WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir sind endlich ganz unten angekommen - von Wolfgang Unterhuber

Bildung: Wollen wir die Besten oder die am wenigsten Schlechten?

Wien (OTS) - Eine Frage: Haben Sie noch den Durchblick? Wissen
Sie, welche Schultypen es momentan gibt und welche es vielleicht in Zukunft geben könnte? Haben Sie das modulare Oberstufensystem schon intus und all die aktuellen Schulversuche? Ist Ihnen der Unterschied oder Nicht-Unterschied zwischen den Unterstufen und den "Neuen Mittelschulen" geläufig? Nein? Nicht genügend! Danke. Setzen.

Aber keine Angst vor einem Nicht genügend. Denn Österreich ist in der Bildungsdebatte endlich angekommen. Ganz unten nämlich. Das Chaos der Regierung um das Aufsteigen mit drei "Fünfern" ist Ausdruck dieser Ankunft. Im Wesentlichen hat sich die Debatte über die Schulbildung unserer Kinder in den vergangenen Jahren immer nur um eine Frage gedreht: Wie hebeln wir möglichst viele Leistungskomponenten aus?

Politisch unkorrekt könnte man auch sagen: Wie schleppen wir die Faulen und Schwachen mit und lassen es gleichzeitig fortschrittlich aussehen? Das Ergebnis sind alle möglichen Schulversuche, in denen Lehrer, Schüler, Coaches, Zusatzbetreuer einen auf große, kuschelige Familie machen.In der realen Welt erleben die Unternehmer und Personalchefs dann so ihre Wunder: Lehrlinge, denen man das Schreiben beibringen muss; Maturanten, die nicht wissen, wo Europa anfängt und aufhört.

Der ständigen Nivellierung nach unten steht keine Antithese gegenüber. Nämlich: Was tun wir für die Genies? Hat jemand überhaupt den Auftrag, sie in unseren Schulen zu entdecken? Welche Coaches und Zusatzbetreuer haben wir für die Talente? Und wieder politisch unkorrekt: Warum diskutieren wir nicht endlich über einen Numerus clausus an den Universitäten oder über allgemeine flächendeckende Aufnahmsprüfungen? Was ist so schlimm daran, von unseren Schülern Leistung einzufordern und die Besten zu belohnen und zu fördern?

Faktum ist: Unser Bildungssystem ist irgendwo zwischen Post-68er-Romantik und gewerkschaftlichem Starrsinn verkommen. Diese Regierung wird das Problem mit Sicherheit nicht lösen. Wir brauchen also so etwas wie einen "Runden Tisch", den der Industrielle Hannes Androsch mit seinem Volksbegehren bereits initiiert hat.

Vor allem aber braucht es ein gesellschaftspolitisches Grundbekenntnis: Wollen wir ein leistungsorientiertes Bildungssystem oder eines, das sich an unserer Fußball-Bundesliga orientiert? Denn dort gewinnen auch nicht die Besten, sondern die am wenigsten Schlechten - mit den bekannten Folgen im internationalen Wettbewerb.

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