Pflegegutachten - soll der Staat zugrundegerichtet werden?

Wien (OTS) - Ärzte sollen also die Erstellung von Pflegegutachten teilweise an das Pflegepersonal abtreten, wenn es nach dem Wunsch von Patientenanwaltschaft und Sozialpolitik geht. Dass die Ärzteschaft diesen Intentionen nicht mit Freudentaumel zustimmt, wird als finanzielle Interessenslage denunziert.

Die Übernahme dieser Aufgaben durch die Pflegeberufe erfolgt natürlich auch nicht aus reinem Altruismus, das Erwirtschaften eines Körberlgeldes für diese Berufsgruppe kann als offensichtlich betrachtet werden.

Über eines muss man sich im Klaren sein: billiger wird die Sache nicht, denn schon jetzt wird behauptet, dass die ärztlichen Gutachter zu restriktiv in der Einstufung des Pflegegeldes seien, woraus sich ergibt, dass unter Mitwirkung der Pflegeberufe höhere Pflegestufen lockerer vergeben würden und damit ein höherer finanzieller Aufwand die Folge wäre.

Der Tenor der letzten Jahre war doch, dass kein Geld im Gesundheitssystem vorhanden sei, dass überall gespart werden müsse, dass Ärzte bis zum Umfallen Nachtdienste in den Spitälern verrichten müssen, um Personaleinsparungen zu kompensieren, dass kein Geld mehr da ist für CT und MR- Untersuchungen und Patienten deshalb lange auf diesbezügliche Untersuchungstermine warten müssen, dass die Staatsverschuldung bei über 80% des BIP liege (was eine optimistische Darstellung ist), dass Griechenland mit Milliardenbeträgen gestützt werden muss etc.

Wie geht das zusammen mit forcierten Ausgaben im Pflegebereich, mit einer Ausweitung der Rezeptgebührenbefreiung durch Einbeziehung von OTC Präparaten, mit einer so großen Streuung der Rezeptgebührenbefreiung, dass auch Wohlhabende in deren Genuss kommen, während man gleichzeitig Extraleistungen für zahlende Privatpatienten in öffentlichen Spitälern abschaffen möchte, nur um zusatzversicherte Patienten nicht bevorzugen zu müssen?
Ist der finanzielle Wahnsinn ausgebrochen, soll das Land zugrundegerichtet werden, oder fehlt es in der Staatsführung wirklich am nötigen Durchblick und an den nötigen Fertigkeiten, wie es ein bekannter Bankenchef rezent in pointierter Weise geäußert hat?

Fragt man nach der finanziellen Leistbarkeit nur mehr, wenn es sich um politisch inopportune Gruppen, wie zB Ärzteschaft oder Lehrerschaft handelt und wirft auf der anderen Seite mit nicht vorhandenem Geld um sich?

Die Politiker müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass überall im Land zu sparen ist, auch bei der Politik selbst - eine Ausweitung von Sozialleistungen in der beschriebenen Weise beschleunigt jedenfalls die Fahrt in den Abgrund!

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MR.Dr. WERNER Wolfgang
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