AK-Studie: Kluft zwischen Arm und Reich machte Krise erst möglich

AK-Position bestätigt: Gerechtere Einkommensverteilung ist Schlüssel zur Vermeidung weiterer Krisen

Wien (OTS) - Die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich: Die nutzten die Spekulanten in den letzten Jahren aus, bis sie damit die größte Finanzkrise seit den 1930-er Jahren verursachten. Zu diesem Schluss kommt der Wirtschaftswissenschafter Engelbert Stockhammer von der Londoner Kingston University in einer Studie für die Arbeiterkammer, die er heute Nachmittag in der AK Wien präsentiert.

Die Polarisierung der Einkommensverteilung insbesondere in den USA war einer der wesentlichen Gründe, warum es zur Spekulationsblase kam: Ihr niedriges Einkommen zwang die privaten Haushalte in die Verschuldung. Zugleich ermöglichte der Anstieg des Vermögens der Superreichen den Boom der spekulativen Finanzanlagen - und die Spekulation mit den Schulden der privaten Haushalte führte letztlich zum Crash.

"Einsatz für gerechte Löhne und gerechte Verteilung der Steuern und Abgaben ist der Schlüssel, um weitere Krisen zu vermeiden", sagt dazu AK Präsident Herbert Tumpel. "Eine Entwicklung wie in den USA wollen die Menschen bei uns auf keinen Fall. Es muss wieder gelingen, Nachfrage in Europa zu schaffen. Die Menschen wollen Wohlstand für alle statt Profite für wenige." Die AK fordert ein Programm für mehr Verteilungsgerechtigkeit, eine Steuerstrukturreform, die Finanztransaktionssteuer und verstärkte Regulierung der Finanzmärkte.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Einkommensschere vor allem in den USA und in Großbritannien dramatisch auseinandergegangen. Sinkende Einkommen zwangen dort den Großteil der privaten Hauhalte insbesondere Wohnraum auf Kredit zu finanzieren. In den USA stieg die Verschuldung der privaten Haushalte um mehr als ein Viertel, in Großbritannien um 28 Prozent. In anderen Worten: Das Schuldenwachstum ersetzte das Lohnwachstum als Konsummotor.

Anders die Entwicklung bei den Superreichen: In den USA und in Großbritannien hat sich der Einkommensanteil des reichsten Prozents der Bevölkerung seit 1980 mehr als verdoppelt. Dadurch floss immer mehr Geld in hochspekulative Finanzanlagen. In Europa stieg der Anteil der Gewinneinkommen und der Finanzinvestitionen der Unternehmen. Die Deregulierung im Finanzsektor ermöglichte es wiederum, dass sich die Krise aufbauen und dann international ihre Wirkung entfalten konnte.

"Eine echte Überwindung dieser Krise kann nur im Zuge einer Anpassung der Einkommensverteilung geschehen, die mit der Regulierung des Finanzsektors Hand in Hand gehen muss", so Tumpel. Die Forderungen der Arbeiterkammer:

+ ein Programm für mehr Verteilungsgerechtigkeit;

+ Lohnwachstum als Voraussetzung für Konsumwachstum ohne Verschuldung;

+ eine Steuerstrukturreform: Arbeit muss entlastet werden, Vermögen müssen einen stärkeren Beitrag zu den öffentlichen Haushalten leisten;

+ rasche Einführung einer Finanztransaktionssteuer, damit auch die Krisenverursacher ihren Beitrag zur Bewältigung der Krisenschulden tragen.

+ Zudem muss unkontrollierten Spekulationen und unregulierten Finanzmärkten ein Riegel vorgeschoben werden, um den gesamten Mechanismus der Krisenentstehung einzuschränken.

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