Papierindustrie: Energiepolitik entscheidender Standortfaktor im internationalen Wettbewerb

Stabile europäische Versorgung wichtiger als nationale Energieautarkie - Novellen von Gaswirtschafts- und Ökostromgesetz entscheidend für heimische Wettbewerbsfähigkeit

Wien (OTS/PWK385) - Der neue Ansatz der EU-Kommission, die Energiepolitik verstärkt unter dem Gesichtspunkt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sehen, wird von der Papierindustrie begrüßt. "Energiepolitische Rahmenbedingungen sind für die Zellstoff- und Papierindustrie entscheidende Standortfaktoren - sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene. Energiekosten machen in manchen österreichischen Papierfabriken trotz des hohen Eigenversorgungsgrades bei Strom und der im internationalen Vergleich ausgezeichneten Energieeffizienz oft bereits mehr als ein Viertel der Produktionskosten aus. Bei den derzeit auf Regierungsebene behandelten Novellen des Gaswirtschaftsgesetzes und des Ökostromgesetzes trägt die Politik ein hohes Maß an Verantwortung. Wir erwarten uns innovative Lösungen, die die Standortqualität Österreichs für die energieintensiven Unternehmen deutlich verbessern", betonte Oliver Dworak, Geschäftsführer der Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, im Rahmen des WKO-Europatages zum Thema "EU-Energiestrategie 2020" mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Paul Rübig, Mitglied des Europäischen Parlaments.

"Nicht regionale oder nationale Energieautarkie, sondern eine stabile europäische Energieversorgung mit harmonisierten Regeln und funktionierendem Wettbewerb muss das Ziel sein. Die EU bietet konkrete Instrumente für den harmonisierten und kostengünstigen Ausbau erneuerbarer Energie an, um technologische Fehlspezialisierungen und die Verschwendung knapper Mittel zu verhindern", so der Austropapier-Geschäftsführer. Deshalb stehe bei der Ökostrom-Novelle aus Sicht der Papierindustrie neben der Verbesserung der Fördereffizienz und der Transparenz des Aufbringungsmechanismus vor allem die EU-konforme Begrenzung der Kostenbelastung für die energieintensiven Unternehmen im Vordergrund.

Die Novelle des Gaswirtschaftsgesetzes trägt zur Vollendung des Energiebinnenmarktes bei. Sie schafft die rechtlichen Grundlagen zur effizienteren Nutzung der Leitungskapazitäten und zur Erhöhung der Marktliquidität. Nun aber komme dem Ausbau der physischen Kapazität große Bedeutung zu. "Fehlende Kapazitäten führen derzeit zu einem Preisnachteil von rund 4 Euro pro Megawattstunde gegenüber der deutschen Gasbörse. Um den Wettbewerb zu beflügeln, muss die Liquidität am Central European Gas Hub CEGH dringend gesteigert werden. Priorität haben dabei der Ausbau der Anbindung an den deutschen Gasmarkt sowie die Diversifizierung der Gaszufuhr durch Errichtung der Nabucco-Pipeline, mit der die gasreichsten Regionen der Erde mit dem europäischen Markt verbunden werden", so Dworak.

Ein gutes Zeugnis stellt die Papierindustrie der Vollendung des Strom-Binnenmarktes aus. Die dadurch beim Strompreis erzielten Vorteile wurden jedoch durch Steuern und Zuschläge wieder egalisiert. Angesichts des von EU-Energiekommissar Oettinger mit rund einer Billion Euro bezifferten Investitionsbedarfs zum Ausbau der Energieinfrastruktur in den nächsten zehn Jahren wies Dworak darauf hin, dass es vordringlich sei, die Innovations- und Investitionskraft der Unternehmen zu stärken und zusätzliche Kostenbelastungen, etwa durch eine Anhebung der Energiesteuern oder eine einseitige Erhöhung des EU-CO2-Reduktionsziels ohne verbindliche internationale Klimaschutzabkommen, zu vermeiden. (AC)

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