Ergebnisse des Wiener Lesetests 2011 wurden präsentiert

Wien (OTS) - Die Ergebnisse des bei der PISA-Wien-Konferenz im Jänner gemeinsam mit allen SchulpartnerInnen sowie Partnern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vereinbarten "Wiener Lesetests" liegen vor. Die Details wurden heute im Rahmen einer Pressekonferenz von Wiens Amtsführender Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl sowie BIFIE-Direktor DDr. Günter Haider präsentiert.

Hintergrund für den Lesetest waren die jüngsten PISA-Ergebnisse, die für Österreich ernüchternd waren. Besonders problematisch stellte sich dar, dass Österreich im Bereich der getesteten Lesekompetenz im letzten Viertel der untersuchten Länder liegt. Der "Wiener Lesetest" für die SchülerInnen der vierten und achten Schulstufe wurde - vom BIFIE unterstützt - vom Stadtschulrat durchgeführt, um den SchülerInnen und LehrerInnen genauere Orientierungshilfe zu geben als PISA es kann. Im Gegensatz zu PISA wurden beim "Wiener Lesetest" nämlich nicht nur ausgewählte SchülerInnengruppen, sondern alle Schüler und Schülerinnen der entsprechenden Schulstufen getestet. Und so erhalten auch alle SchülerInnen nun ihr individuelles Testergebnis und wissen somit, "wo sie stehen". Mit anderen Worten:
Auf Basis dieses Tests können gezielte Maßnahmen gesetzt werden, um die Lesekompetenz bei den Kinder und Jugendlichen zu steigern, die es benötigen.

Ein im Zuge der PISA-Wien-Konferenz ins Leben gerufener Beirat mit den Interessensvertretungen von Wirtschafts- und ArbeitnehmerInnenseite (Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer und Österreichischer Gewerkschaftsbund) hat überdies klar gezeigt, dass alle am Wiener Schulwesen Beteiligten gewillt sind, an einem Strang zu ziehen. Und so werden auch die Ergebnisse des Lesetests sowie weitere Anstrengungen zur Förderung der Lesekompetenz im Beirat besprochen.

Details und Ergebnisse zum Wiener Lesetest 2011

Zielgruppe:

Alle SchülerInnen der 4. und 8. Schulstufe an öffentlichen und privaten Volks- und Hauptschulen sowie an AHS mit Öffentlichkeitsrecht, die keinen sonderpädagogischen
Förderbedarf haben. In Zahlen heißt das:

o 14.442 VolksschülerInnen der 4. Schulstufe o 15.474 SchülerInnen der 8. Schulstufe

Zeitpunkt:

o Die 4. Schulstufe wurde am 5.4.2011 flächendeckend getestet. o Die 8. Schulstufe wurde am 6.4.2011 flächendeckend getestet. o SchülerInnen, die an den Testtagen fehlen, holten den Test bis 11.4. nach.

Ergebnisse

o Im Bereich der 4. Schulstufe (Volksschule) wird die Lesekompetenz nach Stufen unterschieden.

Stufe 1: SchülerInnen sind in der Lage, in einem Text oder in einer schematischen Darstellung eine einfache Information aufzufinden. Das Auffinden bezieht sich dabei auf einen einzelnen inhaltlichen Aspekt in einer sehr konkreten Fragestellung.

Stufe 2: SchülerInnen können einem Text gezielt eine oder mehrere Informationen entnehmen, obwohl die gesuchte Information in einer längeren Textpassage steht oder für die Beantwortung der Frage Hintergrundinformationen notwendig sind, die nicht im Text stehen. Darüber hinaus gelingt es, zwei oder mehrere Informationen in einem Text zu kombinieren.

Stufe 3: SchülerInnen sind in der Lage, komplexe Informationen aus einem Text miteinander zu kombinieren und die enthaltenen Motive zu erkennen.

o SchülerInnen der Stufe 1: 24 % (Buben 24%, Mädchen 23%) o SchülerInnen der Stufe 2: 42 % (Buben 42%, Mädchen 41%) o SchülerInnen der Stufe 3: 35 % (Buben 33%, Mädchen 36%) o Im Bereich der 8. Schulstufe ergibt sich nach Punkten (Mittelwert aller SchülerInnen ist der Wert 500) folgendes Bild der SchülerInnen-Verteilung: o Unter 300 Punkte: 3 % (Buben 3%, Mädchen 3%) o 300 bis 400 Punkte: 16 % (Buben 19%, Mädchen 15%) o 400 bis 500 Punkte: 28 % (Buben 30%, Mädchen 28%) o 500 bis 600 Punkte: 33 % (Buben 31%, Mädchen 33%) o 600 bis 700 Punkte: 19 % (Buben 16%, Mädchen 19%) o Über 700 Punkte: 1 % (Buben 1%, Mädchen 2%)

(Anmerkung: Bei allen angegebenen Kennwerten (Mittelwerten, Prozentangeben etc.) handelt es sich um gerundete Werte. Daher kann es vorkommen, dass die Summe der gerundeten Prozentangaben in Abbildungen nicht exakt 100 ergibt oder Summen von Werten inkonsistent erscheinen mögen.)

Leseschwerpunkt ab Herbst

Dem Stadtschulrat - und dies wurde auch immer klargestellt - geht es nicht darum, nur einen Test durchgeführt und dessen Ergebnisse nun vorliegen zu haben. Im Gegenteil: Der Test versteht sich als Diagnoseinstrument, auf dessen Basis Ansatzpunkte für eine gezielte pädagogische Förderung deutlich sichtbar werden. Der Lesetest hilft den LehrerInnen somit dabei, den Unterricht noch gezielter entlang der Stärken und Schwächen der Kinder zu gestalten. Wichtig ist somit, dass auf Basis dieser Tests die Lesekompetenz verbessernde Maßnahmen gesetzt werden.

Genau solche Maßnahmen wurden in den vergangenen Monaten im Rahmen einer Sonderkommission - der so genannten "SOKO Lesen" -erarbeitet. Ziel der SOKO war und ist es, dass auf Basis eines Aktionsplans an allen Schulen lesefördernde Projekte verwirklicht und spezielle Förderhilfen für leseschwache SchülerInnen angeboten werden.

Als erster Schritt wird an Wiens Schulen in der 5. Schulstufe flächendeckend mit Beginn des kommendes Schuljahres ein "Startwoche Lesen"-Projekt durchgeführt. Dieses dient einerseits als "Sofortmaßnahme", um von vornherein die Kinder auf den Schwerpunkt Lesen "einzuschwören", andererseits können im Zuge dieses Projektes bereits die ersten Schritte zur gezielten Förderung von leseschwachen SchülerInnen gesetzt werden. Genau für diese Gruppe auch (plus für die leseschwachen SchülerInnen der 4. bis 9. Schulstufe) soll direkt nachfolgend ein "Intensivkurs Lesen" in lernunterstützenden Kleingruppen angeboten werden.

Parallel zu diesen Maßnahmen wird es in allen Unterrichtsfächern begleitende Leseförderung geben - denn Lesen ist bekanntlich das Fundament für jedes Verstehen und somit fächerübergreifend wichtig.

Und noch eine Innovation: Für Kinder, die erst spät in unser Schulwesen eintreten, zugleich aber nur rudimentäre Deutschkenntnisse besitzen, werden so genannte "Crashkurse" eingerichtet. Ziel dieser Kurse, die im Laborbetrieb bereits heuer getestet wurden, ist es, durch 6- bis 8-wöchige Intensivübungen und lebenspraktische Beispiele die Sprach- und somit auch Kommunikationskompetenz im alltäglichen Leben rasch zu verbessern.

Zu all diesen Projekten wurden und werden in der "SOKO Lesen" Lehr- und Lernmaterialien bzw. Vorschläge entwickelt. Wichtig auch:
All diese Maßnahmen werden durch individualisierte Rückmeldeverfahren begleitet - dadurch werden Fortschritte auch prozessual sichtbar und der Lernerfolg vergrößert. Unabhängig von all diesen Neuerungen werden die Sprachförderkurse für außerordentliche SchülerInnen unverändert weitergeführt.

Ein besonderes "Zuckerl": Rechtzeitig für die Ferien wird eine mit zahlreichen Verlagen gemeinsam gestaltete Lesebroschüre an die SchülerInnen und Eltern verteilt - hier gibt es Tipps und Anregungen für altersadäquate Literatur. Überdies wird so versucht, das Ziel einer verbesserten Lesekompetenz auch in den Familien zu verankern -denn das ist auch klar: Die Schule kann diese Herausforderung nicht allein bewältigen, hier sind auch die Erziehungsberechtigten gefragt. (schluss) ssr

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
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Dragana Lichtner und Matias Meißner
Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
Telefon: 01 525 25-77014
E-Mail: matias.meissner@ssr-wien.gv.at

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