"DER STANDARD"-Kommentar zu Strache: "Reden reicht nicht" von Gerald John

Ausgabe vom 3.6.2011

Wien (OTS) - An dankbaren Opfern mangelt es Heinz-Christian
Strache nicht. Zum Einprügeln bieten sich an: der Euro, den die Leute entgegen der statistischen Evidenz schon immer für einen "Teuro" hielten. Die Griechen, die auch nach dem brutalsten Sparpaket die faulen Südländer bleiben. Und natürlich die Koalition, die für die Rettung der beiden Ersteren Unsummen lockermacht.
Was lässt sich dem entgegenhalten? Schon ertönt die beliebteste Ausrede jeder Regierung: Die Kommunikation sei schlecht - aber keinesfalls die eigene Politik.
Natürlich müssen Kanzler & Co der FPÖ mit Eloquenz und Sachverstand kontern. Doch das allein ist noch kein Erfolgsrezept. In einer rhetorischen Schlacht um komplexe Themen wie die Eurorettung genießt ein maßloser Populist, der auf Realitäten nur begrenzt Rücksicht nehmen muss, stets einen Startvorteil. Eine Regierung kann sich konkrete Arbeit nicht durch Marketing ersparen. Denn neben aller haarsträubenden Propaganda trifft Strache immer wieder einen wahren Kern - so auch punkto Krisenbewältigung: Am System, das zum Absturz führte, hat die Politik tatsächlich fahrlässig wenig geändert. Im aktuellen Fall besitzt ein einzelnes EU-Land nur begrenzt Einfluss. Doch auch daheim warten Hausaufgaben: Erledigt die Regierung die wichtigsten davon, könnte sie die Themenführerschaft erobern. Wer kein abendfüllendes Stück aufführt, überlässt die Bühne der Konkurrenz.

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