"erLesen" am 15. Juni um 19:15 Uhr auf TW1

Autorin Barbara Frischmuth, Enthüllungsjournalist Kurt Kuch und Kabarettist Erwin Steinhauer plaudern bei Heinz Sichrovsky über Triumph und Niederlage, politische Affären und den Glauben.

Wien (OTS) - "Denken, was nicht sein darf - und was nicht ist, erfinden", liest man auf Barbara Frischmuths Website. Bereits im Alter von 25 Jahren hat sich die österreichische Schriftstellerin entschieden, hauptberuflich als Autorin tätig zu sein. Agil wie eh und je spricht die bald 70-Jährige in Heinz Sichrovskys Bücherwelt über das Älterwerden, ihre Einstellung zum Islam und die zweijährige Recherchearbeit für ihren neuen Roman.

In der Sendung verrät sie ferner, warum sie sich entschieden hat, Türkisch zu studieren und was das Kinderbuch "Tausend und eine Nacht" - welches sie selbst als eines der kardinalen Bücher bezeichnet -damit zu tun hatte. Nachdem sie diesem Buch regelrecht verfallen sei, war für sie klar, nach der Matura "irgendetwas mit Sprache" zu machen.

Von der Debatte über den Islam hält sie wenig - man solle sich stattdessen lieber um die Menschen kümmern. "Um auf einen grünen Zweig zu kommen", müsse man die Sache ganz anders angehen. Warum das Kopftuch für Frischmuth kein Problem sei, solange man das Gesicht des Gegenübers sehen kann, verrät sie bei "erLesen".

Barbara Frischmuth wurde am 5. Juni 1941 im steirischen Altaussee geboren - verbrachte dort allerdings nur einen Teil ihrer Kindheit. Nachdem sie in Graz das Pestalozzi-Gymnasium besuchte, inskribierte sie im Jahr 1960 Türkisch und Englisch und später Ungarisch am Dolmetsch-Institut der Karl-Franzens Universität. Bald darauf wurden erste Gedichte der Autorin im Grazer Heimatsaal gelesen. Im Herbst 1966 brach sie ihr Studium ab und begann, hauptberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin zu arbeiten. Ein Jahr später erschien ihre erste Übersetzung aus dem Ungarischen - das KZ-Tagebuch der Siebenbürger Jüdin Ana Novac. Seither publiziert sie Romane, Erzählungen, Dramen und Hörspiele. Im Rahmen von Auslandsaufenthalten und Lesereisen besuchte die Autorin u.a. die Türkei, Ungarn, Ägypten, England, China, Japan und die USA. Seit dem Jahr 1999 lebt die Mutter eines Sohnes wieder in Altaussee.

Als zweiten Gast begrüßt Heinz Sichrovsky einen gnadenlosen Enthüllungsjournalisten. Das beweist nicht zuletzt sein kürzlich erschienenes Buch "Land der Diebe" - indem Kurt Kuch mit den Packeleien, dunklen Machenschaften und schamlosen Bereicherungen im Umfeld österreichischer Politik und Wirtschaft abrechnet. Er schreibt über "die zahlreichen Fälle von exzessiver individueller Gier in Österreich" ebenso wie über "das jämmerliche Versagen der Justiz." Das Buch sei ein Querschnitt seiner Arbeit der letzten 15 Jahre:
"Aber aus einer sehr persönlichen Perspektive." Ferner verrät er, warum er Ernst Strasser eigentlich ein Dankesschreiben zukommen lassen sollte, denn diese Causa habe einen richtigen Verkaufsschub seines Buches ausgelöst. Dass er "offensichtlich mit dem Buch eine gewisse Stimmung getroffen habe", spricht ebenfalls für dessen gute Verkaufszahlen.

Warum er Österreich als "Kultur des Vergessens" bezeichnet, wann er schwach wird, dass er sich nur mit Information bestechen lässt und warum er sich nicht vorstellen könnte, in die Politik zu wechseln, verrät er in der TW1 Büchersendung. Zudem spricht Kuch über seine empfindlichste Seite sowie seine Großmutter, die vor ihrem Tod sein wichtigster Ansprechpartner gewesen sei.

Kurt Kuch wurde im Jahr 1972 im burgenländischen Oberwart geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und arbeitet seit 15 Jahren für das Nachrichtenmagazin "News". Seit dem Jahr 2005 hat er die Position des Chefreporters inne und seit dem Jahr 2009 ebenso die des Ressortleiters für Innenpolitik. Nachdem ihn Alfred Worm als bester Enthüllungsjournalist der jüngeren Generation lobte, trat er in dessen Fußstapfen. Kurt Kuch deckte zahlreiche Affären und Skandale auf, die Österreich erschütterten - wie u.a. die Akte Hypo-Alpe-Adria sowie die BUWOG-Affäre. Seit dem Jahr 1999 lebt der Journalist in Bad Tatzmannsdorf.

Die illustre Runde komplett macht Kabarettist und Schauspieler Erwin Steinhauer. Was Heinz Sichrovsky als "interessante Doppelexistenz zwischen Literatur und harter politischer Realität" bezeichnet, ist für Erwin Steinhauer jene Abwechslung, die er braucht, um sich nicht zu fadisieren. Ebenso sieht er das Wechselspiel zwischen Theater und Film: "Wenn ich lange Theaterspiele, sehne ich mich nach einem Filmdreh und umgekehrt." Eines gilt jedoch in beiden Fällen: "Ohne Publikum geht überhaupt nichts."

In "erLesen" verrät er zudem, warum ihm die Verwandlung in die Rolle des Helmut Elsners in Florian Scheubas "Unschuldsvermutung" nicht schwer gefallen sei und warum er in dieser Causa Gnade vor Recht ergehen lassen würde, damit Elsner die letzten Jahre gemeinsam mit seiner Frau verbringen kann. Kurt Kuch steht diesem Fall etwas kritischer gegenüber und Barbara Frischmuth tut Elsner zwar als Mensch Leid, aber: "Er wird schon nicht ganz unschuldig zu den Dingen gekommen sein." Mehr darüber und warum Steinhauer es spannend findet, abgründige Charaktere darzustellen, er aber keineswegs in die Lade "Missbrauchs-Darsteller" geschoben werden möchte, zeigt TW1 am 15. Juni um 19:15 Uhr.

Erwin Steinhauer wurde am 19. September 1951 in Wien geboren. Auf Wunsch seines Vaters begann er Germanistik und Geschichte zu studieren, brach allerdings mit dem Entschluss, sich dem Kabarett zu widmen, nach fünf Jahren ohne Abschluss ab. Im Jahr 1974 gründete er gemeinsam mit seinen Freunden Erich Demmer, Wolfgang Teuschl und Alfred Rubatschek die Kabarettgruppe "Keif", deren Debütprogramm "Habt acht Gebote!" ein voller Erfolg wurde. Der Weg des Schauspielers Erwin Steinhauer war geebnet - wenig zur Freude seines Vaters. Schon bald war er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Es folgten viele Soloprogramme wie u.a. "Entlassen", "Kopf hoch" und "Alles Walzer" sowie zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen.

Als prominenter Gastrezensent fungiert der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Profil" Christian Rainer. Er hat "Zero History" von Science-Fiction-Autor William Gibson gelesen.

Sendezeiten:
Erstausstrahlung: Mittwoch, 15. Juni 2011 um 19:15-20:15 Uhr
Weitere Ausstrahlungen: Do, 16.6.2011 um 22:45-23:45 Uhr, Fr, 17.6.2011 um 16:05-17:05 Uhr, Sa, 18.6:2011 um 23:45-00:15 und So, 19.6.2011 um 18:05-19:05 Uhr

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