Tumpel zum Schulabbruch: "In der Bildung keine ganze Generation verlieren"

Enquete "Jugend - Armut - Bildungschancen": Fast 100.000 Fünfzehn- bis 24-Jährige haben nur die Pflichtschule - AK verlangt Sofortmaßnahmen

Wien (OTS) - Das Bildungssystem ist mitschuld, dass in Österreich fast 100.000 Junge zwischen 15 und 24 Jahren keinen weiteren Abschluss über die Schulpflicht hinaus haben. Das untermauert die Bildungsforscherin Erna Nairz-Wirth heute auf der Enquete "Jugend -Armut - Bildungschancen" in der Arbeiterkammer Wien. Die so genannten Drop outs werden als individuelle "VersagerInnen" abgestempelt, so Nairz-Wirth, der Ort des Scheiterns ist aber auch die Schule. Betroffen sind insbesondere Kinder von Eltern mit niedriger Qualifikation. AK Präsident Herbert Tumpel verlangt auf der Enquete Sofortmaßnahmen, "damit es in der Bildung keine verlorene Generation gibt". Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang Schule-Arbeitsmarkt oder zusätzliche Lernhilfe bei Lese- und Rechenschwächen sei "auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit".

Im alltäglichen Gebrauch des Begriffs "Drop out" für SchulabbrecherInnen schwinge ungerechterweise eine negative Bewertung mit, sagt Erna Nairz-Wirth auf der gemeinsamen Veranstaltung von AK, Armutskonferenz, bildunggrenzenlos und des Netzwerks offene Jugendarbeit. Neuere Forschungen zum Schulabbruch suchen die Verantwortung nicht nur bei den Betroffenen selbst. Sie analysieren zusätzlich, welche Rolle die Schule und das Bildungs- und Ausbildungssystem spielen, wenn Jugendliche nach neun Jahren Pflichtschule bei der weiteren Ausbildung scheitern.

Ort des Scheiterns ist auch die Schule, ergibt die neuere Forschung: Wenn Jugendliche Probleme beim Lernen haben, wird das in der Schule nicht immer ausgeglichen. Risikofaktoren sind zu große Lerngruppen, zu wenig schülerorientierter Unterricht oder dass es keine qualitativ hochwertige ganztägige Betreuung gibt.

Das Risiko von Jugendlichen, aus einer begonnenen Ausbildung zu fliegen oder erst gar keine Ausbildung anfangen zu können, ist umso höher, je niedriger die Bildungsabschlüsse ihrer Eltern sind. Besonders hoch ist das Abbruch-Risiko, wenn die Eltern arbeitslos sind. "Da muss dringend gegensteuert werden", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Er fordert die Beschleunigung der begonnenen Bildungsreformen Richtung Ausbau der ganztägigen Angebote und Trennung der Kinder nicht bereits mit zehn Jahren.

Bis die Reformen greifen, fordert Tumpel ein Sofortprogramm, "damit es in der Bildung keine verlorene Generation gibt" - von verstärker Leseförderung in der Volksschule bis hin zur Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang Schule-Arbeitsmarkt.

Auf der Veranstaltung stellen sich Unterstützungprojekte für Jugendliche vor, die eine weiterführende Ausbildung abbrechen mussten oder erst gar keine anfangen konnten. Beispiele sind das Wiener Projekt "C mon 17", die Produktionsschule Linz oder Sozialarbeit in der Schule.

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