Korosec zu Pflege-Begutachtung: Ja zu Pflegepersonal als Pflege-Gutachter. Schnellschüsse sind jedoch kontraproduktiv!

Völlig unverständlich, warum schon vor Experten-Endbericht und ohne Verhandlungen angebliche Ergebnisse präsentiert werden!

Wien (OTS) - "Sollen Pflegefachkräfte die Einstufung zum
Pflegegeld vornehmen dürfen, oder nicht? So lautet die aktuellste der Pflegefragen. Ja, sagt dazu der Österreichische Seniorenbund, der dies schon seit Jahren einfordert. Aber: Die Rahmenbedingungen alleine werden entscheiden, ob diese Neuregelung ein Erfolg werden kann, vor allem ein Erfolg im Sinne der Pflegebedürftigen. Es ist daher völlig unverständlich, warum nun schon die ersten "Entscheidungen" durch die Medien geistern, bevor jene Expertenkommission, die das entsprechende Pilotprojekt beurteilen soll, überhaupt ihren Endbericht vorgelegt hat! Anstatt medienwirksame Schnellschüsse zu präsentierten, sollten nun eher ernsthafte Verhandlungen unter Einbindung aller Systempartner beginnen", erklärt LAbg. Ingrid Korosec, Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes, anlässlich der aktuellen Debatten und des heutigen Berichtes dazu in der Tageszeitung "Die Presse".

Wo bei der Pflegegeld-Einstufung die Probleme liegen

"Mit einem Rechnungshofbericht wurden klar die Defizite des Systems aufgezeigt: Begutachtungen dauerten zu lange, wurden nicht nach einheitlichen Standard und von mehr als 300 verschiedenen Stellen durchgeführt. Seither ist viel geschehen: Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Ärzte und BMASK haben gemeinsam sehr gute Richtlinien für die Pflegegeldeinstufung erarbeitet. In der PVA hält man sich vorbildlich an die Vorgaben hinsichtlich Dauer der Verfahren und Ausbildung der Gutachter. Und die Sache mit den 300 Stellen ist bekanntlich mit Jahresbeginn beendet", erklärt Korosec zu den Entwicklungen der letzten beiden Jahren, fügt jedoch ihre Kritik an:

"Aber was nutzen die besten Vorgaben, wenn sie nicht eingehalten werden? Laut diesen Bestimmungen müssten die tatsächlich pflegenden Personen - ob pflegende Angehörige oder Fachkraft - I M M E R im Zuge der Begutachtung befragt werden. Das werden sie aber nachweislich in sehr vielen Fällen nicht. Daher wird auch die Neuregelung nur erfolgreich sein können, wenn die jeweiligen Gutachter - ob nun Ärzte oder Pflegefachkräfte - sich die Zeit für diese wichtige Befragung der tatsächlich Pflegenden auch nehmen (können)", so Korosec zur inhaltlichen Herausforderung.

Korosec: Ausbildung der Gutachter und Einhaltung der Vorgaben garantieren!

Die Seniorenbund-Pflegeexpertin nennt die konkreten erforderlichen Schritte:

"Freilich sollen auch Pflegefachkräfte Pflegegeldeinstufungen vornehmen dürfen. Dazu bedarf es jedoch künftig einer qualitativ hochwertigen Aus- und Weiterbildung der Gutachter - bei Ärzten und Pflegefachkräften. Und die schon jetzt tätigen Obergutachter (Chefärzte) müssen konsequent jedes unvollständig ausgefüllte Gutachten (wenn zB die Befragung der tatsächlich Pflegenden fehlt) den Gutachtern zurückwerfen und die Vervollständigung einfordern. Auch die Kostenfrage wird zu klären sein - denn wer zwei Stunden Begutachtungsarbeit einfordert, muss auch zwei Stunden bezahlen, gleich ob den Ärzten oder den Pflegefachkräften!"

Dringender Appell: Keine Einzelaktionen bis Ende 2012!

Und abschließend wiederholt Korosec ihren dringenden Appell an alle für die Pflege und Betreuung Verantwortlichen:

"Mit dem soeben erst im Ministerrat verabschiedeten Pflegefonds haben wir uns einen Handlungsspielraum erarbeitet. Es besteht kein Grund zu Panik und Schnellschüssen. Nutzen wir - wie geplant - die Zeit bis Ende 2012: Alle System-Partner sollen an einen Tisch, wobei das Ziel der Verhandlungen klar ist: Wir wollen eine Pflegestrukturreform, die ein nachhaltig finanzierbares, bundesweit mit Mindeststandards versehenes Pflegesystem sicherstellt, das Hilfe aus einer Hand für alle Pflegebedürftigen in ganz Österreich garantiert. Überhastete Einzelaktionen werden uns da keinen Schritt weiter bringen!"

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund, Susanne Kofler,
Tel.: 0650-581-78-82, skofler@seniorenbund.at; www.seniorenbund.at

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