Crowd-Funding: creativ wirtschaft austria stellt neuartige Finanzierungsform für Kreative vor

Leimüller fordert besseren Zugang zum Kapital für Kreativschaffende - Banken sollen finanzielle Commitments von Investoren und Kunden aus der Crowd berücksichtigen

Wien (OTS/PWK419) - "Und wo kommt die Kohle her?" Die creativ wirtschaft austria der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) stellte gestern, Mittwoch, diese drängende Frage für viele der 36.000 Kreativunternehmen in Österreich in den Mittelpunkt. Bei der Veranstaltung Exchange im Eventcenter der Erste Bank in Wien, die mit 150 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt war, erklärte Gertraud Leimüller, Vorsitzende der creativ wirtschaft austria, dass unkonventionelle Geschäftsideen oft nur schwer mit den konventionellen Finanzierungsformen klassischer Geldgeber in Einklang zu bringen sind: "Kreative bewegen sich oft auf neuem Terrain und wir wissen aus Studien, dass Finanzierungsschwierigkeiten auf dem Weg zur erfolgreichen Marktnachfrage von den Kreativen als eines der größten Hemmnisse gesehen wird, wenn es um die Umsetzung ihrer Ideen geht." Der Zugang zu Wagniskapital sei daher eine wichtige Voraussetzung vor allem für jene Kreativunternehmen, die auf Basis innovativer Produkt-und Dienstleistungsangebote rasch wachsen möchten, so Leimüller.

Eine neue Möglichkeit ist Crowd-Funding. Diese neue Form, an Startkapital zu kommen, wird im Web 2.0 für viele Arten von Projekten und Produkten, die Kapital für ihre Realisierung benötigen, eingesetzt und verbreitet sich von den USA ausgehend nun auch im deutschen Sprachraum. Das Besondere: Nicht ein einzelner Kapitalgeber, sondern viele Internetuser investieren dabei in klar definierte Projekte, mit Beträgen von 20 Euro bis zu mehreren 100 Euro pro User/Investor/Kunde. Die Palette reicht dabei von Musikbands, die auf diese Weise eine CD finanzieren, bis zur Produktion von Filmen auf der Basis eines veröffentlichten Drehbuchs. Die Gegenleistung für diese Micro-Investoren: Anerkennung, etwa in dem sie im Filmabspann genannt werden, oder eine Musik-CD von der finanzierten Band oder Produktion des Produkts, für das sie eine Anzahlung geleistet hatten.

Anna Theil von der Crowd-Funding Plattform "Startnext", die im April die weltweit erste Crowdfunding-Konferenz in Berlin organisiert hatte, in ihrer Keynote: "Kreativschaffende sollten Crowd-Funding in der Frühphase einsetzen, um ihre Produkte am Markt zu testen. Die Crowd dient als Ideenplattform. Wenn dann ein Publikum für die Produkte vorhanden ist und sie mit Crowd-Funding erfolgreich werden, könnten Banken die Anschlussfinanzierung übernehmen. Die Zusammenarbeit mit Banken ist derzeit noch Vision, aber Potential wäre gegeben, je nachdem, wie sich Crowd-Funding entwickelt. Spannend ist es auf jeden Fall!" Theil regt an, Schnittstellen zwischen Unternehmen, Förderinstitutionen, Banken und der Crowd zu schaffen. Das würde nicht nur die Transparenz erhöhen, sondern auch die Effizienz der Förderungen. "Wir brauchen schnellere Finanzierungsprozesse in der Kreativwirtschaft, die Innovationen fördern. Hier springt die Crowd ein und treibt mit ihren Inputs und Investments nicht nur die Innovation, sondern auch deren Umsetzung voran." Theil spricht auch die Internationalisierung durch diese neue Finanzierungsform an: "Mit dem Internet funktioniert Crowdfunding über Ländergrenzen hinweg, damit entsteht eine zusätzliche, spannende Dynamik."

Leimüller plädiert dafür, den Zugang zu Kapital für die Kreativwirtschaft zu verbessern. "Schnell abwickelbare Anschubfinanzierungen, die auf die besondere Bonitätssituation der Kreativunternehmen Rücksicht nehmen, würden vielen Unternehmen helfen, vor allem in der Startphase, wo oft schon relativ kleine Summen ausreichend sind, um Ideen marktfähig zu machen. Eine solche Vorfinanzierung in der Form von Kleinstkrediten und Mikrofinanzierungen haben in der Kreativwirtschaft eine besonders große Hebelwirkung und würden helfen, das Potential der Kreativwirtschaft noch besser zu nutzen und das Angebot für Kunden in anderen Wirtschaftsbranchen auszubauen."

Exchange, das Netzwerktreffen für KreativunternehmerInnen, wurden von der creativ wirtschaft austria im Rahmen von evolve, der Kreativwirtschaftsinitiative des Wirtschaftsministeriums in Kooperation mit der Erste Bank, veranstaltet. (AC)

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E-Mail: Rudolf.Lichtmannegger@wko.at
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