TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 25. Mai 2011 von Nicole Unger "Aids tötet auch noch nach 30 Jahren"

Es ist ein trauriges Jubiläum. 1981 wurde das HI-Virus entdeckt. Wissenslücken gibt es noch immer.

Innsbruck (OTS) - Vier Tage ist es nun her. Da wurde gefeiert beim Wiener Life Ball. Auf Teufel komm raus mit internationalen Stars und verkleideten Engeln. 30 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus versucht man immer noch mit einer riesigen Show gegen eine Krankheit anzukämpfen, die eine ganze Kultur verändert hat. Kritiker behaupten zwar, dass solche Charity-Events das Thema Sterben in den Hintergrund stellen. Doch man kann davon halten, was man will: Man muss heutzutage auffallen, um das Thema Aids in den Mittelpunkt zu rücken.

Sicher. Es hat sich viel getan in den letzten Jahren. Als 1981 Mediziner über rätselhafte Fälle tödlicher Lungenentzündungen bei jungen homosexuellen Männern berichteten, schien die Krankheit noch weit weg. Von dieser Geschlechtskrankheit betroffen seien doch nur Anormale, Schwule oder Drogenabhängige, hieß es. Ein Stigma, das sich bis heute in vielen Köpfen festgekrallt hat. In den 90er-Jahren wurde das Thema prominenter. Tom Hanks spielte einen Aids-kranken Anwalt in "Philadelphia". Benetton warb mit einem provokanten Aids-Bild. Die Welt war geschockt. Die Angst ging um. Man wurde vorsichtiger, die Forschung offensiver. Gott sei Dank! Heute liegt die Lebenserwartung mit dem HI-Virus bei einer richtigen Behandlung fast bei jener der Durchschnittsbevölkerung.
Doch jetzt besteht die Gefahr, dass das Thema Aids wieder in Vergessenheit gerät. Das sieht man u. a. an besorgniserregenden Wissenslücken. Es gibt doch eine Impfung gegen Aids. Falsch, gibt es nicht. Es gibt Kondome und gute Medikamente. Allerdings hat ein Großteil der weltweit 33,3 Millionen Betroffenen keinen Zugang zu diesen Therapiemöglichkeiten, leben sie doch in Entwicklungsländern. Auch nach 30 Jahren ist Aids daher immer noch ein Thema. Weil es immer noch tötet.

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