Ein weiterer Schritt in Richtung Integrierte Versorgung - Eröffnungsveranstaltung zum neuen Angebot der Übergangspflege

Pflegehaus St. Louise in Maria Anzbach, Barmherzige Schwestern Pflege GmbH - Veranstaltung und Eröffnung am 7. Juni 2011

Maria Anzbach (OTS) - Das Pflegehaus St. Louise feierte am 7. Juni 2011 im Rahmen einer Eröffnungsveranstaltung sein neues Angebot der Übergangspflege als anerkanntes Schwerpunktzentrum des Landes Niederösterreich. Unter den zahlreichen Gästen fanden sich viele Vertreter der Kirche, des Ordens des Gesundheits- und Sozialbereiches sowie der Politik des Landes Niederösterreich. Die Referenten bestätigten, dass die Übergangspflege ein wichtiges Angebot für ein möglichst langes selbstständiges Leben zu Hause ist. Darüber diskutierten Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck, Maga. Barbara Schwarz, Landesrätin für Soziales, Arbeit und Familie, Helga Marian, Leiterin des Projektes Übergangspflege im Land Niederösterreich sowie Dr. Andreas Schneider, Ärztlicher Direktor des Klinikum St. Pölten.

Das Land Niederösterreich setzt mit der geplanten Umwandlung von ca. 200 bestehenden Pflegebetten in Übergangspflegebetten bis zum Jahr 2012 einen wichtigen Schritt in Richtung Integrierte Versorgung. Das erste Pilotprojekt für die Übergangspflege wurde 2008 in ausgewählten Landespflegeheimen mit 127 Patienten gestartet und 2010 evaluiert. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Übergangspflege eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Pflegeangeboten ist und den sogenannten Drehtüreffekt verringert. "Ziel der Übergangspflege ist
die Betreuung und Behandlung von Patienten nach einem stationären Krankenhausaufenthalt für längstens 12 Wochen mit dem klar definierten Ziel einer Entlassung nach Hause - mit oder ohne anschließender Unterstützung durch mobile Dienste", erklärt Helga Marian, Pflegedienstleiterin Landespflegeheim Mistelbach und Projektleiterin Übergangspflege in Niederösterreich. Das Angebot richtet sich an Menschen, die nach Krankheiten, Operationen oder Unfällen vor dem Dilemma stehen, für das Krankenhaus zu gesund aber für das Leben zu Hause noch nicht gesund genug zu sein. Es richtet sich auch an Menschen, die Unterstützung brauchen, um die Zeit bis zum Rehabilitationsaufenthalt zu überbrücken.

Derzeit benötigen rund 400.000 Österreicher, das entspricht rund fünf Prozent der Bevölkerung, ständige Pflege. Der Anteil von pflegebedürftigen Menschen wird stark zunehmen, im Jahr 2030 wird die Altersgruppe über 80 Jahre von derzeit 403.000 auf 625.000 Menschen ansteigen; dies entspricht einer Zunahme von rund 55% gegenüber heute (Quelle: Statistik Austria). Leider werden der demografischen Entwicklung zu folge auch altersabhängige und -assoziierte Erkrankungen (z.B. Diabetes, Demenz, Osteoporose, neurologische oder rheumatische Erkrankungen oder Augenerkrankungen) zunehmen und treten oft auch in Form von Komorbiditäten auf. Um diesem veränderten und stark steigenden Pflegebedarf gerecht zu
werden, braucht es in Zukunft verstärkte Angebote in allen Versorgungsbereichen: mobile Dienste, teilstationäre und stationäre Angebote. Hierbei ist auch die integrierte Versorgung ein wesentlicher Bestandteil.

"Pflege ist ein wichtiges und moralisch verpflichtendes Thema. Pflege muss aber auch nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Aufgabe ist es, die Mittel, die zur Verfügung stehen so einzusetzen, dass eine optimale Mischung an Pflege- und Unterstützungsmöglichkeiten angeboten werden kann", betont Frau Maga. Barbara Schwarz, Landesrätin für Soziales, Arbeit und Familie in Niederösterreich. Aus Umfrage zitiert Maga. Schwarz, dass rund 85 % der älteren Bevölkerung Niederösterreichs lieber zu Hause alt werden möchte. Die Pflegeangebote in NÖ kommen diesem Wunsch nach - sei es die 24-Stunden Betreuung bereits ab Pflegestufe 1, die sozialen Dienste mit zusätzlichen 700 betreuten Menschen jährlich oder das erst aktuell etablierte Angebot der Übergangspflege. Die Übergangspflege trifft demzufolge genau
den Wunsch der Menschen, nach einem Krankenhausaufenthalt in einem befristeten Pflegeheim-Aufenthalt wieder fit für das Leben daheim gemacht zu werden. Maga. Schwarz dankt in ihrer Rede vor allem jenen, die tagtäglich ältere und pflegebedürftige Menschen betreuen, versorgen und pflegen.

Seit mehreren Jahren schon ist den Pflegehäusern der Barmherzigen Schwestern die integrierte Versorgung an der Schnittstelle zwischen Medizin und Pflege ein großes Anliegen und es werden Angebote für Menschen gemacht, für die bisher keine geeignete Betreuungssituation gegeben war - wie z.B. Ausbau Kurzzeitpflege und Übergangspflege - in enger Kooperation mit Krankenhäusern.

"Der besondere Auftrag von christlichen Sozialeinrichtungen besteht heute darin, Spiritualität in den Bereich einzubringen und damit der vollständigen Dominanz von Technik und Chemie, Recht und Ökonomie aus einer Werteorientierung heraus gegenzusteuern. Dann steht der Mensch im Zentrum. Der Staat hat aus Eigeninteresse solche Einrichtungen zu fördern", führt Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck aus.

"Es freut uns ganz besonders, dass das Angebot der Übergangspflege im Land Niederösterreich einen hohen Stellenwert genießt und wir mit diesem nun erweiterten Angebot einen verstärkten Beitrag zu einer integrierten sektorenübergreifenden Betreuung und rehabilitativen Pflege leisten können", betont Maga. Anna Parr, Geschäftsführerin der Barmherzigen Schwestern Pflege GmbH und führt weiter aus: "Mit einer erfolgreichen Übergangspflege gelingt es, erkrankte Menschen in absehbarer Zeit auf ein selbstständiges Leben zu Hause vorzubereiten und letztlich auch stationäre Langzeitpflege zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Das ist unser gemeinsames Ziel."

"Kooperationen zwischen allen Teilen des Gesundheits- und Sozialsystems sind eine Chance und notwendig. Niederösterreich ist schon ein gutes Stück dieses Weges gegangen", meint Dr. Andreas Schneider, ärztlicher Direktor des Klinikum St. Pölten. Dies verbessert nicht nur die Qualität der Versorgung und Betreuung und hilft in Zeiten knapper Ressourcen Kosten zu sparen.
Dr. Andreas Schneider, appelliert an die Verantwortlichen, dass vor allem der behutsame Umgang mit Ressourcen besonders wichtig ist. Das Konzept der Übergangspflege ist aus seiner Sicht für alle Beteiligten vorteilhaft.

Dass Integrierte Versorgung ein zentrales Thema in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion ist, liegt auf der Hand. "Es wird immer wichtiger, die einzelnen Bereiche des Gesundheits- und Sozialsystems stärker zu vernetzen. Insbesondere ältere Menschen benötigen nach einem Krankenhausaufenthalt ausreichend Zeit, um wieder gesund genug für ein selbständiges Leben zu sein. Dabei ist auch eine Abstimmung der Angebote zwischen intra- und extramuralen Versorgungsbereichen essentiell. Es geht um eine optimale Betreuung und Behandlung von Menschen, die unsere Hilfe brauchen und es gilt vor allem, durch integrierte Konzepte Doppelgleisigkeiten zu vermeiden", hebt Maga. Anna Parr hervor. Und weiter: "Österreichweit besteht das Problem, dass der Eigenleistungsanteil der Betroffenen bei der Kurzzeit- und Übergangspflege weitaus höher ist als dies im Krankenhaus der Fall ist. Ein Angleich dieser Eigenleistungsanteile wäre dringend erforderlich um einen Anreiz dafür zu schaffen, dass Klienten einer Transferierung und weiterführenden Betreuung in den Pflegehäusern zustimmen."

Für die Zukunft ergeben sich für verschiedenste Akteure im Gesundheits- und Sozialbereich weite Handlungsfelder auf verschiedenen Ebenen. Insbesondere sind politische Weichenstellungen und Rahmenbedingungen erforderlich, die Kooperationen und einen Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren ermöglichen. Das Land Niederösterreich hat durch das Angebot der Übergangspflege gezeigt, wie ein solcher Weg aussehen kann.

Foto-Download unter www.bhs.or.at

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Mag. Anna Parr
Geschäftsführerin
Barmherzige Schwestern Pflege GmbH
Gumpendorfer Straße 108
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TEL: +43 1 595 31 11 - 3901
FAX: +43 1 595 31 11 - 3998
E-Mail: anna.parr@bhs.or.at

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