Offener Brief der österreichischen Kunststoffbranche

Plastiksackerln - Symbolik kann irreführen

Wien (OTS) - Bei der Landes-Umweltreferenten-Konferenz, die am 9. und 10. Juni in Tirol stattfindet, wird dem Vernehmen nach auch das Thema "Plastiksackerl" auf der politischen Agenda stehen.

Um in die Diskussion, die in den letzten Wochen von Fehlinformationen und Irrtümern gekennzeichnet war, die Sicht der Kunststoffbranche einzubringen, wurde ein offener Brief von PlasticsEurope Austria - dem österreichischen Branchenvertreter der europäischen Kunststoff-Industrie - verfasst und an die betreffenden politischen Vertreter/innen versendet:

Das Plastiksackerl ist in Österreich zum Symbol für gedankenlose Konsum-Mentalität geworden. Zu viel Konsum führt zu Material- und Energievergeudung und somit zur sattsam bekannten CO2- und Klima-Problematik. Grund genug, das Thema am 9. Juni auf die Agenda der Landes-Umwelt-referenten Konferenz in Tirol zu setzen. Wie auch auf Bundesebene wird dort dem Vernehmen nach "Bio-Kunststoff" als alternativer Hoffnungsträger favorisiert.

PlasticsEurope begrüßt jede Innovation. Der Erfolg der Kunststoff-Branche gründet schließlich auf der Entwicklung stets neuer Materialien mit immer besseren Eigenschaften, die leichtere, belastbarere, günstigere oder grundsätzlich neue Produkte ermöglicht haben (Brillen, Zahnbürsten, Handies, Snowboards, atmende Schuhsohlen, Wundpflaster, Infusionsschläuche, resorbierendes Nahtmaterial für Chirurgen, Windräder, Photovoltaik, Carbonrahmen und Monocoques...).

Das "gemeine Plastiksackerl" mag zwar ein Symbol sein, ist aber in der Realität nicht das Problem: Wer im Supermarkt keines braucht, nimmt sowieso keines - und wer darin seine Einkäufe heim transportiert, entsorgt es nachher weder im Wald noch im nächsten Gerinne sondern benutzt es nochmals, etwa als Müllsack.

Ressourcenfresser ist das Sackerl auch nicht: Mit der Menge Erdöl, die man für Material und Erzeu-gung eines vollen Jahresvorrats an Plastiksackerln eines "durchschnittlichen" Österreichers benötigt (entspricht ca. 0,66 Liter Diesel), käme man mit einem Kleinwagen ca. 15 km weit. Zum persönlichen CO2-Fußabdrucks trägt das Plastiksackerl 0,14 Promille (0,00014) bei - also nicht grade die Welt...

Manche Politiker meinen, dass das Sackerl verrottbar sein solle. Aber wozu? Doch nicht als Ausrede, um es irgendwo einfach wegzuschmeißen, auch mitten im Wald?

Manche Politiker meinen, dass alle Sackerln aus Mais- oder Kartoffelstärke statt aus Öl produziert werden sollten. Das könnte die heimische Landwirtschaft stärken.

Vielleicht ist es wenig bekannt, dass biogene Rohstoffe meist aus besonders stärkereichen Kartoffelsorten, aus Mais bzw. Zuckerrüben kommen. Um das gewünschte Eigenschaftsprofil zu erhalten, bestehen die meisten Produkte allerdings aus Mischungen von bio-basierten und fossil-basierten Kunststoffen und Zusatzstoffen. Das ist sinnvoll und sicher - führt aber vor Augen, dass der Begriff "Bio-Plastik" nicht immer gleich zu setzten ist mit einem 100 %-Anteil an nachwachsenden Rohstoffen.

Resumé: Wo immer Produkte aus Bio-Plastik einen realen Beitrag leisten, werden sie sich durch-setzen: Ob als Folien in der Landwirtschaft, zur Verlängerung der Haltbarkeit einiger Lebensmittel, falls sie einen nachweislich geringeren CO2-Fußabdruck aufweisen (dzt. nur bei großen Formaten) oder weil sie - bei weiter steigenden Rohstoffkosten - in Zukunft einen niedrigeren Preis haben könnten als Produkte auf fossiler Basis.

Aber als Ablenkung und als bloßes Symbol, damit sich die Politik den wirklich großen Problemen (Kyoto-Ziele, Verkehr, alternative Energien, Sanierungsrate der Altbauten...) nicht stellen muss, lehnen die Kunststoffhersteller eine (Schein)-Diskussion um Plastiksackerln rundweg ab.

DI Heinz G. Schratt,
Generalsekretär

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