Debatte um Urlaubsanspruch: Experten fordern kürzere Ferien für Beamte

Kürzlich erfolgte Verlängerung auf sechs Wochen "unverantwortlich" und "atemberaubend"

Wien (OTS) - Was die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) seit dieser Woche für Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft fordert und für lebhaften Streit sorgt, haben Österreichs Beamte bereits:
sechs Wochen Urlaub. Fast geräuschlos wurden ihre Ferien zu Beginn des Jahres um eine Woche verlängert. Daran erinnerten Experten gestern Abend in der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt". Und ihre Meinung ist eindeutig: Der Sozialwissenschaftler und Pensionsexperte Bernd Marin sagte, es sei "unverantwortlich, dass das im Öffentlichen Dienst durchgesetzt wurde, der nicht durch hohe Produktivität bekannt ist." Der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer meinte, das sei "atemberaubend", man könne doch nicht einfach "eine hochprivilegierte Gruppe noch weiter bedienen", die sechste Woche Urlaub im Jahr gehöre sofort abgeschafft.

In der Diskussion um sechs Wochen Urlaub für Angestellte in der freien Wirtschaft plädierten sie für eine ganz andere Alternative:
die Viertagewoche. Sie bringe für die Erholung der Arbeitnehmer mehr als eine Woche länger Ferien, sagte Pichlbauer: "Man hätte vier Tage Arbeit, je zehn Stunden, hohen Druck. Aber dann hätte man drei Tage frei. Das wäre, wenn man heute etwa über die Gefahr eines Burnouts nachdenkt, ein gangbarer Weg." Nach Ansicht Marins könnte das durchaus auch mit Arbeitszeitverkürzung einhergehen: "Die Volkswirtschaften mit den kürzesten Arbeitszeiten sind die produktivsten. Es ist eine Produktivitätspeitsche: Leute arbeiten in sechseinhalb Stunden genauso viel, wie andere in siebeneinhalb oder acht Stunden. Und die exzessiv langen Arbeitszeiten sind oft auch vertrödelte und schlecht eingesetzte Zeiten."

Auf offene Ohren stieß der Vorschlag bei dem Gewerkschafter Karl Proyer. Der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA-djp sagte in "Am Punkt": "Die Viertagewoche hat bei den Beschäftigten eine hohe Zustimmungsrate. Wir suchen wirklich ganz viele Arbeitgeber, die bereit sind, sie einzuführen. Wir finden ganz wenige." Entsprechend reserviert äußerte sich Manfred Engelmann von der Wirtschaftskammer Österreich: "Die Viertagewoche müsste natürlich täglich zehn Stunden Arbeitszeit bedeuten. Es geht nicht, dass sie eine Arbeitszeitverkürzung ist." Das Konzept sei auch nicht flächendeckend einsetzbar. Für Sozialwissenschaftler Marin wäre es gar nicht so ein großer Schritt bis zur Viertagewoche - "in einem Land, das de facto eine völlig verhatschte Viereinhalbtagewoche bereits hat. Sie kriegen ja am Freitagnachmittag von der Autoreparaturstätte bis zu vielen anderen Leistungen überhaupt nichts mehr."

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