Standort Wien am Infrastruktur-Prüfstand

Präsentation des Wiener Future Business Austria Infrastrukturreports 2011

Wien (OTS) - Die Stadt Wien stellt sich zum dritten Mal dem Infrastruktur-Monitoring von Future Business Austria (FBA). Wie im Vorjahr belegt Wien im Städtevergleich den guten vierten Platz - vor allem CEE-Hauptstädte holen aber stark auf. Wie das Beispiel Flughafen Wien (gefährdete Osteuropa-Hub-Funktion) zeigt, braucht die Bundeshauptstadt einen langfristigen Planungshorizont und klare strategische Prioritäten, um internationale Headquarter zu halten.

Der FBA Infrastrukturreport Wien 2011 zeigt: Die volkswirtschaftliche Dimension von Infrastrukturinvestitionen reicht weit über kurzfristige beschäftigungspolitische Impulse hinaus. Eine leistungsfähige Infrastruktur in den Bereichen Forschung, Energie, Verkehr (Straße, Schiene, Luft- und Schifffahrt), IKT und Post hat entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftliche Wertschöpfung und damit auf die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes. Gerade im Vergleich europäischer Staaten wird deutlich, dass die Infrastruktur im Standortwettbewerb eine immer größere Rolle spielt, während andere Faktoren an Bedeutung verlieren. Im europäischen Städtevergleich (siehe Grafik) liegt Wien zwar wie in den Vorjahren auf dem guten vierten Platz hinter Amsterdam, London und Madrid, aber vor allem CEE-Hauptstädte und auch die westeuropäischen Metropolen Berlin, Madrid und Rom holten massiv auf.

Wiener Manager bewerten Energie, IKT und Straße überdurchschnittlich

Die für den FBA Infrastrukturreport Wien 2011 befragten Wiener Manager sehen im europäischen Städtevergleich den Bereich Energie mit einem positiven Saldo von 17 Prozent klar in Führung. Ihm folgen IKT, die von 2009 (17) auf 2010 (11) allerdings deutlich verloren haben. Den Sprung aus dem negativen Bereich (2009: minus 5) hat mit plus 9 die Straße geschafft. Jene Infrastruktur(teil)bereiche Wiens, deren Saldo bereits im Vorjahr unter null lag, haben sich weiter verschlechtert: Die Luftfahrt sank auf minus 13 ab, die Schifffahrt auf minus 22, die Post auf minus 23 und die Schiene auf dramatische minus 30. Forschung bildet mit einem Saldo von minus 34 das Schlusslicht.

Die wichtigsten Infrastrukturbereiche für den Standort Wien: Straße, Schiene und IKT

Betrachtet man die Wichtigkeit der einzelnen Infrastrukturteilbereiche führt Straße klar mit 81 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgt die Schiene mit 70 Prozent, wenngleich sie seit dem Vorjahr einen Verlust von 14 Punkten hinnehmen musste. IKT legten im Vergleichszeitraum um 14 Punkte auf nunmehr 64 Prozent zu. Die Forschungsinfrastruktur belegte mit 55 Prozent den vierten Rang. Auch in der Wiener Infrastruktur verlor die Luftfahrt an Relevanz: 2010 erreichte sie nur mehr 40 Prozent und verzeichnete damit ein Minus von 14 Punkten. Bedeutungsverluste erlitten des weiteren Energie (2009: 36 Prozent, 2010: 25 Prozent), Post (2009: 26 Prozent, 2010:
15 Prozent) und Schifffahrt (2009: 10 Prozent, 2010: 4 Prozent). Auch für Wien zeigt sich in der Gesamtbewertung klar der Bedeutungsgewinn für IKT.

Infrastrukturinvestitionen leiden unter Schulden

Die Bereitschaft der Politik, in Infrastruktur zu investieren, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Dazu bedarf es freilich ausreichender finanzieller Mittel. 46 Prozent der Wiener Manager geben zu Protokoll, dass die steigende Staatsverschuldung sehr starken (negativen) Einfluss auf die Infrastrukturinvestitionen in Österreich haben wird. Nach Meinung von 28 Prozent werden Investitionen unter der Verschuldung "eher leiden". Exemplarisch hierfür steht der Infrastrukturteilbereich Luftfahrt, der insbesondere für die Headquarter-Politik von großer Bedeutung ist. Manager internationaler Unternehmen schätzen Wien wegen seiner exzellenten Flugverbindungen nach Mittel- und Osteuropa. 70 Prozent der Wiener Manager sind der Überzeugung, dass der Flughafen VIE auch nach dem Austrian-Verkauf an die Lufthansa internationale Drehscheibe bleibt. Wäre das nicht der Fall, hätte dies gravierende Auswirkungen auf den Standort: 57 Prozent befürchten "sehr negative", 36 Prozent "eher negative" Konsequenzen für Wien. Enorme 74 Prozent erwarten eine Abwanderung von Headquarters aus Wien. Gerade deswegen darf der zügige Ausbau der dritten Piste nicht an parteipolitischen und föderalen Grabenkämpfen scheitern.

Staatliche Infrastruktur als "Stückwerk"

Die Bewertung der staatlichen Infrastrukturpolitik durch die Wiener Manager fällt immer kritischer aus: 77 Prozent (2009: 74 Prozent) bezeichnen diese als Stückwerk, nur mehr 11 Prozent (2009:
23 Prozent) sehen eine koordinierte Politik. Folglich bestätigen auch nur mehr 15 Prozent (2009: 23 Prozent) das Vorhandensein einer Infrastruktur-Gesamtstrategie, 69 Prozent der Befragten tun dies nicht. Für Wien fällt das Urteil milder aus: 40 Prozent (2009: 39 Prozent) erkennen eine Infrastruktur-Gesamtstrategie, 57 Prozent (2009: 55 Prozent) nicht. 68 Prozent (2009: 64 Prozent) halten die Infrastruktur der Hauptstadt für Stückwerk. Der Anteil derer, die eine koordinierte Politik sehen, sank um 2 Punkte auf 26 Prozent.

Mehr Strategie, weniger Zersplitterung bei Kompetenzen

Bezüglich einer gesamtheitlichen Infrastrukturstrategie sehen die Wiener Manager akuten Handlungsbedarf. Bundesweit sollte sich deren Zeitrahmen für jeden Zweiten bis 2020 erstrecken, für jeden Fünften bis 2030. Für Wien wollen 59 Prozent eine Infrastrukturstrategie mit einer Reichweite bis 2020 und 19 Prozent einen Rahmen bis 2030.

Sensibilität für Infrastrukturthemen wächst

Im Infrastrukturreport Wien zeigt sich im Zeitverlauf die Veränderung der Sicht der Wiener Manager auf Status und Perspektiven der lokalen Infrastruktur: Deren Bedeutung für volks- und betriebswirtschaftlichen Erfolg wird immer höher eingeschätzt. Im Hinblick auf die gesamtösterreichische Infrastruktur ist die Sensibilität der Wiener Manager deutlich gestiegen (für 39 Prozent ist Infrastruktur der wichtigste Bereich für den Wirtschaftsstandort). Für Wien wird der Stellenwert der Infrastruktur im Vergleich dazu etwas niedriger angesetzt: 36 Prozent der Befragten nennen die Infrastruktur als wichtigste Größe für diesen Wirtschaftsstandort. Die städtische Infrastrukturpolitik schneidet dabei besser ab als ihr staatliches Pendant. Handlungsbedarf besteht bei der Konnektivität des
Standortes Wien vor allem mit Osteuropa.

Über den FBA Infrastrukturreport Wien 2011

Bereits zum dritten Mal unterzieht sich die Stadt Wien den Untersuchungen des Future Business Austria-Infrastrukturreports und lässt damit die Qualität ihrer Infrastruktur von den beiden Autoren David Ungar-Klein und Mag. (FH) Kathrin Kornfeld auf den Prüfstand stellen. Der Wiener Future Business Austria Infrastrukturreport 2011 basiert wie die bundesweite Erhebung auf einem elaborierten methodischen Instrumentarium, das u.a. eine volkswirtschaftliche Analyse von Univ.-Prof. Dr. Bernhard Felderer, eine repräsentative Befragung unter Wiener Managern durchgeführt von Peter Hajek Public Opinion Strategies, qualitative Experteninterviews der PR-Agentur Create Connections und ausgewählte Key Performance Indicators von Roland Berger Strategy Consultants für den internationalen Vergleich umfasst.

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