Stellenwert von Impfungen verkannt

Kürzlich gegründeter Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) tritt verstärkt für das Thema Impfen ein

Wien (OTS) - Das Thema Impfen zählt zu den großen Erfolgsgeschichten in der modernen Medizin. Seit Beginn der ersten Impfungen - gegen die Pocken im 18. Jahrhundert - wurden unzählige Impfstoffe entwickelt, verbessert und somit Millionen Menschen vor Erkrankungen bewahrt. Durch Impfungen können jedes Jahr weltweit drei Millionen Todesfälle abgewandt, ca. 400 Millionen Lebensjahre gewonnen und etwa 750.000 Behinderungen bei Kindern verhindert werden.(1) Impfprogramme müssten sich angesichts dieser Erfolge eigentlich größter Beliebt-heit erfreuen. In Österreich sieht die Realität allerdings anders aus: Die Impfquoten stagnieren und die Stimmen der Impfgegner werden laut vernommen. Wie der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) für eine auf Fakten basierte Bewusstseinssteigerung für Impfungen eintritt, wurde nun im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert.

Bei der Pressekonferenz zum Thema "Stellenwert von Impfungen verkannt" diskutierten Andreas Kronberger, Präsident des ÖVIH und Geschäftsführer der Baxter Healthcare GmbH und Mag.a rer.nat. Renée Gallo-Daniel, Generalsekretärin des ÖVIH, Head Public Vaccines, External Affairs, GlaxoSmithKline Pharma GmbH über den Status Quo von Impfungen in Österreich, österreichische Impfprogramme und schließlich den neuen Verband ÖVIH, der ab 2011 verstärkt für das Thema Impfen eintritt.

"Impfen braucht Engagement - ÖVIH zeigt Einsatz"

"Um in der Bevölkerung stärkere Aufmerksamkeit für das Thema Impfen zu erzeugen, wurde der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) - eine Initiative zur Stärkung des Impfbewusstseins in Österreich - gegründet, der sich für den optimalen Impfschutz aller ÖsterreicherInnen einsetzt", erläuterte Andreas Kronberger, Präsident des ÖVIH und setzte fort: "Der Verband stellt wesentliche Grundlagen rund um das Thema Impfen zur Verfügung und bietet einen fundierten Informationsservice. Er ist Partner für alle, denen ein umfassender Impfschutz der ÖsterreicherInnen ein Anliegen ist." Die Gründung des Vereins basiere auf der Tatsache, dass sich um das Thema Impfen in der Öffentlichkeit viele Mythen ranken. Der Verband fördere daher einen wissenschaftlichen, auf Fakten basierten Diskurs mit den Verantwortlichen des Gesundheitswesens und der Öffentlichkeit über die Sinnhaftigkeit von Impfungen. Mag.a rer.nat. Renée Gallo-Daniel, Generalsekretärin des ÖVIH, betonte, dass sich der ÖVIH als österreichische Vertretung des Europäischen Dachverbandes EVM (European Vaccines Manufacturers) an dessen Zielen und Mission orientiert. Kronberger erläuterte im Anschluss die Ziele des Verbandes: "Diese umfassen die Erhöhung des Bewusstseins für Impfstoffe als wesentliche primäre Präventionsmaßnahme, die Sicherstellung des Zugangs und der Finanzierung von bestehenden und neuen Impfungen sowie die Förderung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Impfstoffen als primäre Präventionsmaßnahme." Zudem sollen ein evidenzbasierter medialer und politischer Diskurs zum Thema Impfungen sowie die Kooperation mit Vertretern des Gesundheitswesens gefördert werden. Dafür setzt sich der ÖVIH ein, an welchem alle in Österreich agierenden Impfstoffhersteller beteiligt sind.

Für Herdenimmunität werden ausreichend hohe Durchimpfungsraten benötigt

Nach der Vorstellung des Verbandes und dessen Zielen, erläuterte Mag.a rer.nat Gallo-Daniel den großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zweck, den Impfungen neben dem individuellen Nutzen erfüllen. Ein besonders wichtiger Aspekt von Immunisierungen sei der Schutz der Bevölkerung vor Epidemien. "Diese können vor allem dann auftreten, wenn die Durchimpfungsraten der Bevölkerung unter einem bestimmten Wert liegen. Bei Masern beispielsweise müssen etwa 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, um eine Ausbreitung zu verhindern. Dieser Effekt wird als Herdenimmunität bezeichnet", so Mag.a rer.nat. Gallo-Daniel. Herdenimmunität bedeute, dass die durch die Impfung erzeugte Immunität gegen einen Krankheitserreger innerhalb einer Population, so weit verbreitet sei, um durch eine Unterbrechung der Erregerausbreitung auch nicht-immune Menschen zu schützen. Einen besonderen Vorteil bietet die Herdenimmunität Personen mit Immunsuppression oder Neugeborenen. "Die Herdenimmunität schützt demnach alle: die geimpften Personen, die Nichtgeimpften und jene, die auf die Impfung nicht angesprochen haben", stellte Mag.a rer.nat. Gallo-Daniel weiters fest.

Impfprogramme und Empfehlungen bei Influenza, FSME, Rotaviren, MMR

Im Rahmen der Pressekonferenz diskutierten Kronberger und Mag.a rer.nat. Gallo-Daniel über die Notwendigkeit von Impfungen sowie Impf-Empfehlungen in Österreich. Die Beurteilung, ob eine Impfung zur Bekämpfung von Influenza notwendig ist, wird gerade hierzulande kontrovers diskutiert. Laut Impfplan 2011 (2) ist es in Hinblick auf Influenza wichtig, dass sich Menschen über 50 Jahre und all jene mit chronischen Erkrankungen gegen die saisonale Influenza impfen lassen. "In Österreich sind wir mit den Influenza Durchimpfungsraten eines der Schlusslichter in Europa. Zu diesem Thema gibt es im ÖVIH auch eine eigene Arbeitsgruppe - die ARGE Influenza", bestätigt Kronberger. Ein positives Beispiel für eine hohe Durchimpfungsrate und die damit verbundene Zurückdrängung von Erkrankungen ist die FSME. 85 Prozent der ÖsterreicherInnen sind gegen FSME geimpft. Dadurch sind die jährlichen Erkrankungsfälle von 400-700 auf 50-100 gesunken. "Eine weitere Zurückdrängung ist deshalb wichtig, da es für FSME keine spezifische Behandlung gibt, die Erkrankung jedoch durch die Impfung vermeidbar ist", bestätigt der Präsident des ÖVIH weiter. Mag.a rer.nat. Gallo-Daniel führte zusätzlich an, dass das österreichische Impfprogramm gegen Rotaviren, einem Brechdurchfall, an dem Kinder erkranken, ein Beispiel für die effiziente Einführung einer impfpräventiven Maßnahme sei: "Im August 2007 wurde die Impfung gegen Rotaviren ins Kinderimpfkonzept aufgenommen. Bereits 2008 konnte eine beachtliche Durchimpfungsrate von 87 Prozent erreicht werden. Da die Akzeptanz der Impfung gegen Rotaviren sowohl bei den Eltern als auch bei den Ärzten sehr hoch ist, konnte 2009 erneut eine Steigerung der Durchimpfungsrate erreicht werden." Ein weiteres Beispiel für Handlungsbedarf biete, nach Angaben von Mag.a rer.nat. Gallo-Daniel, die Masernimpfung, die in der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zur Verfügung steht: "Die MMR-Impfung ist in einem Zwei-Dosenschema im Kinderimpfkonzept enthalten. Mit dem Ziel, Masern in Europa bis zum Jahr 2010 auszurotten, ist die WHO leider gescheitert. In vielen der 53 Länder der WHO-Europaregion ist die Impfrate nicht annähernd hoch genug, um die hochansteckende Erkrankung zu eliminieren. Eines der Ziele des ÖVIH ist es demnach, Aktionen der Akteure im Gesundheitswesen, die zur Steigerung der Durchimpfungsraten gegen Masern und somit die Erreichung des Eradikationszieles (3) bis 2015 führen, zu unterstützen", so Mag.a rer.nat. Gallo-Daniel. Kronberger verwies in der Folge darauf, dass die Gegenüberstellung der verschiedenen Immunisierungen (FSME, Rotaviren, Influenza, MMR) zeigt, dass Impfungen in der Gesellschaft unterschiedlich akzeptiert und wahrgenommen würden. "Dies ist nicht nur ein österreichisches Phänomen, sondern spiegelt sich auch in Europa wieder. Umso wichtiger ist uns das Ziel des ÖVIH, das Bewusstsein in der Gesellschaft für die Wertigkeit der Impfungen als primäre Präventionsmaßnahme zu erhöhen", stellte Kronberger abschließend fest.

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1) Ehreth, J.: The Global Value of Vaccination. Vaccine 2003:
21:4105-4117. Ehreth, J.: The value of vaccination: a global perspective. Vaccine 2003; 21:596-600.
2)http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/1/4/0/CH1100/CMS103891301
0412/impfplan_2011.pdf, Stand: 16.05.2011
3) Dieses meint die vollständige Eliminierung eines Krankheitserregers aus dem Körper.

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