Die Donau zum Leuchten bringen Perspektiven des Donauraums im Hohen Haus ausgelotet

Wien (PK) - Rund 150 Personen aus Politik, Wirtschaft und Interessensvertretungen haben sich heute auf Einladung des Bundesratspräsidenten Gottfried Kneifel im Hohen Haus
eingefunden, um über neue Chancen für die Wasserstraße Donau zu diskutieren, die auch für das Europa der Regionen steht, da die Donau Grenzen überwindet und Völker verbindet. Von der Donauraumstrategie, die gemeinsame strategische Ziele formuliert
und verfolgt, sind neue Impulse für den Donauraum zu erhoffen.
Der offizielle Startschuss für deren Umsetzung soll Anfang Juli erfolgen, schon jetzt wurde darüber im Wiener Parlament beraten.

Prammer: Donauraum größtes EU-Regionalprojekt

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer dankte in ihren Begrüßungsworten Bundesratspräsident Gottfried Kneifel für die Vorbereitung und Ausrichtung dieser wichtigen Konferenz im Parlament. Ihrer Freude gab die Nationalratspräsidentin auch darüber Ausdruck, dass die Donau-Lichtinstallation von Waltraut Cooper, die schon zum Anlass der Europäischen Kulturhauptstadt
Linz 2007 und der Fußball-Europameisterschaft 2008 das Parlamentsgebäude schmückte, auch heute wieder für ein künstlerisches Signal des Hohen Hauses nach außen sorge.

Die Donau hat für Österreich und viele Staaten im Donauraum große Bedeutung, hielt Barbara Prammer fest. Sie ist eine wichtige Wasserstraße, bildet darüber hinaus aber mehr, nämlich einen Lebensraum. Daher hat die Europäische Union die "Donauraumstrategie", das bislang größte EU-Regionalprojekt, mit 14 Partnerländern konzipiert. Die ungarische Ratspräsidentschaft wird diese Strategie beim EU-Gipfel im kommenden Juni offiziell starten. Zuvor hält das österreichische Außenministerium eine Auftaktveranstaltung ab, teilte die Nationalratspräsidentin mit.

Prammer erläuterte dann die weitreichenden Ziele der Donauraumstrategie, die der Vernetzung der Region, dem Ausbau der Transportinfrastruktur sowie der Energiewirtschaft, der Kultur
und dem Tourismus dienen soll. An drei von elf "Prioritäten" der Strategie sei Österreich federführend beteiligt, informierte die Nationalratspräsidentin, an der Verbesserung der Mobilität, an Investitionen in Menschen und Qualifikationen und an der institutionellen Zusammenarbeit.

Die 120 Millionen Menschen, die im Donauraum leben, suchen nun in
14 Partnerländern gemeinsam Antworten auf Zukunftsfragen und Lösungen bei der Verbesserung von Umwelt und Sicherheit, der Schaffung von Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit, bei der Entwicklung der Wissensgesellschaft, der Erhöhung der Bildungsstandards, bei der Nutzung der Informationstechnologie
und bei der Kriminalitätsbekämpfung, führte Präsidentin Prammer aus.

Zum Schluss erinnerte die Nationalratspräsidentin an die
Teilnahme Österreichs in der "Regionalen Partnerschaft" sowie an der "Schwarzmeerstrategie" und unterstrich dabei die eminente Bedeutung der parlamentarischen Zusammenarbeit, die für sie auch ein unverzichtbares Element bei der Verwirklichung der Ziele der Donauraumstrategie darstellt.

Die Donau - ökonomischer und ökologischer Vorteil

In Vertretung von Bundesministerin Doris Bures unterstrich Sektionschef Christian Weissenburger die ökonomischen und ökologischen Vorteile der Wasserstraße Donau. Der umweltfreundliche Verkehrsweg Donau habe nach wie vor Kapazitätspotentiale, die man auch zu nutzen gedenke. Daher habe das Ministerium einen nationalen Aktionsplan zum Donauraum erarbeitet, der mit der Donauraumstrategie korrespondiert, in
deren Rahmen Österreich gemeinsam mit Rumänien Koordinator für die Donauschifffahrt ist. Generell ruhten die Vorhaben auf vier Säulen, die sich der Themenbereiche Mobilität, Umweltschutz, Wohlstand und Stärkung der gesamten Donauregion annähmen.

Gleichwohl sei die Donau umfassend zu begreifen. Es gehe nicht
nur um den Verkehr, sondern auch um kulturelle, ökologische und politische Aspekte. Es gelte, so Weissenburger, die Donau verkehrsreicher zu machen und effizienter zu nutzen, ohne dabei
den Umweltschutz zu vernachlässigen. Insgesamt erwartete der Sektionschef eine neue Aufbruchsstimmung rund um die Donau, die entsprechende Erfolge zeitigen werde.

Kneifel: Die Donau ist mehr als eine "Autobahn des Schiffes"

Bundesratspräsident Gottfried Kneifel erklärte, die Donau müsse zur vollen Wirkung und Geltung gebracht werden, daher sei die Kooperation mit den anderen Staaten auch so wichtig. Der
Präsident betonte die Zukunft der Donau als umweltfreundliche und zukunftsträchtige Verkehrsstraße und verwies auf die hohe Aktualität der heutigen Veranstaltung. Im Übrigen sei die Donau der Politik ein wichtiges Anliegen, was man auch mit der Installation von Waltraut Cooper unterstreiche, mit der gleichsam die Donau zum Leuchten gebracht werde.

Man dürfe freilich die Donau nicht nur als "Autobahn des
Schiffes" sehen, denn die Donau sei auch aus touristischer Sicht höchst interessant. Umweltschutz und wirtschaftliche Nutzung
seien keine Gegensätze, in der Donauraumstrategie gehe es um das Sowohl als Auch. Die Donau verbinde die Völker seit zwei Jahrtausenden, und auch jetzt gelte es, auf der Wirtschaftsachse Donau die Kräfte zu bündeln und sie nachhaltig zu bewirtschaften.

Die Donauregion müsse zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum ausgebaut werden, wobei die Wirtschaft aber kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck sein solle, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zufriedenzustellen. Kneifel betonte die Rolle der
Donau als Ausdruck eines Europa der Regionen und wünschte sich,
die Donau möge auch in Zukunft für das friedliche Zusammenleben und -arbeiten der europäischen Völker stehen.

Makroregionale EU-Strategie

Roland Arbter vom Bundeskanzleramt beleuchtete die Thematik aus
der Perspektive der nationalen Koordination. Der Donauraum stelle eine makroregionale EU-Strategie dar, von der Österreich umfangreich profitieren könne. Ausgehend von einer österreichischen Initiative habe sich die EU seit 2009 mit dem Donauraum befasst, ab Juli 2011 gehe es nun darum, die
erarbeiteten Zielsetzungen auch umzusetzen. Durch eine konkrete Zusammenarbeit mehrerer Partner soll zudem die Integration vorangetrieben werden.

Arbter erläuterte sodann die Prioritäten und die "Targets" der Donauraumstrategie anhand der vier Säulen und bewertete diese aus österreichischer Sicht. Sodann setzte er sich mit den
Ansatzpunkten für die Schifffahrt im Rahmen dieser Strategie auseinander.

Logistikdrehscheibe Österreich

Alexander Klacska von der WKO erinnerte daran, dass nur 15
Prozent der Kapazität der Donau genützt würden. Mit der Donauraumstrategie habe Österreich aber die Chance, zur Logistikdrehscheibe von und nach Südosteuropa zu werden. Dazu
gelte es, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die
Regional- und Verkehrspolitik auf die erforderlichen Maßnahmen abzustimmen. Ziel müsse es sein, die Menge der transportierten Güter auf der Donau zu verdoppeln und entsprechende Einsparungen bei den Transportkosten zu erzielen. Im Übrigen sei das Schiff
noch umweltfreundlicher als Bahn, es sei verlässlich, sicher und energieeffizient, betonte Klacska. In diesem Lichte könne die
Donau Standortqualität und Vorteile für den Standort Österreich bringen.

Klacska verwies auch auf die enorme Bedeutung der Personenschifffahrt. So seien 2010 über eine Million Passagiere
auf der Donau befördert worden, wobei sich das Passagieraufkommen bei Kreuzfahrten in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt habe. Die Zahl der abgefertigten Passagiere am Personenhafen Wien habe sich seit 2002 mit 363.000 Personen sogar verdreifacht. Schließlich komme man über die Donau auch in die Schwarzmeerregion, womit ein erhebliches Entwicklungspotential
und ein Markt mit 140 Millionen Menschen gegeben sei.

Österreichs Donauhäfen Wirtschaftsmotor

Christian Steindl von der Interessensgemeinschaft öffentlicher Donauhäfen in Österreich ging auf die Umschlagentwicklung der österreichischen Donauhäfen im Vorjahr ein und legte die Funktionen der Donauhäfen Linz, Enns, Krems und Wien dar. Er unterstrich die Bedeutung der Häfen für die heimische Wirtschaft und bezeichnete sie als einen "Wirtschaftsmotor im Donauraum".
Dazu müssten die vorhandenen Potentiale jedoch voll ausgeschöpft und die Transportwege weiter optimiert werden. Konkret warb
Steindl für einen Ausbau der Fahrwassertiefe, um die Donau ganzjährig befahren und damit bewirtschaften zu können.

Am frühen Nachmittag werden Wirtschaftsexperten der Frage nachgehen, was die Donauraumstrategie der Wirtschaft bringt. Zu
Wort kommen dabei unter anderen Ralph Gallob, der Geschäftsführer der Industrie Logistik Linz GmbH, und Hans-Peter Hasenbichler,
der Geschäftsführer der "via donau".

Waltraut Coopers Lichtinstallation "Donauwellen" am Parlamentsgebäude

Im Vorfeld der Konferenz zur Donauraumstrategie wurde die Lichtinstallation "Donauwellen" der Künstlerin Waltraut Cooper an der Fassade des Parlamentsgebäudes angebracht. Sie soll die Donau als völkerverbindenden Strom symbolisieren.

Die Installation ist von 23. bis 29. Mai zu sehen und wird
täglich morgens von 5.00 bis 8.00 Uhr und abends von 19.00 bis 23.00 Uhr eingeschaltet.

Die Künstlerin Waltraut Cooper gilt als führende Lichtkünstlerin und Pionierin der digitalen Kunst. Für die Ars Electronica schuf die gebürtige Linzerin im Jahr 1987 "Klangmikado", das man heute als Klassiker der digitalen Kunst bezeichnet. In ihrem
Großprojekt "Regenbogen für Europa" (2004) wurden in ausgewählten europäischen Metropolen historisch bedeutende Bauwerke in
farbiges Licht getaucht(Königsschloss in Warschau, Brandenburger Tor in Berlin, Kolosseum in Rom, Kunsthistorisches Museum in
Wien, Europa-Parlament in Brüssel, Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau). Sie sollten als Zeichen von Verbindung zwischen
Menschen, Zeiten und Orten dienen.

Anlässlich der Verleihung des Berufstitels "Professorin" im Mai 2010 an Cooper würdigte Heide Hagebölling, Professorin an der Kunsthochschule für Medien in Köln, in ihrer Laudatio die "poetische Kraft", die materiell wie immateriell dem Oeuvre
Waltraut Coopers innewohne. Ihre Lichtskulpturen setzten "starke nächtliche Zeichen in einem oftmals unüberschaubar wirkenden öffentlichen Raum", sagte Hagebölling, "die gestaltende Reduktion auf das Wesentliche - Licht, Farbe, Form - rücke die Künstlerin
in die Nähe des Konstruktivismus".

Waltraut Cooper hat neben Kunst in Lissabon und Frankfurt auch Mathematik und theoretische Physik in Wien und Paris studiert. Waltraut Coopers Werk wurde mit zahlreichen Preisen
ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs und Kuratoriumsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik. Ihre
Arbeiten wurden unter anderem in Wien, Berlin, Rom, Paris,
Montreal, Boston und New York gezeigt.

HINWEIS: Fotos von dieser Konferenz finden Sie - etwas zeitverzögert - auf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at) im Fotoalbum.
(Schluss)

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