"profil": Fremdenpolizei-Chef Kovarnik: "Beamte haben inzwischen eine Scheu vor Amtshandlungen"

Wilfried Kovarnik wirft NGOs Gesprächsverweigerung vor

Wien (OTS) - In einem Interview in der Freitag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" sagt Wilfried Kovarnik, der scheidende Leiter der Verwaltungspolizeilichen Einheit der Polizei Wien, dass ihm sein Job zum Schluss keinen Spaß mehr gemacht habe:
"Ich wollte kriminelle Ausländer außer Landes schaffen. Aber heute bringen wir höchstens 20 Prozent der Menschen weg, die nicht im Land sein sollten. Allein in Wien springen jedes Jahr 200 bis 300 Menschen aus der Schubhaft."

Kovarnik, der sich nach 25 Jahren Fremdenpolizei zur Ruhe setzt, kritisiert in dem Interview - dem letzten, das er zum Thema Migration geben will - die mangelnde Personalausstattung der Fremdenpolizei und die Politik, die auf Entwicklungen der Praxis oft zu spät reagiert habe. Die Kabinette der Minister würden sich "heute mehr einmischen, als ihnen zusteht, und Kritik aus der Praxis nicht schätzen". Außerdem macht Kovarnik seinem Ärger über Grüne Luft: "Sie sind nicht fair." NGO-Vertretern - unter ihnen namentlich Diakonie-Chef Michael Chalupka und Amnesty -nternational-Chef Heinz Patzelt - wirft er Gesprächsverweigerung vor. Kovarnik klagt, NGOs gelinge es besser, ihre Sicht der Dinge in der Öffentlichkeit zu platzieren, Beamte könnte sich gegen falsche Darstellungen nicht wehren, weil sie an die Amtsverschwiegenheit gebunden seien, "ein Rechtsanwalt oder ein NGO-Vertreter kann alles behaupten", so Kovarnik im "profil"-Gespräch. Fremdenpolizisten hätten inzwischen eine Scheu vor Amtshandlungen, sie sagten: "Da krieg ich nur Wickel."

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