Offener Brief an Rapid Präsident Rudolf Edlinger

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Präsident!

Aus Medienberichten ist zu entnehmen, dass aufgrund der Vorfälle beim letzten Derby Rapid - Austria im Hanappi Stadion in der kommenden Saison das Weitergaberecht für Abo-Besitzer fallen soll sowie auch die Abo-Preise nicht gesenkt werden.

Tausende einfache Rapid-Fans und jahrelange Abonnenten - wie ich einer bin - sind über diese Maßnahmen massiv verärgert. Denn die einzigen, welche die Konsequenzen des Vereins aus dem Platzsturm treffen, sind diejenigen Fans und Stadionbesucher, die bei fast jedem Heimspiel die Mannschaft - egal welche Leistung sie auch bietet -unterstützen.

Sehr geehrter Herr Präsident, haben Sie sich überlegt welche Auswirkungen ein Weitergabeverbot von Abo-Karten für die Abonnenten bedeutet? Ich empfehle Ihnen und Ihrem Team beim nächsten öffentlichen Heimspiel des SK Rapid einen Besuch auf dem oberen Rang der Nord-Tribüne. Sie werden dann feststellen, dass Familien mit Kindern familienintern ihre Karten weitergeben. Denn Eltern mit zwei oder drei Kindern können sich nicht drei oder vier Abos leisten. Wissen Sie, Herr Präsident, was es für eine Familie mit einem österreichischen Durchschnittseinkommen bedeutet, jährlich hunderte Euro für Abos und Fanartikel zu berappen? Warum wollen Sie jetzt genau diese Besucher, die sich für den Verein mit Herzblut einsetzen und finanziell aufopfern, für den Platzsturm von einigen Verrückten büßen lassen? Ich kenne als bisheriger Besitzer von zwei Abo-Karten die Freude von mir und eines meiner Kinder am Tag eines Rapid-Matches. Die Kinder - und selbstverständlich auch ich selbst -sind fröhlich aufgeregt und können es gar nicht erwarten, die Mannschaft auf das Spielfeld laufen zu sehen und die Atmosphäre in St. Hanappi zu erleben. Diese Freude nehmen Sie, Herr Präsident, durch die von Ihnen gesetzten Maßnahmen zukünftig nicht nur mir und meinen Kindern, sondern auch tausenden weiteren. Schließlich war die Weitergabemöglichkeit der Abos ein gewichtiger Grund für den Erwerb. Denn aus familiären, schulischen oder beruflichen Gründen ist es beinahe unmöglich, dass eine Person jeden Heimspieltermin auch tatsächlich wahrnimmt.

Weiters möchte ich darauf hinweisen, dass es an eine Provokation grenzt, mir und tausenden weiteren zahlenden Rapid-Mitgliedern einen Erlagschein für die Mitgliedschaftsverlängerung zuzusenden, ohne in diesem Brief Worte zu den aktuellen Vorfällen zu finden. Die sofortige Einberufung einer Mitgliederversammlung, um dort zu diesem Platzsturm und etwaigen Konsequenzen zu diskutieren und mögliche Lösungen zu finden, wäre aus meiner Sicht das Mindeste für eine positive Kommunikation des Vereins SK Rapid mit seinen Mitgliedern gewesen.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass zwar im Stadion meist der Ausschank von Alkohol untersagt wird, aber offensichtlich stark alkoholisierte und aggressive Stadionbesucher ohne Probleme die Stadionschranken passieren können.

Periodische desaströse Leistungen der Mannschaft werden von den zigtausenden Fans verkraftet, Schikanen seitens der Vereinsleitung jedoch nicht, Herr Präsident. Ein paar Verrückte - von Fans kann man nicht sprechen - benehmen sich daneben und schaden dem Verein, aber die echten Fans, Mitglieder, Abonnenten, Familien usw. werden dafür bestraft. Wenn das Fanpolitik von Ihnen und Ihrem Team ist, dann gute Nacht SK Rapid!

Sehr geehrter Herr Präsident, im Sinne der Meinungsfreiheit ersuche Sich Sie, diesen offenen Brief in der nächsten Ausgabe des Rapid-Mitgliedermagazins zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Tscharnutter
Obmann des BZÖ-Wien

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