Wohnbauvorhaben nördlich des Heeresspitals: Neues Wettbewerbsverfahren ermöglicht aktive BürgerInnenbeteiligung

Für das Projektgebiet in Floridsdorf wird erstmals in Wien ein neuartiger, partizipativer Bauträgerwettbewerb zur Anwendung kommen

Wien (OTS) - Auf dem Areal zwischen Brünnerstraße und Marchfeldkanal, direkt hinter dem Heeresspital, sollen in den kommenden Jahren rund 950 geförderte Wohnungen errichtet werden. Um die Vorstellungen der AnrainerInnen zu berücksichtigen, wird für das Projektgebiet, auf Initiative von Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig, ein neues Bauträger-Wettbewerbsverfahren durchgeführt, das Möglichkeiten zur Partizipation bietet.
Gestern Abend präsentierte der wohnfonds_wien - er zeichnet für die Durchführung von Bauträgerwettbewerben verantwortlich - im Rahmen einer AnrainerInnen-Informationsveranstaltung das neue dialogorientierte Wettbewerbs-Modell. Gemeinsam mit TU-Wien-Planungs-Experten Prof. DI Rudolf Scheuvens, stv. Vorsitzender des Grundstücksbeirats, und DI Thomas Spritzendorfer, Magistratsabteilung 21B, wurden die BürgerInnen im Beisein von Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig und Bezirksvorsteher Ing. Heinz Lehner detailliert über das neue, dialogorientierte Verfahren informiert. Im Rahmen der Veranstaltung wurde bereits ein erster Schritt zur BürgerInnenbeteiligung gesetzt: Die Anregungen und Ideen der AnrainerInnen wurden aufgenommen, um sie in den Ausschreibungsunterlagen für den Wettbewerb zu berücksichtigen. *****

Zentrale Aufgabenstellung des zweistufigen dialogorientierten Wettbewerbsverfahrens ist es, unter aktiver Beteiligung der AnrainerInnen eine nachhaltige, städtebauliche Konzeption des gesamten Wettbewerbsgebiets zu erzielen. Die eingereichten Projekte werden den AnrainerInnen noch vor der Jurierung der ersten Stufe -für Kommentare, die die Jury in die weitere Diskussion mitnimmt -präsentiert. In der zweiten Stufe ist eine Teilnahme der AnrainerInnen an Workshops mit Jurymitgliedern und den ausgewählten Projektteams vorgesehen.

Bei der gut besuchten Informationsveranstaltung am gestrigen Abend wurden die Planungen für das Gebiet nördlich des Heeresspitals beleuchtet und diskutiert. Seitens der BürgerInnen wurden spannende Ideen und konstruktive Vorschläge eingebracht, die - als erster Schritt - im Rahmen der Ausschreibung des Bauträgerauswahlverfahrens berücksichtigt werden. So war es der Wunsch der AnrainerInnen, die Übergänge zur bereits bestehenden Bebauung sanfter zu gestalten, die Grün- und Erholungsflächen im Gesamtgebiet gleichmäßiger zu verteilen und Durchfahrtsstraßen zu vermeiden. Zudem konnten Missverständnisse ausgeräumt werden, was die Einkaufsmöglichkeiten - es ist kein Einkaufszentrum geplant, sondern ein Supermarkt - und die Erhaltung der Erholungszone Marchfeldkanal - beim Kanal bleibt ein breiter Grünraumgürtel erhalten - anbelangt.

"Ziel des neuen Wettbewerbsverfahrens ist es, einerseits bei den geplanten Wohnprojekten die Vorstellungen der Anrainerinnen und Anrainer zu berücksichtigen, andererseits aber auch dafür Sorge zu tragen, dass den Wienerinnen und Wienern auch in Zukunft ein ausreichendes Angebot an hochqualitativen und leistbaren Wohnungen zur Verfügung steht. Denn beides ist mir sehr wichtig: Die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist ein ganz wesentliches Element für eine optimierte und sozial nachhaltige Planung und eine hohe Wohnzufriedenheit. Der Neubau von geförderten Wohnungen gewährleistet, dass die Bevölkerung und speziell auch junge Menschen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen oder eine Familie gründen wollen, ein kostengünstiges und attraktives Wohnungsangebot in unserer Stadt vorfinden", betonte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.

"Seitens des Bezirks begrüßen wir das neue Wettbewerbsverfahren, das die Anrainerinnen und Anrainer des Projektgebiets in die Planungen mit einbezieht. Ich bin überzeugt, dass damit die besten Voraussetzungen für eine attraktive, bewohnerorientierte Gestaltung des Bezirksteils nördlich des Heeresspitals geschaffen werden", so Bezirksvorsteher Heinz Lehner.

Das Wettbewerbsverfahren im Überblick

Bauträgerwettbewerbe haben sich über die integrierte Betrachtung städtebaulicher, architektonischer, ökologischer, ökonomischer und sozialer Anforderungen als ein sehr wirkungsvolles und erfolgreiches Instrument im geförderten Wohnbau in Wien etabliert. Das dialogorientierte Wettbewerbsverfahren stellt eine neuartige zweistufige Variante des Bauträgerwettbewerbs dar: Bereits im Verfahren selbst wird dadurch eine umfassende Abstimmung mit den AnrainerInnen und eine bauplatzübergreifende Konzeption ermöglicht. In der ersten Stufe kommt es für die teilnehmenden Bauträger/ArchitektInnen-Teams zu einer Reduktion des Gesamtaufwands, da von ihnen im Vergleich zu den bisherigen Bauträgerwettbewerben einfachere Grundkonzepte gefordert sind. Erst im Rahmen des zweiten Verfahrensschritts werden die ausgewählten Beiträge konkretisiert und aufeinander abgestimmt. Durch diese, verstärkt differenzierte und dialogorientierte Vorgehensweise sind deutliche Mehrwerte in den Bereichen Städtebau, soziale Nachhaltigkeit und Freiraum/öffentlicher Raum zu erwarten.
Erst mit Abschluss der zweiten Verfahrensstufe werden die Beiträge auf Basis eines detaillierten Leistungsspektrums abschließend von der Wettbewerbsjury nach dem 4-Säulen-Modell (Soziale Nachhaltigkeit, Architektur, Ökologie, Ökonomie) bewertet.

Die einzelnen Schritte

Vorbereitungsphase, unter Einbeziehung der Vorstellungen der AnrainerInnen::
* Klärung der Rahmenbedingungen
* Formulierung der Wettbewerbsziele
* Definition der Auslobung

Erste Stufe:
* Wettbewerbsauslobung mit auf konzeptionelle Leistungsbestandteile reduzierter Aufgabenstellung für Projektteams
* Kolloquium I zur Erörterung der Wettbewerbsaufgaben und der Leistungsanforderungen nach dem 4-Säulen-Modell (Soziale Nachhaltigkeit, Architektur, Ökologie, Ökonomie)
* Vorprüfung
* Projektpräsentation für die AnrainerInnen; Kommentare werden von der Jury in die weiterführende Diskussion mitaufgenommen
* Jurysitzung zur Auswahl des konzeptionell interessanten/besten Projektes je Bauplatz

Zweite Stufe:
* Konkretisierung der Auslobung mit präzisiertem Leistungskatalog und inhaltlichem Anforderungsprofil
* Kolloquium II/Workshop mit Vorstellung der einzelnen Beiträge, Erörterung der Erkenntnisse aus der Jurysitzung sowie Diskussion der Anforderungen und des Konkretisierungsbedarfes
* Dialogorientierte Arbeitsphase mit integrierten Workshops und Abstimmungsterminen zwischen Teilen der Jury, den Projektteams und AnrainerInnen
* Vorprüfung
* Jurysitzung II zur Bewertung der Förderfähigkeit nach dem 4-Säulen-Modell (Soziale Nachhaltigkeit, Architektur, Ökologie, Ökonomie) durch die Wettbewerbsjury
* Ausstellung der Siegerprojekte

Der Zeitplan

Der Start des Verfahrens soll noch im heurigen Sommer erfolgen, der Abschluss ist für Mitte 2012 geplant.

Rückfragen & Kontakt:

Christiane Daxböck
Mediensprecher Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig
Tel.: 01 4000-81869
christiane.daxboeck@wien.gv.at

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