WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was Merkel wirklich nicht gebraucht hat - von Hans Weitmayr

Der nächste IWF-Chef muss aus Merkel-Sicht ein Merkel-Mann sein

Wien (OTS) - Wer ein Faible für die einst subversive Zeichentrickserie "Simpsons" hat, kann sich Angela Merkels Reaktion auf den Fall des inhaftierten IWF-Chefs lebhaft vorstellen: Ein homersches "Nein". Mit den Vorwürfen gegen Dominique Strauss-Kahn ist bekanntlich das Personen-Karussell im Währungsfonds neu angeworfen worden - die Rotationsgeschwindigkeit stieg in 5,8 Sekunden von null auf 100. Womit Merkel - nach Strauss-Kahn - die zweite große Verliererin des Polit-Skandals ist. Aus dem Nichts ergibt sich für die bedrängte Kanzlerin ein neue Personaldebatte. Und zwar eine, die sie gewinnen muss, will sie sich national wie international nicht unwiderruflich lächerlich machen und auf der Frontseite des Nachrichtenmagazins Spiegel Schmähungen wie "Angela Mutlos" vermeiden.

Der Druck, den Merkel von Stunde null an verspürt hat, ergibt sich aus dem grandios fehlgeschlagenen Plan, mit dem sie das wichtigste Amt auf europäischer Ebene in ihren Bannkreis ziehen wollte: die EZB-Präsidentschaft. Um ihrem Kandidaten, Bundesbank-Chef Axel Weber, diesen Job zu ermöglichen, opferte sie zuvor die Positionen des EU-Außenministers wie die des EU-Präsidenten. Wie wir wissen, ging dieses Kalkül nicht auf und die Deutschen leer aus.

Im Lichte dieser Vergangenheit muss Merkel auf den IWF-Chefposten pochen. Mehr noch, sie muss ihn durchsetzen, will sie vor einer breiten Öffentlichkeit nicht endgültig als rückgratlose Abnickerin wahrgenommen werden. Die Ausgangslage ist taktisch nicht so schlecht. Denn traditionell steht die Position einem Europäer zu -China-Störfeuer ist genau das: Störfeuer. Merkel könnte in die Debatte einbringen, dass sie sich letzten Endes auch bei Mario Draghi als EZB-Chef kooperativ gezeigt hat - das Problem: das könnte ihr auch als Schwäche ausgelegt werden. Insbesondere, da die Deutschen personelle Schwächen zeigen: EBRD-Chef Thomas Mirow oder Ex-Finanzminister Peer Steinbrück sind zwar keine Nullnummern - gegen die Ausstrahlung der französischen Christine Lagarde wirken die Herren aber blass. Gegen das politische Gewicht des ehemaligen Premiers Gordon Brown kommen sie ohnehin nicht an - wobei fraglich ist, ob Brown den Segen Londons erhält.

Mit dem zunehmenden Einfluss des IWF in Europa muss der Zahlmeister des Kontinents die Führungsrolle im Fonds verlangen. Versagt Merkel in diesem Machtspiel, wird sie vom Gegner immer wieder an ihre Schwäche erinnert werden - spätestens, wenn die Umschuldung Griechenlands stattfindet und in den deutschen Medien einmal mehr ausgerechnet wird, was das den deutschen Steuerzahler kostet.

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