Mattel - Tod in der Spielzeugfabrik

Wien (OTS) - Die in chinesischen Fabriken herrschenden Arbeitsbedingungen
treiben immer wieder Menschen in den Tod. Nach der Selbstmordserie in den chinesischen Foxconn-Fabriken, sprang nun eine Spielzeugarbeiterin eines Mattel-Zulieferbetriebes in den Tod. Die Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!", die sich für faire Arbeitsbedingungen in der Spielzeugproduktion einsetzt, verlangt vom weltgrößten Spielzeughersteller Mattel, Verantwortung für diese Verzweiflungstat und ihre Folgen zu übernehmen.

Die 45-jährige Nianzhen Hu war schon zwei Jahre als Fließbandarbeiterin beim Mattel-Zulieferer Taiqing in Shenzhen beschäftigt, als sie wegen Arbeitskräftemangels in die Kunststoffspritzerei versetzt wurde. Aufgrund von Augenproblemen konnte sie die vorgeschriebenen Produktionsquoten jedoch nur schwer erreichen und wurde immer wieder von ihrem Vorgesetzten kritisiert und beschimpft.

Am 13. Mai 2011 kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung, als ihr vorgeworfen wurde zu viel Öl verwendet zu haben. Sie musste so lange bleiben, bis sie die betroffenen Teile ausgebessert hatte. Vor Erschöpfung erschien sie am nächsten Tag, einem Samstag, nicht zur Arbeit. Am Montag darauf eskalierte der Streit in der Fabrik: Frau Hu stürzte sich aus dem Fenster des sechsten Stockwerks und starb.

Für ihre Familie und KollegInnen steht außer Frage, dass der heftige Streit und die Demütigung gepaart mit dem hohen Arbeitsdruck der Grund für ihren Freitod waren. Nianzhen Hu hinterlässt einen Ehemann und drei Kinder.

Tödlicher Druck

"Wegen ständig steigender Produktionsquoten stehen die Arbeiterinnen und Arbeiter permanent unter Stress. Leisten sie nicht genug, werden sie vom Fabrikmanagement zurechtgewiesen und getadelt. Wenn ihnen Fehler passieren, müssen sie diese nicht nur korrigieren, sondern auch noch eine Strafe zahlen", erklärt Herr Hu einige Tage nach dem Tod seiner Frau. "Durch die Quoten bleibt den Menschen keine Zeit für Toiletten- und Trinkpausen! Ständig wird die Zeit gestoppt, um zu ermitteln, wer wie lange braucht, um die vorgeschriebenen Stückzahlen zu produzieren.

Wenn jemand die Quote nicht erreicht, wird sie oder er beschimpft und verwarnt. Nach drei Verwarnungen folgt der Rausschmiss", schildert eine Kollegin Hus den Arbeitsalltag in der Fabrik.

Menschenunwürdige Behandlung

Vom tödlichen Sprung aus dem Fenster wurde Nianzhen Hus Familie erst vier Stunden später informiert. Als die Angehörigen in der Fabrik eintrafen, wurde ihnen der Zugang zum Leichnam verweigert -angeblich aus Sicherheitsgründen. Am 20. Mai kehrten sie zur Fabrik zurück, um der Toten zu gedenken und Kerzen anzuzünden. Dieses Mal wurden sie vom Sicherheitsdienst der Fabrik so schwer verprügelt, dass sie im lokalen Krankenhaus behandelt werden mussten.

Der Preis für ein menschliches Leben

Nach sechs nervenaufreibenden Verhandlungen mit der Fabrikleitung hatten die Angehörigen von Nianzhen Hu keine Energie mehr, weiter über eine angemessene Abfindung zu streiten. In der Zwischenzeit hatten alle ihre Fabrikjobs verloren, weil sie sich für die Beerdigung ihrer Frau und Mutter freigenommen hatten. Die Familie akzeptierte die gebotenen 90.000 Yuan (ca. 9.600 Euro) vorerst. Mit Hilfe der Kampagne "Spielsachen fair machen!" und KonsumentInnen fordern sie nun von Mattel, sich für eine Abfindung von mindestens 250.000 Yuan (ca. 26.600 Euro) für den Tod von Nianzhen Hu bei der Fabrikleitung einzusetzen.

Verantwortung von Mattel gefordert

"Mattel muss Verantwortung für seine Zulieferbetriebe übernehmen und sofort wirksame Maßnahmen setzen, um neue Selbstmorde zu verhindern, den moralischen und physischen Druck auf die ArbeiterInnen zu reduzieren und die Arbeitsbedingungen zu verbessern!" fordert Claudia Bonk, Leiterin der Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!". Bereits im Jahr 2009
haben Untersuchungen durch NGOs bei Zulieferern von Mattel gezeigt, dass dort Menschen- und Arbeitsrechte verletzt wurden. "Schon bei der Auftragsvergabe übt Mattel Druck auf die Zulieferbetriebe aus, da die Stückpreise immer niedriger und die Lieferfristen immer kürzer gestaltet werden. Den Preis dafür zahlen die ArbeiterInnen mit ihrer Gesundheit, ihren miesen Lebensbedingungen und im Fall von Nianzhen Hu sogar mit ihrem Leben" erklärt Bonk. Zu den weiteren damals festgestellten Verletzungen des chinesischen Arbeitsrechts und des eigenen Verhaltenskodex von Mattel gehörten Hungerlöhne, exzessive Überstunden, das Fehlen von Arbeitsverträgen und ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen, unmenschliche Unterbringung in Massenschlafsälen, unrealistische Stückzahlvorgaben.

Um Druck auf den Spielzeugriesen aufzubauen, haben die Kampagne "Spielsachen fair machen!" und andere NGOs eine weltweite Petition eingerichtet. Diese kann unter www.spielsachen-fair-machen.at unterschrieben werden.

Mehr Informationen und Fotos zur chinesischen Spielzeugindustrie finden Sie unter www.spielsachen-fair-machen.at/presseaussendungen

Die Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!" wird von der Europäischen Union, der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und der Dreikönigsaktion gefördert. Die von "Spielsachen fair machen!" vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Kampagne wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit dar.

Rückfragen & Kontakt:

Claudia Bonk, Leiterin "Spielsachen fair machen!"
Südwind
Tel.: 01 405 55 15 323
Mobil: 0699 194 79 003
E-Mail: claudia.bonk@suedwind.at

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