Matussek: "Wir reden in der Kirche zu wenig von Gott"

Deutscher katholischer Publizist debattierte mit Wiener Mathematiker Rudolf Taschner

Wien, 17.06.11 (KAP) "Wir reden in der Kirche zu wenig von Gott" -diese Diagnose stellte der deutsche katholische Publizist Matthias Matussek bei einer Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend in Wien. Wo die Kirche nurmehr über Atomkraft und soziale Fragen debattiere und sich auf diese Weise "weiter entzaubert", verfehle sie die eigentlichen Suchbewegungen der Menschen, so Matussek, der zuletzt mit seinem Buch "Das katholische Abenteuer. Eine Provokation" für eine intensive Debatte im deutschsprachigen Feuilleton sorgte. Matussek diskutierte auf Einladung der Wiener Akademie für Evangelisation mit dem Mathematiker Prof. Rudolf Taschner unter dem Titel "Es gibt (k)einen Gott".

Es gebe heute "zu viel Alltagslicht in den Andachts- und Altarräumen". "Wenn wir nicht aufpassen, wird die Entzauberung so weit gehen, dass sich die Menschen fragen, warum sie überhaupt noch zur Kirche gehen sollen", meinte Matussek. "Ich möchte in der Kirche gerade nicht den Alltag verhandelt sehen, sondern Andersweltlichkeit erleben." Daher gehörten für ihn die Pflege von Ritualen wie etwa die tägliche Bibellesung, der sonntägliche Gottesdienstbesuch und das Gebet zum Alltag "wie das Zähneputzen".

Dass gerade in Deutschland Religion in der Öffentlichkeit nurmehr "auf Sparflamme" behandelt werde und der "Glaubensmuskel erschlafft scheint", hat laut Matussek nicht zuletzt auch mit den Spielregeln in der Medienlandschaft zu tun. So bestehe die "Provokation" seines Buches ja nicht zuletzt darin, dass er als Journalist, "von denen wir sonst gewohnt sind, dass sie tänzelnd mit dauer-ironischem Unterton und flexiblen Standpunktwechseln hantieren", mit diesem Buch ein "Bekenntnis" abgelegt habe. Um so überraschter zeigte sich Matussek, dass sein Buch auf ein so lautes und überwiegend positives Echo unter seinen Journalistenkollegen gestoßen sei.

Taschner: "Frommer Agnostiker" auf Gottsuche

Ein hohes Maß an Zustimmung erntete Matussek gerade im Blick auf den Ruf nach der Bewahrung des Geheimnisses in der Kirche von dem bekannten Mathematiker und Wissenschaftler Prof. Rudolf Taschner. Es sei ein positives Signal, wenn Intellektuelle sich nicht mehr entschuldigen würden für die Tatsache, dass sie religiös bzw. katholisch sind - auch wenn er sich selbst als "frommer Agnostiker" verstehe, der die Kirche nicht ablehne, aber als "Unwissender, Nicht Glauben-Könnender" vor dem Phänomen des Glaubens stehe.

Auch er vermisse die Bewahrung des Geheimnisses und der "Sehnsucht" in der kirchlichen Verkündigung, so Taschner. Die Pflege des Lateins in der Liturgie sei etwa ein Moment dieser Pflege des Außergewöhnlichen. Zugleich bleibe ihm das Kreuz immer ein "Skandal" bzw. das "Absurde" schlechthin. "Ich kann nicht verstehen, dass man ein Marterholz verehrt, das lehne ich ab", so Taschner.

Dabei könne er persönlich auf eine durchaus religiös geprägte Biografie zurückblicken; auch besuche etwa sein Sohn eine katholische Schule und genieße einen "strengen" Religionsunterricht. "Ich befürworte das sehr - denn Ethik-Unterricht ist für mich das jammervollste, was man sich vorstellen kann: Es gibt ja keine Basis. Im Religionsunterricht lernt er wenigstens etwas, an dem er sich abarbeiten kann."

Einstimmig auch das Urteil von Matussek und Taschner über den "neuen Atheismus". Dieser bediene sich "uralter Argumente", so Taschner, und sei "wenig spannend". Wenn man gegen die Lehre der Kirche argumentieren wollte, so empfehle er eine theologische Argumentation, "da sind die Waffen der Kirche gegen sich selbst viel schärfer als der Rückgriff auf die Naturwissenschaften".

Matussek ergänzte dazu, es sei "frappierend, mit welcher Bravour die 'Neuen Atheisten' das Fest ihrer eigenen Unfreiheit feierten" und sich selbst auf "chemo-physikalische Prozesse reduzieren". Der eigentliche Fels des Atheismus bleibe - so Taschner und Matussek -das Theodizee-Problem, also die Rechtfertigung Gottes angesichts der Realität des Leidens in der Welt.

O-Töne von Matthias Matussek und Rudolf Taschner können unter www.kathpress.at/audio abgerufen werden.

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