Von medizinischer Unterversorgung kann in NÖ keine Rede sein

150 Ärztinnen und Ärzte sind jedes Wochenende in ihren Ordinationen rund um die Uhr im Einsatz

Wien (OTS) - Schenkt man einem Artikel im Kurier vom vergangenen Wochenende Glauben, dann ist es um die medizinische Versorgung der Bevölkerung am Wochenende schlecht bestellt: Mangelnde Dienstbereitschaft der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte würde die Patientinnen und Patienten in die oft weit entfernten und überlasteten Spitalsambulanzen treiben. In diesem Zusammenhang wurde der Ärztekammer unter anderem vorgeworfen, sie hätte es "verabsäumt, für Ärzte (...) ein passendes Anreizsystem zu schaffen". Die Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wurden im Artikel sogar als skandalös bezeichnet.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht unzähliger Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich. Wir haben ein bestens funktionierendes Wochenenddienstrad", so Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner. "Unsere Ärztinnen und Ärzte leisten an allen Wochenenden im Jahr Dienste, sind für kranke Menschen das ganze Wochenende über erreichbar. Selbstverständlich auch am vergangenen Pfingstwochenende. Alle Dienste werden auf der Homepage der Ärztekammer unter www.arztnoe.at veröffentlicht", so Präsident Dr. Reisner.

1.000 Einsätze pro Jahr abseits der normalen Ordinationstätigkeit

Die Mindestöffnungszeiten der Kassenärztinnen und -ärzte werden durch den Vertrag mit der Gebietskrankenkasse vorgegeben. "Diese Ordinationszeiten stimmen jedoch niemals mit der Arbeitszeit der Ärztinnen und Ärzte überein. Im Bereich der Allgemeinmedizin kommen Visiten, Wochentagsnachtdienste und Wochenenddienste dazu, die immer außerhalb der Ordinationszeiten stattfinden.

In Summe kommt man im Kassenbereich durchschnittlich auf Arbeitszeiten, die weit über den Arbeitszeiten typischer Angestellter in Vollzeitbeschäftigung liegen", so Präsident Dr. Reisner weiter. In jeder einzelnen Kassenpraxis werden pro Jahr im Schnitt etwa 12.500 Patientinnen und Patienten behandelt. "Das entspricht in Summe mehr als 16 Millionen Behandlungen pro Jahr, also etwa zehn Arztbesuchen pro Person und Jahr über alle Altersklassen."

Beschwerde beim Österreichischen Presserat

Doch auch abseits ihrer Ordinationen und der regulären Öffnungszeiten sind Ärztinnen und Ärzte aktiv. "Hier sind beispielsweise die etwa 770 Hausärztinnen und Hausärzte zu erwähnen. Neben etwa 500.000 dringenden Tagesvisiten werden pro Jahr mehr als 300.000 Ordinationen und Visiten nachts bzw. an Sonn- und Feiertagen geleistet. In Summe bedeutet das für jede Hausärztin und jeden Hausarzt mehr als 1.000 Einsätze pro Jahr abseits der "normalen" Ordinationstätigkeit", so Präsident Dr. Reisner.

Im Artikel des Kurier vom vergangenen Wochenende wird dargestellt, dass keine einzige hausärztliche Ordination in Niederösterreich am vergangenen Wochenende geöffnet war. Tatsächlich waren jedoch wie jedes Wochenende mehr als 150 Ärztinnen und Ärzte in ihren Ordinationen rund um die Uhr im Einsatz. Präsident Dr. Reisner wird daher in dieser Angelegenheit eine Beschwerde beim Österreichischen Presserat einreichen: "Aus meiner Sicht wurde für den gegenständlichen Artikel falsch recherchiert. Viele unserer Kammermitglieder fühlen sich aus meiner Sicht zu Recht verhöhnt."

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