"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Halbherzige Reform"

Die Oberstufe wird "neu": Aber ein ernsthaftes Kurssystem schaut anders aus.

Wien (OTS) - Dieser Tage finden rituelle Bücherverbrennungen
statt: Keine Sorge, es sind nur frischgebackene Maturanten, die ihre Schulbücher vernichten. Nicht repräsentative Studien (im Bekanntenkreis) ergeben, dass es sich häufig um Mathe-Lehrmittel handelt. Mathematik gehört zu den Fächern mit den meisten Sitzenbleibern. Derzeit muss rund jeder zehnte Oberstufen-Schüler die Klasse wiederholen. Um diese Zahl zu reduzieren, gilt ab 2016 flächendeckend die "Oberstufe neu". Wer das Lernziel verfehlt, muss dann nur mehr die Note im jeweiligen Fach ausbessern. Konsequent betrieben, löst sich der Klassenverband damit auf.
Großer Vorteil eines ernst zu nehmenden Kurssystems: Fächer, in denen man begabt ist, können intensiver studiert, andere nur mit einem Basiskurs abgeschlossen werden. Aber Österreich geht den Weg nur halb(herzig): Die Klasse bleibt bestehen, der Lehrstoff wird in Module aufgeteilt, und man kann sogar mit drei Flecks aufsteigen. Ist das der Weisheit letzter Schluss? Schafft das eine neue Lehr-und Lernkultur, wie versprochen? Mutiger wäre ein echtes Kurssystem gewesen, gepaart mit einer inhaltlichen Unterrichtsreform. Denn wer Bücher verbrennt, wird sich vermutlich nie wieder für dieses Fach interessieren: Lehrziel fundamental gescheitert.

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