TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 17. Juni 2011 von Beate Troger "Ein Stern, der endgültig verglüht ist"

Kneissl ist nur noch der Schatten seiner selbst. Das Ende mit Schrecken ist längst überfällig.

Innsbruck (OTS) - Wenn es um das Nationalheiligtum Skifahren geht, werden wir Österreicher emotional. Wir drücken vor dem Fernseher den rot-weiß-roten Skistars die Daumen und jaulen laut auf, wenn "uns" jemand um Hundertstelsekunden eine Medaille wegschnappt. Das Pleitedrama um Kneissl ist daher auch nicht irgendeine Insolvenz, sondern ein Wertverlust für eine Skination.
Betrachtet man Zahlen, Daten und Fakten, so ist Kneissl schon längst in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit abgesackt. Nur noch ein paar tausend Liebhaberskier werden meist in Fremdproduktion gefertigt, kaum jemand fährt auf Regenjacken, Kaschmirpullover oder Umhängetaschen mit dem Kneissl-Stern ab. Kneissl steht für Ski, nicht für Outdoorklamotten.
Vor 31 Jahren ist Kneissl zum ersten Mal in die Pleite geschlittert. Seither kämpft die Skifirma gegen chronisch leere Kassen. Die glanzvollen Zeiten, als noch ein Toni Sailer, ein Franz Klammer oder ein Karl Schranz auf Kneissl-Brettln zu Goldmedaillen wedelten, sind schon zu lange vorüber. Im letzten Akt der Tragödie findet die Ära Kneissl ein unwürdiges Ende. Unter Geschäftsführer Andreas Gebauer ist die Tiroler Traditionsfirma dem Lügenkonstrukt und der Hinhaltetaktik von Scheich Al Jaber aufgesessen. Gestern ließ der Scheich die Sanierung platzen. Bis heute hat er für den Kauf der Kneissl-Anteile vor drei Jahren keinen Cent bezahlt. Dieses respektlose Verhalten muss Konsequenzen haben. Das erwarten die verbliebenen 28 Mitarbeiter, aber auch die Gläubiger, die für dumm verkauft worden sind.
Sehen wir es realistisch: Kneissl, das war einmal. Seit 31 Jahren sind alle Reanimationsversuche gescheitert. Zu viele Unternehmer haben sich die Finger verbrannt und Millionen verloren. Auch wenn das rot-weiß-rote Skifahrerherz blutet: Das endgültige Ende von Kneissl ist überfällig.

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