WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Heureka! Griechenland steht vor der Pleite - von Hans Weitmayr

Das Down-grade für Hellas kommt nicht zu früh, sondern zu spät

Wien (OTS) - Heureka - ich hab's gefunden -, Griechenland steht
vor der Pleite. Zugegeben, diese Erkenntnis ist vielleicht nicht ganz so bahnbrechend wie die Entdeckung des Archimedischen Prinzips, zu deren Anlass besagter Philosoph nackt, und eben "Heureka" rufend, durch die Straßen von Syrakus gelaufen sein soll. In gewisser Weise ist das Bekenntnis zu Griechenlands CCC-Status aber sehr wohl eine positive Offenbarung. Der radikale Schritt der US-Amerikaner, der das Land nur noch zwei Stufen oberhalb des "Default" ansiedelt, wird hoffentlich das endlose Lavieren rund um Griechenlands Umschuldung beenden und den Blick auf das Unvermeidliche freigeben: dass Laufzeitverlängerungen alleine nicht reichen werden, um die Probleme des Landes zu lösen. Es wird zu einem radikalen Schuldenschnitt kommen müssen, der zu Verlusten und Schwierigkeiten für alle Beteiligten führen wird; für Griechenland insofern, als es wohl endgültig unter Kuratel von EU und IWF gestellt wird - was nicht die schlechteste Lösung sein muss. Wovon wir also sprechen, ist eine Staatspleite. Egal welche Euphemismen man sich noch ausdenken mag, egal, wie freiwillig der Schuldenerlass ausfallen mag, Tatsache ist:
Griechenland konnte und kann seine Schulden nicht begleichen. Ohne einen geordneten Konkurs mit dem daraus folgenden Spielraum wird es das auch in Zukunft nicht können.

Viele werden im Rahmen dieser Pleite ihr Fett abbekommen - auch die Rating-Agenturen. Standard & Poors wird natürlich jetzt schon vorgeworfen, dass sie mit ihrem CCC-Rating eine Entwicklung beschleunigt hat, die man vielleicht hätte verhindern können. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: S&P reagiert nur. Denn noch immer sieht die Agentur für Griechenland keinen Default. Der kommt als Rating anscheinend tatsächlich erst mit der offiziellen Pleite -also dann, wenn EU und IWF ihre Garantien und Hilfskredite nicht mehr leisten und Griechenland aus diesem Grund die privaten Gläubiger nicht mehr ausbezahlen kann. Womit wir bei der tatsächlich angebrachten Kritik am Ratingsystem angelangt wären - es ist und war immer "behind the curve", hinkt also der tatsächlichen Entwicklung hinterher. Die harsch erscheinende Entscheidung, Griechenland auf CCC zu setzen, hätten die Amerikaner schon längst fällen können. Seit Wochen und Monaten argumentieren Ökonomen, die es sich leisten können - oder nichts mehr zu verlieren haben -, dass eine Umschuldung des Landes nicht zu vermeiden ist. Das Downgrading von Anfang der Woche wird also nicht das letzte bleiben. Zwei Schritte gilt es noch zu setzen. Sie kommen jetzt schon zu spät.

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