Jugendarbeit in Wien: Gewalt verhindern

Oxonitsch: Jugendarbeit mit 1,3 Millionen Kontakten im Jahr

Wien (OTS) - Prävention, Aufklärung, Sensibilisierung aber auch Maßnahmen, die bereits betroffene Jugendlichen unterstützen, aus Gewaltkreisläufen und -szenen auszubrechen, sind ein wesentliches Arbeitsfeld der Wiener Jugendarbeit. Nur eine sehr kleine Gruppe von Jugendlichen, weniger als 3 Prozent, sind in der Jugendarbeit verstärkt auffällig beziehungsweise in gewaltbereiten Gruppen organisiert. Gewalt verlagert sich zusehends in den privaten Bereich und ist daher schwerer zu fassen und zu erkennen. Die Wiener Jugendarbeit, die Kinder und Jugendliche in der Freizeit betreut, steht daher vor wachsenden Herausforderungen.

"Unser Ziel ist, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Doch leider greifen die Präventionsmaßnahmen, die schon im Kindergarten beginnen, nicht bei allen Kindern und Jugendlichen. Dann ist es unsere Aufgabe, die Gewaltbereitschaft so früh wie möglich zu kennen und alles zu tun, damit diese jungen Menschen aus den Gewaltzyklen ausbrechen können und eine Chance auf eine gute Zukunft haben. Gewalt wird leider oft vererbt und deshalb gilt es alles zu tun, diese Entwicklung aufzuhalten. Sobald es Opfer gibt, ist es schon zu spät", so der Kinder- und Jugendstadtrat Christian Oxonitsch bei der Pressekonferenz des Wiener Bürgermeisters Dr. Michael Häupl. Oxonitsch weiter: "Jugendliche sind nicht per se gewaltbereit. Aber Jugendliche ohne Ausbildung und Perspektive haben es schwer, sich in einer Gesellschaft zurechtzufinden, die den Leistungsdruck direkt weitergibt. Uns ist es wichtig, Jugendliche zu unterstützen, indem man ihre Kompetenzen stärkt, sie ernst nimmt und ihnen ein breit gefächertes, ihren Interessen und Bedürfnissen gerecht werdendes, Angebot zur Verfügung stellt."

Gewaltbereitschaft erkennen

Insgesamt werden in Wien jährlich rund 38 Mio. Euro in die Jugendarbeit investiert. Die JugendarbeiterInnen verzeichnen insgesamt 1,3 Millionen Kontakte zu jungen Menschen im Jahr. Wien verfügt über ein vielschichtiges, dichtes Betreuungssystem, das von der Freizeitbetreuung bis hin zur intensiven Arbeit mit Problemgruppen reicht. In allen Bereichen sind MitarbeiterInnen tätig, die entsprechend geschult und sensibilisiert sind. "Nicht nur Schule oder Kindergarten spielen bei Prävention und Früherkennung eine wichtige Rolle, auch die außerschulische Jugendarbeit hat die Aufgabe, Problemlagen von Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich zu erkennen und entsprechend zu handeln", so Oxonitsch. Wien verfügt über ein Netz von insgesamt 100 Jugendeinrichtungen und Angeboten in 130 Parks flächendeckend in ganz Wien. Insgesamt sind in der Wiener Jugendarbeit rund 1.000 MitarbeiterInnen tätig, davon allein rund 700 im öffentlichen Raum. Dazu kommen noch Freizeitangebote, wie z.B. die wienXtra-Angebote mit dem Ferienspiel, den Familientagen, der Kinder- und Jugendinfo oder jugendinwien. Auch hier stehen Prävention und das möglichst frühe Erkennen von Problemlagen bei Kindern im Fokus.

Stärken statt Strafen

Die Wiener Jugendarbeit ist bis in kleine regionale Gebiete sehr eng mit allen relevanten Einrichtungen, Behörden und der Polizei vernetzt. Damit ist gewährleistet, dass jeder junge Mensch die passende Unterstützung bekommt. Die MitarbeiterInnen der Wiener Jugendarbeit durchlaufen auch regelmäßig Schulungen zum Thema Gewalt. Oxonitsch: "Gewaltbereitschaft und Gewalt sind kein Phänomen einer Gruppe oder einer gesellschaftlichen Schicht. Gewalt kann alle betreffen. Deshalb ist dieses Thema bei allen unseren Ausbildungen für Menschen, die mit Kindern arbeiten."
Die Angebote der Wiener Jugendarbeit basieren auf Freiwilligkeit. Kein Kind oder Jugendlicher wird gezwungen, sie anzunehmen. Die MitarbeiterInnen suchen die mobilen Jugendlichen zumeist in ihren Lebensräumen auf. Beziehungen zu den Jugendlichen werden von den JugendarbeiterInnen durch den Aufbau von Vertrauensverhältnissen hergestellt. Nur damit kann bei Jugendlichen am meisten bewirkt werden, egal ob es die Förderung oder das Erkennen von Problemlagen betrifft.
Generell ist die Phase der Jugend keine einfache, es ist eine Phase der Neuorientierung, der Ablösung vom Elternhaus, der eigenen Identitätsentwicklung, der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechterrolle, der Integration in den Arbeitsmarkt, dem Finden der eigenen Rolle in der Gesellschaft und vieles mehr. Oxonitsch:
"Die beste Prävention ist es, den Jugendlichen Chancen für eine gute Zukunft zu bieten. Falls das nicht so klappt, muss es zumindest jemanden geben, der sie unterstützt und zu dem sie Vertrauen haben können."

Extreme Randgruppen und Hooligans

In Wien gibt es nur eine kleine Gruppe von gewaltbereiten schwierigen Jugendlichen. Sie beläuft sich auf ungefähr 3 Prozent der Jugendlichen und jungen Menschen von 14 bis 25 Jahren. Wobei von diesen drei Prozent auch nicht alle Jugendlichen gewaltbereit sind. Um diese Gruppe kümmern sich seit 1992 Streetworker (Straßensozialarbeit), die in den Jugendszenen bestens verankert sind. Der Fokus der Arbeit liegt auf gewaltbereiten und politisch extremen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die oft bestimmten Jugendszenen wie Hooligans, Skinheads oder Gabbern angehören.

Es geht bei der Arbeit der Streetworker in erster Linie darum, einen Zugang zu den Zielgruppen herzustellen, die von anderen Hilfsangeboten nicht mehr erreicht werden oder auch nicht erreicht werden wollen. Ein Hauptmerkmal von Streetwork ist die Arbeit in der Lebenswelt der KlientInnen. Dadurch wurden in den letzten Jahren sehr enge Kontakte, vertrauensvolle und tragfähige Beziehungen hergestellt und auch Neukontakte geschlossen.

Verstärkte Aufmerksamkeit gefragt: Verlagerung in den Privatbereich

Trotz rückläufiger Zahlen der Anzeigen bei den Gewaltdelikten ortet das Bundeskriminalamt durch eingehende Täter-Opfer-Analysen, dass es bei Gewaltdelikten verstärkt Beziehungen zwischen Opfer und Täter gibt. Oxonitsch: "Unsere MitarbeiterInnen können leider nicht überall sein und auch nicht hinter alle Wohnungstüren schauen. Deshalb appelliere ich an alle Wienerinnen und Wiener, die Zeugen von Gewalt werden, diese nicht zu ignorieren. Bitte wenden Sie sich an die MitarbeiterInnen der Wiener Jugendarbeit, die PädagogInnen in Schulen und Kindergärten, die SchulsozialarbeiterInnen, die Fair-Play-Teams, an das Jugendamt oder die Polizei."

AnsprechpartnerInnen:

Rat auf Draht
Notruf für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen
Telefon: 147
www.rataufdraht.at

wienXtra jugendinfo
Tel. +43/1/4000-84 100
Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi 14.00-19.00, Do, Fr, Sa 13.00-18.00 www.jugendinfowien.at

MAG ELF - Jugendamt:
Servicetelefon: +43 1 4000-80 11
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr
E-Mail: service@ma11.wien.gv.at

Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft
Tel. 01/ 70 77 000
Montag bis Freitag, von 9 bis 17 Uhr
www.kja.at

Rückfragen & Kontakt:

Martin Ritzmaier
Mediensprecher Bgm. Dr. Michael Häupl
Telefon: 01 4000-81855
Mobil: 0664 1177 828
E-Mail: martin.ritzmaier@wien.gv.at

Edith Rudy
Mediensprecherin StR. Christian Oxonitsch
Telefon: 01 4000-81440
Mobil: 0676 8118 81440
E-Mail: edith.rudy@wien.gv.at

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