die gesamte Abfertigung zahlen, sie hat keinen Anspruch auf Schadenersatz. Herrn T. wurden über 7.000 Euro zugesprochen.

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