Health Impact Assessment (HIA) - ein Instrument zur Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik

Zahlreiche Gesundheitsexperten aus dem In- und Ausland nehmen an der ersten österreichischen Fachtagung teil

Wien (OTS) - Heute, Donnerstag, findet die erste österreichische Fachtagung zum Thema "Health Impact Assessment" statt. Ziel ist es, den Diskurs voranzutreiben und das Instrument "HIA" vorzustellen., Mit HIA können politische Vorhaben hinsichtlich möglicher positiver und negativer Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung systematisch analysiert und bewertet werden. Durchgeführt wird die Tagung von der Gesundheit Österreich GmbH, der Österreichischen Gesellschaft für Public Health in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit sowie dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

"Als Gesundheitsminister ist es mein zentrales Anliegen, die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung langfristig zu sichern und zu verbessern. Damit dies gelingt, müssen wir verstärkt die Einflüsse aller Sektoren auf die Gesundheit berücksichtigen", so Gesundheitsminister Alois Stöger. Health Impact Assessment kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Es sei sinnvoll, dass politische Maßnahmen evaluiert werden, noch bevor sie eingeführt werden, um ihre Auswirkungen auf die Lebensumstände und die Gesundheit der Menschen zu prüfen. Erfreut zeigte sich der Gesundheitsminister, dass im Auftrag des Gesundheitsministeriums "Health Impact Assessment" nun auch in Österreich stärker etabliert werde.

In Österreich hat sich seit längerem die Umweltverträglichkeitsprüfung ("Environmental Impact Assessment") als ein Instrument der Folgenabschätzungen etabliert. Health Impact Assessment, also eine Folgenabschätzung, die gesundheitliche Auswirkungen von unterschiedlichen politischen Vorhaben unter die Lupe nimmt, ist bisher nur wenigen geläufig. "Für HIA braucht es viel solides Wissen über die gesundheitsschädigende
oder -förderlichen Auswirkungen. Dafür wäre es notwendig, die Grundlagenforschung in Österreich weiter auszubauen und in weiteren Schritten auf Projektebene zu lenken. Partizipation ist ein wichtiger Teil davon und in der Umsetzung ist es aber wichtig, diese gezielt und gut strukturiert einzusetzen, so Wolfgang Dür, stellvertretender Präsident der Österreichische Gesellschaft für Public Health (ÖGPH). Dabei findet das Instrument HIA im letzten Jahrzehnt in vielen Ländern (u. a. Großbritannien, Irland, Niederlande, Schweiz, Neuseeland, Australien) sowie bei internationalen Organisationen (z. B. Weltbank) zunehmend Interesse, Akzeptanz und Umsetzung. Seine Verwendung wird von der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Union empfohlen.

Die Gesundheit Österreich GmbH wurde 2009 vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragt, ein umfassendes Konzept zur Etablierung von HIA in Österreich auszuarbeiten. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur internationale Erfahrungen mit dem Instrument HIA aufgearbeitet, sondern auch ein stufenweiser Umsetzungsplan skizziert - dieser zielt in einem ersten Schritt darauf ab, Bewusstsein über die Ziele und den Nutzen von HIA, aber auch notwendige Strukturen zur Durchführung von HIA aufzubauen; u. a. Aufbau eines österreichischen Netzwerkes und Anknüpfung an das internationale HIA-Netzwerk. Das vorliegende Konzept stellt daher einen wesentlichen Grundstein für die Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik (Health in All Policies) dar. "Gesundheit wird von vielen Faktoren beeinflusst. Die Erhaltung der Gesundheit ist darum nicht nur Aufgabe der Gesundheitspolitik, sondern auch vieler anderer Politikbereiche (Health in All Policies). Die Gesundheit Österreich GmbH, die bereits in vielen ihrer Projekte einen - Health in All Policies-Ansatz - verfolgt, beschäftigt sich seit einiger Zeit mit diesem zukunftsträchtigen Tool und seinen Einsatzmöglichkeiten in Österreich", so Arno Melitopulos, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH.

"Das Instrument Health Impact Assessment kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass das Bewusstsein für eine politikfeldübergreifende Gesundheitspolitik gestärkt wird und die Umsetzung einer gesundheitsorientierte Gesamtpolitik unterstützt wird", so der Vorsitzende des Verbandsvorstandes im Hauptverband, Dr. Hans Jörg Schelling. Schelling weiter: "Der Fokus im österreichischen Gesundheitswesen liegt derzeit auf der individuellen Reparaturmedizin und nicht auf einem ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit. Das österreichische Gesundheitssystem handelt zu wenig gesundheitsorientiert. Die Folge ist eine hohe Zahl vermeidbarer chronischer Erkrankungen der Menschen". Eine zentrale Forderung der Sozialversicherung ist daher der Ausbau der Gesundheitsförderung und Prävention. Neben der Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz und einem entsprechenden Bewusstsein der Betroffenen, brauchen wir gesunde Lebenswelten sowie gesellschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen, die es den Menschen in Österreich ermöglichen, gesund zu bleiben. Der Ansatz Gesundheit in allen Politikbereichen (HIAP - Health in All Policies) ist aus Sicht der Sozialversicherung daher zu verstärken.

Health Impact Assessment (HIA)

HIA ist ein Instrument zur systematischen Analyse und Bewertung geplanter politischer Vorhaben hinsichtlich ihrer möglichen positiven wie negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung. Es baut auf dem Konzept der "Gesundheitsdeterminanten" auf und beleuchtet daher nicht nur mögliche Erkrankungsfälle (Morbidität) oder Todesfälle (Mortalität) - gewissermaßen als "Endpunkte" in Bezug auf Gesundheit. HIA versucht vielmehr, den Blick auf jene Einflussfaktoren zu richten, die die Entstehung und Erhaltung der Gesundheit der Bevölkerung ganz maßgeblich prägen. Darunter fallen im Sinne der Gesundheitsdeterminanten u. a. Bildung, Einkommen, Arbeitssituation, wie auch Lebensmittelsicherheit, Stadt- und Verkehrsplanung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Rückfragehinweis:

Gesundheit Österreich GmbH Daniela Klinser Kommunikation Tel.: +43 1 515 61-146 Mobil: +43 664 831 28 53 daniela.klinser@goeg.at www.goeg.at www.gesundheit.gv.at

Rückfragen & Kontakt:

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71132-1120
dieter.holzweber@hvb.sozvers.at
http://www.sozialversicherung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NHS0001