DER STANDARD-KOMMENTAR "Kärntner Milliardengrab" von Andreas Schnauder

Ausgabe vom 1.6.2011

Wien (OTS) - Es klang nach einer Nacht-und-Nebel-Aktion, die da in den späten Abendstunden des Montags ruchbar wurde. Die Republik nimmt einen Kapitalschnitt bei der Hypo Alpe Adria vor und übernimmt damit de facto die Verluste der notverstaatlichten Skandalbank. Ebenfalls betroffen: die Altaktionäre Grazer Wechselseitige und Kärntner Landesholding, die bei der Auffangaktion Ende 2010 Partizipationskapital zur Verfügung stellen mussten.

Ihre Freude über die Maßnahme der Republik hält sich in Grenzen, immerhin wird auch ihr Kapital "geschnitten". Doch im Gegensatz zum gemeinen Steuerzahler, der die Bank vor dem Abgrund bewahrte, tragen die zwei früheren Aktionäre Mitverantwortung für das Schlamassel. Da sich die Sanierung der Hypo als weit schwieriger herausstellt als gedacht, erscheint eine Beteiligung der früheren Eigentümer somit naheliegend. Es wäre nicht überraschend, müsste die Republik noch viel tiefer in die Tasche greifen. Dass die auf Teufel komm raus aufgenommenen Schulden für die verlustreiche Expansion am Balkan in den nächsten Jahren von der Hypo refinanziert werden können, darf jedenfalls bezweifelt werden.

Letztlich hat auch die EU-Kommission die mangelnde Beteiligung der Altaktionäre kritisiert. Jetzt kann man nur hoffen, dass auch der Hauptverantwortliche, die BayernLB, über den Umweg Brüssel zur Kasse gebeten wird. Und das Kärntner Milliardengrab umgegraben wird.

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