"Finanzdienstleistungen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara": Über 400 Millionen Geringverdiener könnten jährlich Geldeinlagen für 60 Milliarden Dollar mobilisieren

München (ots) -

  • Neue Studie von Roland Berger zeigt: Mit integrierten Strategien für den Massenmarkt können Geschäftsbanken Millionen neuer Kunden in Afrika gewinnen
  • Vier von fünf Erwachsenen haben keinen Zugang zu Bankdienstleistungen oder bevorzugen informelle Alternativen
  • Geringverdiener könnten jedes Jahr 60 Milliarden Dollar an Geldeinlagen mobilisieren
  • Beispiele von profitablen Wachstumsmodellen in und außerhalb von Afrika zeigen Alternativen zur Mikrofinanz
  • Alternative, kostengünstige Vertriebskanäle über Mobilfunkanbieter, Händler und mobile Mitarbeiter sind für afrikanische Banken strategisch wichtig

Die afrikanischen Länder südlich der Sahara stehen vor der Aufgabe, ihren Finanzsektor radikal zu transformieren. Denn nur so lässt sich die Mehrheit der Bevölkerung, die bislang keinen Zugang zu Bankdienstleistungen hatte, in das Wirtschaftssystem integrieren. Dadurch könnte sich das Wachstumspotenzial des afrikanischen Finanzsektors entfalten. Dazu sind weder weitere konventionelle Filialbanken noch neue Mikrokreditinitiativen notwendig. Geschäftsbanken sollten eher integrierte Massenstrategien erarbeiten und passende Sparlösungen sowie Zahlungsabwicklungs- und Kreditmöglichkeiten über kostengünstige Vertriebskanäle bieten. Auf diesem Weg könnten jedes Jahr rund 60 Milliarden Dollar Geldeinlagen bei Geringverdienern mobilisiert werden, so die Ergebnisse der Roland Berger Studie "Finanzdienstleistungen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara".

"Vier von fünf Erwachsenen in Tansania, Kenia, Ghana, Nigeria und weiteren Ländern südlich der Sahara haben keinen Zugang zu Bankdienstleistungen oder bleiben lieber bei informellen Alternativen", sagt Christian Wessels, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. "Insgesamt sind das über 400 Millionen Menschen, die unerschlossenes Potential für Banken bieten." Daher sollten die Kreditinstitute dieser Länder ihr Geschäftsmodell gründlich ändern, um die Mehrheit der Bevölkerung, die bislang keinen Zugang zu Bankdienstleistungen hatte, in das Wirtschaftssystem zu integrieren. Dazu sind integrierte Massenstrategien der Geschäftsbanken in den Bereichen Sparen, Zahlungsverkehr und Darlehen gefragt - in Verbindung mit leicht zugänglichen und kostengünstigen Vertriebskanälen.

Die Zeit ist reif für Geschäftsbanken in Afrika

"Bisher haben die meisten afrikanischen und internationalen Geschäftsbanken noch keine tragfähigen Strategien für das Privatkundengeschäft in der Region entwickelt", sagt Christian Wessels. "Lange haben sie das Feld anderen Anbietern oder Nichtregierungsorganisationen überlassen". Die Experten von Roland Berger sind davon überzeugt, dass afrikanische Geschäftsbanken hervorragende Chancen haben, Strategien für den Massenmarkt zu entwickeln und Millionen von Kunden zu erreichen. Um dieses Marktmodell profitabel zu gestalten, helfen nicht nur alternative Vertriebskanäle wie der Mobilfunk, sondern auch ein breites Filialnetz, ein leistungsstarke IT-Plattform für Banktransaktionen sowie ein professionelles Management.

Financial Inclusion - weit über Mikrofinanz hinaus

Die erfolgreichsten Privatkundenbanken in Afrika zeigen seit zehn Jahren eine jährliche Wachstumsrate von mehr als 50 Prozent auf. Bleibt es dabei, so wird die Region das Ziel der vollen finanzwirtschaftlichen Integration ("Financial inclusion") der schnell wachsenden Bevölkerung in weniger als zehn Jahren erreichen. Wichtige Voraussetzung: Die Banken verstehen, dass das Geschäftspotenzial der Geringverdiener in Afrika weit über Mikrofinanz hinausgeht.

Anders als beim Mikrokredit sollte ein kosteneffizientes Massenmarktmodell Geringverdienern vorerst zeigen, dass finanzielle Unabhängigkeit mit dem Aufbau eines eigenen Vermögens beginnt. Denn Ersparnisse sind unabdingbar, um der eigenen Familie eine bessere Zukunft zu eröffnen, Kredite zu erlangen, weitere Investitionen zu tätigen und für unerwartete Ereignisse gewappnet zu sein. "Kreditinstitute können derzeit nur einen Bruchteil der Marktnachfrage nach Sparprodukten abdecken", sagt Wessels. "Die zentrale Aufgabe in dünn bevölkerten Regionen besteht darin, Menschen mit langen Arbeitszeiten wie Bauern und Händlern schnelle und einfache Geldtransaktionen wie Einzahlen und Abheben in ihrer Nähe zu ermöglichen."

Eine zuverlässige Lösung für Überweisungen kann den Banken helfen, ihren Kundenstamm zu erweitern, und sich zu einer wichtigen Ertragsquelle entwickeln. Zum Beispiel könnten Kontoinhaber einfache Banktransaktionen über Handy mithilfe eines Netzwerks von Mobilfunkanbietern in Verbindung mit lokalen Händlern und mobilen Agenten schnell erledigen. Via Mobilfunk könnten sie so bei bestimmten Händlern Geld abheben und auf das eigene Konto einzahlen sowie Waren bargeldlos kaufen. Ein Netz von mobilen Agenten würde für die notwendigen Cash-Reserven bei den Einzelhändlern sorgen sowie die Cash-Überweisungen auf das Konto der Händler übernehmen. "Angesichts der großen Zahl von Mobilfunknutzern selbst in einkommensschwachen afrikanischen Haushalten wird Mobile Banking über Handy zu einem strategischen Muss für Banken", sagt Wessels. Kreditangebote vor allem für Kleinunternehmen und Landwirte könnten das Leistungsspektrum der Banken abrunden.

Brasilianische Banken machen Schule

Brasilianische Banken, die das einkommensschwache Segment in den letzten zehn Jahren umfassend abgedeckt haben, können den afrikanischen Privatkundenbanken als Vorbild dienen. Diese Kreditinstitute vertreiben einfache Produkte über ein landesweites Händlernetz. Über Postämter, Supermärkte, Drogerien, Tankstellen, Bäckereien und kleine Einzelhändler bedienen sie so mehr als zehn Millionen Kunden, die zuvor keinen Zugang zu Bankdienstleistungen hatten. Dazu setzen Kreditinstitute über 160.000 Vertreter außerhalb ihrer klassischen Bankniederlassungen ein. So können Brasilianer ihre Bankgeschäfte auch in abgelegenen Dörfern des Amazonas-Gebietes erledigen.

Viele Chancen für Banken in Afrika

Auch Afrika zeigt erfolgreiche Strategien im Bankbereich wie zum Beispiel das vereinfachte Identifikations- und Kontoeröffnungsverfahren in Kenia. Südafrika erleichtert den Marktzugang über Mobilfunkanbieter und bietet Neukunden billige Einstiegsprodukte. Tansania sticht vor allem durch die schnelle Verbreitung von Bankautomaten hervor; in Sambia und Malawi ist es möglich, ein neues Konto unmittelbar freischalten zu lassen. "Von einem kosteneffizienten Massenmarktmodell würden die Menschen, die Geschäftsbanken und die gesamte Wirtschaft in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara profitieren", resümiert Roland Berger Experte Christian Wessels.

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