WirtschaftsBlatt-Leitarikel: Dank an rauchende Trinker mit Auto - von Michael Vorauer

Das Lustige an der Spritpreisdiskussion: Es ändert sich nichts

Wien (OTS) - Dass vor jeder Ferienperiode die Spritpreisdiskussion beginnt, ist nichts Neues. Dass die Spritpreise vor jeder Ferien-oder Feiertagsperiode steigen, wird Sie, geschätzte Leserin, lieber Leser, auch nicht weiter überraschen. Was Sie aber überraschen wird, ist, was wir heute auf Seite 2 zu berichten haben: Das wird ein Rekordsommer an den Zapfsäulen, die Spritpreise gehen mindestens auf 1,50 Euro, wenn nicht deutlich darüber. Was an der Spritpreisdiskussion immer wieder fasziniert, ist, dass sich nichts ändert (trotz diverser einschlägiger Gipfel unter Ministerbeteiligung). Vor Reiseperioden wird es teurer. Wenn das Rohöl steigt, wird es teurer. Wenn das Rohöl sinkt, bleibt es teuer, denn dann sind die Spritlager gerade voll und müssen geleert werden. Dann erst wird es billiger, ein bisserl (falls das Rohöl nicht wieder gestiegen ist), sonst könnte es ja passieren, dass wir wirklich weniger mit dem Auto fahren. Und das will niemand, nicht die Öl-Konzerne und auch nicht der Staat.

Letzterer schneidet an der Autolust der Österreicher auch schön mit. Wenn es sich im Staatssäckel gar nicht mehr ausgeht, dreht der/die kreative Finanzminister/in an der Mineralölsteuer und es passt wieder so halbwegs. Das Argument, dass "anderswo" Sprit noch höher besteuert ist, zählt nicht, denn "anderswo" sind dafür viele andere Steuern niedriger, und wir leben auch nicht "anderswo", sondern hier. Mit Autofahrern kann man es machen, die haben preismäßig eine hohe Schmerzgrenze.

Genauso belastbar sind in dieser Beziehung auch die Raucher. Gehen die Zigarettenpreise in die Höhe, gibt es großes Geraunze, geraucht wird trotzdem und der Staat verdient gut an seinen nikotinsüchtigen Untertanen (sofern der Schmuggel nicht explodiert, weshalb die Zigarettenpreise nicht zu rapide erhöht werden dürfen, auch damit nicht doch der eine oder andere das Rauchen aufgibt).

Lustigerweise traut sich niemand, Alkohol stärker zu besteuern, das geht dann doch zu weit in Österreich. An dieser Stelle sei als Erklärungsversuch ein Bonmot aus Versicherungskreisen erlaubt: Dort sagt man, der beste Kunde für Kranken- und Pensionsversicherung ist ein kettenrauchender Trinker. Der zahlt brav seine Beiträge (und Steuern), ist bis zu seinem Ende meist arbeitsfähig und wenig krank, dann aber heftig, was einen schnellen Tod (meist zu Pensionsantritt) bedeutet. Und wenn der auch noch Auto fährt... In diesem Sinne: Dank an rauchende Trinker mit Auto.

PS: Redaktionskreise empfehlen gegen hohe Spritpreise den Kauf der Aktien von Ölfirmen.

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