Neue Finanzierungsgrundsätze für die Hotellerie

Rechtzeitig gegensteuern: "Sonst machen Sie keinen Schritt mehr ohne Ihre Bank!"

Wien (TP/OTS) - Laut Tourismusbericht der Bundesregierung ist die Lage der Hotellerie alles andere als rosig: sinkende Erträge, hohe Schulden, steigende Zinsen. Die Branche muss sich von den derzeit geltenden Finanzierungsgrundsätzen verabschieden, erklärt Prof. Dr. Leo W. Chini von der Wirtschaftsuniversität Wien, auf einem ÖHV-Praktikerseminar.

Die Inflation hat an Fahrt aufgenommen und ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht in Sicht. Noch ist der Euribor aber vergleichsweise niedrig. Und es sei absehbar, dass der im Vorjahr auf Rekordtiefe gefallene Euribor wieder nach oben klettern werde. Seit Juni des Vorjahrs hat sich der Drei-Monats-Euribor praktisch unbemerkt von 0,7 auf 1,4 % verdoppelt. Als logischen Schritt empfiehlt Univ.-Prof. Dr. Leo Chini von der Wirtschaftsuniversität Wien, den Umstieg auf langfristig fixierte Finanzierungsformen.

Schweizer Franken-Kredite: Zuwarten!

Als heißes Eisen sieht Chini Fremdwährungskredite, die neben dem Zinsrisiko auch Wechselkursschwankungen unterliegen. "Zwar war der für Fremdwährungskredite maßgebliche Libor in den vergangenen Jahren immer günstiger als der Euribor. Aber das Wechselkursrisiko beherrscht niemand, wie man derzeit beim Schweizer Franken sieht", so der Professor. Chini empfiehlt, Tilgungsfreistellungen, Währungssicherungen, die Änderung der Vertragsbedingungen, Nachbesicherungen und Stopp loss-Vereinbarungen mit der Bank zu besprechen. Kredite in Schweizer Franken würde derzeit niemand tilgen: "Vernünftige Banken gewähren eine Tilgungsfreistellung." Auch könne niemand gezwungen werden, Franken- in Euro-Kredite zu konvertieren. In dieser Hinsicht liegen, wie Chini sagte, bereits einige Urteile vor. Er empfiehlt Zuwarten: "Die Situation wird sich irgendwann beruhigen. Aber gegenwärtig weiß niemand, auch nicht die Schweiz, ein Gegenmittel".

Rechtzeitig gegensteuern: "Sonst machen Sie keinen Schritt mehr ohne Ihre Bank!"

Johannes Öfner von der BTV, der Bank für Tirol und Vorarlberg, bestätigt, dass es trotz gegenteiliger Weisung der Finanzmarktaufsicht für Hoteliers Schweizer Franken-Kredite gebe -allerdings nur für die, die Einnahmen in Schweizer Franken vorweisen können. Leichter tun sich die Banken bei der Kreditvergabe an Betriebe mit profundem Controlling: Den daraus gewonnenen Daten zu Auslastung, Kostenstruktur, Verschuldung und Investitionsplanung zu. Controlling helfe, Liquiditätskrisen vorzubeugen. Spätestens wenn es im Ertrag kriselt, müsse energisch gegengesteuert werden. "Das ist der letzte Zeitpunkt, zu dem Sie noch frei agieren können. Später machen Sie keinen Schritt mehr ohne Ihre Bank", so Öfner.

"Die Zeiten werden härter"

Einig sind sich beide, dass Kreditkonditionen härter werden und Banken den Hoteliers mehr finanzielle Kenntnisse abverlangen werden. "Es gibt rund 20 Kennzahlen, die die Banken von einem Hotelier wissen wollen", so Chini. Quantitative Ratings zählen ebenso dazu wie die qualitativen Aspekte - vom Außeneindruck eines Hotels bis hin zur Nachfolgeregelung, die klar auf dem Tisch liegen sollte. "Sie müssen die Bank von sich überzeugen. Gehen Sie engagiert an das Gespräch heran", so der Wirtschaftsprofessor.

Die ÖHV gestaltet als freiwillige und parteiunabhängige Interessenvertretung der führenden Hotellerie durch Lobbying die Rahmenbedingungen für modernes Unternehmertum. 1.200 Mitgliedsbetriebe nutzen operative Dienstleistungen in Marketing und Weiterbildung genauso wie ihren Vorsprung durch Innovation und Vernetzung. Mit rund 152.000 Betten - das entspricht zwei Drittel der Kapazität in der 4- bis 5-Sterne-Superior-Hotellerie - und mehr als 40.000 Mitarbeitern erwirtschaften die ÖHV-Mitglieder einen Gesamtumsatz von rund 3 Mrd. Euro. Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft generierte als Österreichs Wirtschaftsmotor 2010 über direkte und indirekte Wertschöpfung 15,1 % des BIP und jeden 5. Vollarbeitsplatz.

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